Raumakustik

Räume für das Hören tauglich machen


„Hören führt in die Geborgenheit“ sagt der Philosoph Martin Heidegger.

Wo erleben wir das noch?
Wo gibt es Räume, wo können wir Räume schaffen, die eine Geborgenheit vermitteln, und die uns das Hören und Verstehen ohne hohe Anstrengung ermöglichen?

Die Fähigkeit der zwischenmenschlichen Kommunikation über Hören und Sprechen ist die komplexeste Leistung der menschlichen Informationsverarbeitung überhaupt. Unser Hören ist eine der Sinnesbrücken, durch die der Mensch mit seiner Umwelt in Verbindung steht – oder aufgrund vieler Gegebenheiten eben weniger.
Hören und Verstehen sind verschiedene Bereiche, die aber sich verbinden. Wir hören zB. Lärm, aber deswegen verstehen wir noch lange nicht.

Das Hören und Verstehen in halligen Räumen ist bereits für viele guthörende Menschen ein Problem. Schwerhörige (ob mit oder ohne Hörgeräte) sind je nach Grad ihrer Hörschädigung nicht mehr in der Lage, ihr Gehör gezielt auf bestimmte Tonquellen zu richten und gleichzeitig störende Nebengeräusche einzudämmen oder diese gar auszublenden (selektives Hören). Gute akustische Verhältnisse sind deshalb für uns alle von enormer Bedeutung.

Denn: Kommunikationsräume müssen für alle Menschen geplant und gebaut werden.

Zwei Bereiche sind dafür wesentlich:

- Bauakustik: Die Bauakustik beschäftigt sich mit der Schallübertragung zwischen Umwelt und Gebäude (zB wie laut höre ich im Haus ein vorbeifahrendes Auto, ein über das Haus fliegendes Flugzeug) und der Schallübertragung zwischen den Räumen (zB wie laut höre ich das Fernsehgerät des Nachbarn, die Motoren der Aufzugsanlage, das

Bauakustik1

 

Bauakustik2

Rauschen des Wassers im Badezimmer des Nachbarn). Diese Schallübertragung erfolgt sowohl als Luftschall als auch über Körperschall.

- Raumakustik: Diese beschäftigt sich mit der Ausbreitung der Schallwellen im Raum selbst. Die Art und Weise der Schallausbreitung (Reflexionen, Hall, Echo) bestimmt die Hörsamkeit von Räumen, somit auch das Wohlfühlen in einem Raum. Um eine hohe Sprachverständlichkeit (sowohl in direkter Kommunikation als auch bei der Verwendung von Lautsprecheranlagen) zu erreichen, müssen bestimmte physikalische Forderungen erfüllt sein.
Raumakustik

Anforderungen

Gute akustische Verhältnisse (nicht nur) für Hörbehinderte bedeuten:

- Geringe Hintergrundgeräusche (Beachtung der bau- und  raumakustischen Normen und Richtlinien, Lärmminderung an Maschinen und Geräten)

- Hohe Sprachverständlichkeit durch optimale Abstimmung der wichtigen raumakustischen Faktoren (Absorption, Reflexion, Nachhall)

Bereits durch die Beachtung einiger Faustregeln können recht gute Verhältnisse erreicht werden. Schließlich sind aber in Bezug auf den Fremdgeräuschpegel und die Schallübertragung von Sprechenden zu Hörenden klare und eindeutige Anforderungen zu definieren und zu realisieren.

Dafür gelten die Normen ÖNORM B 8115-3, Schallschutz und Raumakustik im Hochbau, Teil 3: Raumakustik; sowie die Reihe ÖNORM B 1600 ff, Grundlagen des barrierefreien Bauens. Sie sind wichtige Richtlinien für die hörbehindertengerechte Gestaltung.

Bau- und Raumakustik – Planung und Maßnahmen

I.    Freiheit von Störgeräuschen

Normalhörende sind in der Lage, Sprache auch dann noch zu verstehen, wenn der Störgeräuschpegel 5 dB höher ist als das Sprachsignal. Für Hörbehinderte muss aber gefordert werden, dass das Störgeräusch mindestens um 15 dB geringer ist als das Sprachsignal. Da wir nicht beliebig laut sprechen können, und auch als Hörende nicht beliebige Lautstärken ertragen, darf das Störgeräusch eine gewisse Schwelle nicht überschreiten. So soll z.B. in Klassenräumen, Seminar- und Vortragsräumen ein maximaler Umgebungsgeräuschpegel von 30 dB (A) nicht überschritten werden.
Diese Anforderungen beziehen sich auf die Geräusche außerhalb  von Gebäuden (zB. Straßenlärm) und innerhalb des Raumes (zB. Lüftung, Hintergrundmusik, Geschirrspüler, Tellergeklapper, etc.).
Für die spezifische Situation von Räumen/Gebäuden, in denen sich Hörbehinderte aufhalten, sind die um 5 dB erhöhten Anforderungen oder allenfalls speziell zu vereinbarende Anforderungen zu erfüllen. Die Anforderungen sind zusammen mit einem Akustiker zwischen Bauherrschaft und Architekten zu treffen. Die Nutzer (Schwerhörige) müssen ihren Einfluss auf die Bauherrschaft geltend machen und zwar mit allem Nachdruck.
Während bei Schwerhörigkeit in der Stille noch gut verstanden wird, sinkt die Verständlichkeit in mäßigen Störgeräuschen erheblich und bricht im starken Störgeräusch zusammen.
Gerade in Restaurants, Cafés, Speise- und Wartesälen werden die grundlegenden Anforderungen an die Raumakustik sträflich vernachlässigt. Daher ist es um so wichtiger, in diesen Räumen den zwangsläufig vorhandenen Störschall durch verschiedene Maßnahmen (Raumakustik) möglichst gering zu halten.
Hinweis: Auch Musikuntermalung von Texten (sogenannte Hintergrundmusik), wie sie im Fernsehen häufig aus dramaturgischen Gründen eingesetzt wird, ist für Guthörende „interessant“, verschlechtert aber für Schwerhörige die Sprachverständlichkeit erheblich. Leider sind die dafür zuständigen Damen und Herren guthörend, sie verstehen die Sprache zu gut als dass sie Verständnis für die Probleme Schwerhöriger haben könnten.

II.    Raumakustische Verhältnisse

Jeder natürliche Raum (Höhle, Grotte, etc.) und jeder künstlich erschaffene Raum (Büro, Warteraum, Zuschauerraum, Lehrsaal, Bahnhofhalle, etc.) hat aufgrund der Beschaffenheit seiner Raumbegrenzungsflächen (Boden, Wand, Decke) und auch der darin befindlichen Körper (Möbel, Sessel, Vorhänge, Teppiche, Personen usw.) eine ihm eigentümliche Raumakustik.
Im wesentlichen wird die Raumakustik von folgenden zwei physikalischen Parametern bestimmt:

a)    Nachhallzeit : Das ist diejenige Zeit in Sekunden, in der ein Schallereignis im Raum „nachklingt“, d.h.: in der die Schallintensität nach Abschalten der Schallquelle um 60 dB bzw. 1/1000 des Ausgangswertes abnimmt. Für die Sprachverständlichkeit ist eine wesentliche kürzere Nachhallzeit erforderlich als für Musikdarbietungen. Die längste Nachhallzeit wird zB in Kirchen mit Orgelmusik empfohlen.

b)    Hallradius: Für eine gute Sprachverständlichkeit ist es erforderlich, dass der direkte Schallanteil von der Schallquelle (zB Sprecher) größer ist als der vom Raum reflektierte Schall (Hall). Die Entfernung von der Schallquelle, bei der beide Schallanteile (direkt oder reflektiert) gleich groß sind, wird als Hallradius bezeichnet. Durch geeignete raumakustische Maßnahmen wird der Hallradius je nach Verwendung des Raumes optimiert. Darüber hinaus ist es wichtig, Lärm im Raum (Lüftung, PC’s, Nebengeräusche etc.) möglichst zu vermeiden, den je leiser der Raum ist, umso besser ist die Sprachverständlichkeit.

Für die raumakustischen Verhältnisse gibt es je nach Nutzung des Raumes (Unterscheidung zwischen Sprache und Musik, Unterrichtsräume: ÖNORM B 8115-3, DIN 18041, div. EN-Normen) genau definierte Mindestanforderungen. Leider werden die Anforderungen dieser Normen häufig ignoriert, die Folge sind Räume, die für eine Kommunikation nicht geeignet sind.

Für Räume, die vor allem für Sprache genutzt werden, kann wie folgt zusammengefasst  werden:


- Optimale Nachhallzeit einhalten: Für die Beurteilung der Halligkeit von Räumen gibt es die sogenannte Nachhallzeit. Sie kann dank moderner Simulationen bereits im Planungsstadium mit zumeist guter Genauigkeit berechnet werden. In bestehenden Räumen kann sie einfach gemessen werden. Darüber hinaus ermöglichen heute so genannte Auralisationsprogramme einen Raum bereits vor dem Bau hörbar zu machen. Hier wird mittels aufwändiger Algorithmen die Schallausbreitung im Raum berechnet und über Lautsprecher oder Kopfhörer hörbar gemacht.

- Frühe Schallreflexionen fördern: Frühe Schall-reflexionen an der Decke oder an den Wänden sind zu fördern, weil sie die Sprach-verständlichkeit verbessern

- Späte Schallreflexionen dämpfen: Späte Schall-reflexionen beeinträchtigen die Sprachverständlichkeit. Sie werden als Nachhall, als Echo oder sogar als Flatter-echos wahrgenommen. Diese Schallreflexionen sollen daher möglichst gedämpft oder ganz vermieden werden

- Echos und Flatterechos vermeiden: Echos und Flatterechos können mit geo-metrischen Mitteln im Planungsstadium eruiert und damit vermieden werden. Maßnahmen: Geometrisch richtige Lenkung des Schalls, Schallabsorption

- Sprachverständlichkeit: Die hier angeführten Faktoren beeinflussen in weitem Umfang das Maß der Sprachverständlichkeit. Auch für die objektive Beurteilung der Sprach-verständlichkeit gibt es international gültige Normen und Messmethoden.

Reflexion Schall

Die Frage der idealen Nachhallzeit wird wieder stark diskutiert. Definitive Richtwerte sind in den Normen ÖNORM B 8115-3 oder DIN 18041 enthalten.
Im allgemeinen Sprachgebrauch ist die Nachhallzeit die wesentliche raumakustische Kenngröße. Sie erschließt sich jedem Zuhörer als erstes, bei Musikern häufig mit der Tendenz, dass eine längere Nachhallzeit als „bessere Akustik“ eingestuft wird. Dies ist auch der Grund, warum in den Normen zwischen unterschiedlicher Nutzung der Räume unterschieden wird und daher verschiedene Werte der Nachhallzeit definiert sind.
Dies ist besonders wichtig für die Verständlichkeit von Sprache. Hier werden hallige Räume oft beanstandet. Ganz extrem ist die Einstufung durch Personen mit Hörschäden. Schwerhörige Personen empfinden die raumakustische Situation um so günstiger, je kürzer die Nachhallzeit ist. Nach heutiger Kenntnis liegt das Optimum für die Nachhallzeit von kleinen bis mittleren Räumen bei nur 0,4 bis 0,6 s. Die zum Teil älteren Normen werden deshalb derzeit überarbeitet, bzw. wurden schon überarbeitet und den modernen Erkenntnissen angepasst.

Diese Erkenntnis hat zwei Gründe:

Einerseits ist die Nachhallzeit eine Kenngröße dafür, wie schnell die im Raum vorhandene Schallenergie abgebaut wird. Je schneller dieser Energieabbau erfolgt (je größer also die Schallabsorptionswirkung der absobierenden Flächen im Raum ist), desto leiser wird der Raum. Hier ist also auch eine Auswirkung auf die Höhe des Störgeräuschpegels gegeben.
Interessant ist hierzu die häufig zu beobachtende Feststellung, dass in nachhallarmen Räumen (wegen des geringeren Störschallpegels) auch leiser gesprochen werden kann. Dadurch nimmt der durch die Unterhaltungen erzeugte Störschallpegel bei Nachbesserungen oft doppelt so stark ab, wie es allein aufgrund der Nachhallreduzierung zu erwarten wäre.
Andererseits ist in einem halligen Raum der diffuse von allen Raumbegrenzungsflächen reflektierte Anteil eines Sprach-Signals größer als in einem Raum mit stark absorbierenden Decken- und Wandflächen. Diese diffusen Sprachschallanteile enthalten keine für das Sprachverständnis nutzbare Information.
Dies gilt übrigens in gleicher Weise für Schwer- und für Guthörende. Ausschließlich der direkte Signalanteil ist für die Verständlichkeit nutzbar und muss dazu nach den Untersuchungen von Fastl und Oberdanner ausreichend hoch über dem Störsignalanteil liegen. Durch Verkürzen der Nachhallzeit kann man den Hallfeld-Schallpegel absenken und erhält dadurch auch in größeren Abständen (--> Hallradius)  von einem Sprecher noch ein ausreichendes gutes Direktschall-Diffusschall-Verhältnis.
Darüber hinaus ist es in nachhallärmeren Räumen weit weniger problematisch, eine elektroakustische Sprachverstärkung auszusteuern, ohne dass Rückkopplungspfeifen den Verstärkungsgewinn der Anlage begrenzt. Die damit verbundene Anhebung des Nutzsignalpegels gegenüber dem abgesenkten Störschallpegel kommt den Zuhörern direkt zugute.


III.    Hinweise für die Raumgestaltung:

- Versorgung mit Direktschall – freie Sichtlinie: Um die wichtige Versorgung mit Direktschall sicherzustellen, müssen die Kriterien für freie Sichtlinien auch für die Akustik angewendet werden. Das bedeutet vor allem für größere Räume ansteigende Publikumsflächen oder hochgelegte Bühnen. Der Grundriss und die Anordnung des Publikums muss je nach Nutzung so optimiert werden, dass die Direktverbindung zwischen Sprechenden und Hörenden möglichst kurz ist. Diese Forderung ist allerdings für Hörbehinderte mit der Auflage zu verbinden, dass die Sicht für das Lippenabsehen möglichst gut ist (nicht zuletzt auch durch eine geeignete Beleuchtung)

- Frühe Schallreflexion ermöglichen: Trotz der Forderung nach einer kurzen Nachhallzeit soll in einem Raum nicht nur Direktschall übertragen werden. Durch geeignete Reflexionen soll Schall auch in Bereiche gelenkt werden, die weiter von der Schallquelle entfernt sind. Als Reflexionsflächen eignen sich in kleinen Räumen die Decke und z.T. die Wände. In größeren Räumen können die Decke und Wände speziell geformt werden und sogar eigens Reflektoren eingesetzt werden. Bei größeren Räumen ist eine akustische Fachberatung unumgänglich.

- Richtige Materialauswahl – Absorber am richtigen Ort: Die wegen der Forderung nach einer kurzen Nachhallzeit notwendigen Flächen mit Schallabsorption sind demnach so im Raum zu verteilen, dass nutzreiche Reflexionen erhalten bleiben, schädliche Reflexionen jedoch unterdrückt werden. Es ist zu bedenken, dass die Nachhallzeit frequenzabhängig ist und die verwendeten Materialien (Beton, Mörtel, Ziegel, Holz, Glas, Mineralwolle, Gipskartonplatten, Dispersionsfarbe, usw.) ebenfalls einen, von der Frequenz abhängigen Absorptionsgrad aufweisen, d.h. bei tiefen Tönen den Schall mehr oder weniger „schlucken“ (absorbieren) als bei hohen.

Schematisch ist die Anordnung im folgenden Bild gezeigt: 
Absorption gut

- Die Wahl und Platzierung der für die akustischen Verhältnisse maßgeblichen Materialien hat in Zusammenarbeit mit akustischer Beratung durch einen kompetenten Bauphysiker (Raumakustiker) zu erfolgen. Maßgeblich sind Nachhallzeitberechnungen und insbesondere bei größeren Räumen Computersimulationen.

- Restaurants, Essräume, Aufenthaltsräume, Wartesäle, etc.: Räume, die nicht primär dazu dienen, dass eine einzige Person spricht und eine oder mehrere Personen zuhören, sind meistens relativ lärmig. In diesen Räumen ist es sinnvoll, die ganze Decke schallabsorbierend zu verkleiden und die Nachhallzeit kurz zu halten. Auf diese Weise wird auch der Störgeräuschpegel verringert.

IV.    Vorgehen bei der Planung:

Für die Planung ist in der Regel eine akustische Beratung erforderlich. Für kleine Räume ist die akustische Planung weniger aufwändig, aber trotzdem für die Belange der Hörbehinderten sehr ernst zu nehmen. Je größer der Raum und je verschiedenartiger das Spektrum der Nutzung von Räumen, umso umfangreicher wird die Beratung. Heute werden mit zumeist Computersimulationen und bei aufwändigeren Projekten auch Auralisationen (Abhören von noch nicht gebauten oder adaptierten Räumen) bei gezogen.

Die Genauigkeit dieser akustischen Prognosen hat heute einen (je nach Eingabegenauigkeit) hohen Level erreicht. Darüber hinaus sind je nach Bauphase begleitende raumakustische Messungen empfehlenswert.

Die raumakustische Planung von Kommunikationsräumen muss zunächst die prinzipiellen Gesetzmäßigkeiten für Räume zur Sprachkommunikation Guthörender beachten. Zusätzlich sind von Anbeginn der Planung aber auch die Probleme der Hörgeschädigten mit zu berücksichtigen. Dabei ist zu bedenken, dass nicht nur die typischen „Veranstaltungsräume“ der sprachlichen Kommunikation dienen, denn Kommunikation findet überall dort statt, wo sich Menschen begegnen: in Kindergärten, Schulklassen, Konferenzräumen, vor Gericht, in Hörsälen, Theatern, Kinos, Kirchen und Sportstätten, in Werkstätten bei der Unterweisung von Lehrlingen und im Operationssaal beim Zureichen des Bestecks, aber auch beim Gespräch innerhalb der eigenen Wohnung, am Krankenbett, am Fahrkarten- oder Bankschalter bzw. in Läden beim Einkaufen, oder im PKW oder Reisebus. Auf vielen Bahnhöfen verstehen dank extrem ungünstiger raumakustischer Faktoren und mangelhafter Beschallungsanlagen auch Guthörende nur „Bahnhof“.

Nicht in allen Räumen wird man für Menschen mit Hörschädigungen in gleichbleibender Qualität sorgen können. Die besonderen raumakustischen Notwendigkeiten müssen aber von vornherein beachtet werden und auch die in Kommunikationsräumen erforderlichen technischen Hilfsmittel sind einzuplanen.

Der Art.VII, der Bundesverfassung ist auch bei der schalltechnischen Planung umzusetzen: Kernaussage: "Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden". Es geht darum, dass es endlich gelingt, nicht bloß für die betroffenen Menschen zu arbeiten und zu agieren, sondern in erster Linie MIT ihnen. Es ist entscheidend, inwieweit Betroffene und ihre Organisationen in die Planung und Ausführung eingebunden werden.

Das geringe Wissen normalhörender Planer um die spezifischen Bedürfnisse von Menschen mit Hörschäden hat dazu geführt, dass bisher nur in wenigen Räumen, vorrangig in Kirchen und Theatern, Anlagen zur Verbesserung der Sprachübertragung eingebaut sind. Diese Anlagen arbeiten im allgemeinen nur in einer Richtung (wie beim Frontalunterricht), ermöglichen aber noch nicht die Kommunikation aller (wie bei einem Seminar). Die einschlägigen Normen benennen zwar im Anwendungsbereich die Blinden und Sehbehinderten sowie die Gehörlosen und Hörgeschädigten; Planungsgrundlagen fehlen aber weitgehend. Hinweise, dass Signale, wie Pausenzeichen, Türklingeln oder eine Alarmanlage und gegebenenfalls auch deren Rückmeldung, nach dem „Zwei-Sinne-Prinzip“ akustisch und optisch ausgeführt werden müssen, sind vielfach unbekannt. In den nunmehr neu überarbeiteten Normen zum barrierefreien Bauen (ÖNORM B1600ff) wurden diese Erkenntnisse allerdings bereits berücksichtigt.

Forderung an die Behörden, die Verwaltung, den Bauherrn, die Kontrolllore in Bezug auf die Raumakustik:

Die Anforderungen der ÖNORM B-8115 sind einzuhalten, insbesondere die im Teil 3 angegebene optimale Nachhallzeit (=Mindestanforderung) für den bedungenen Gebrauch ist vor der Errichtung des Raumes zu planen (dafür gibt es Fachleute) und nach Errichtung des Raumes zu überprüfen.


Inhalt und Gestaltung: 

Ing. Alfred Sturma, Fa. ACS, Wien
Rosenhügelstraße 13, 1120 Wien
Tel: 0664 9013363 – Fax: 01 803944433
www.acs-akustik.at   - Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! 

Prof. DI William Wallner
Zivilingenieur f. Elektrotechnik
Gerichtlich beeideter u.zertifizierter Sachverständiger
ZT-Büro (Akustik & Lichtechnik)
Burenstraße 54, 8020 Graz
Tel: 0664 / 4975195 – 0316 / 581417 – Fax: 0316 / 575422
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veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung der Verfasser im Jahr 2011

Österreichische Schwerhörigen Selbsthilfe ÖSSH
Tel: 0681 / 207 470 56
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Homepage: www.oessh.or.at 


Höranlagen
für Menschen mit Höreinbussen


Verkannte Schwerhörigkeit

Sowohl die Gesellschaft, aber auch die Betroffenen selbst verkennen in vielen Fällen Auswirkungen einer Schwerhörigkeit, weil sie meist schmerzlos und unsichtbar ist. Hören scheint natürlich, banal und selbstverständlich zu sein. Aber gerade deshalb verunsichert eine Schwerhörigkeit die Betroffenen zutiefst und stört das natürliche Vertrauensverhältnis zur Umwelt. 

Das Ohr, das faszinierendste Sinnesorgan, ist in dauernder Bereitschaft, Signale aus der Umwelt aufzunehmen. Die Fähigkeit der zwischenmenschlichen Kommunikation über Hören und Sprechen ist die komplexeste Leistung der menschlichen Informationsverarbeitung überhaupt. Hören ist eine Sinnesbrücke, durch die der Mensch mit der physischen Umwelt in Verbindung steht. Das menschliche Gehör spricht auf spezifische Sinnesreize aus der Umwelt an, nämlich auf Schallschwingungen bestimmter Beschaffenheit, wobei Frequenz und Lautstärke die Hauptrolle spielen. Die größte Bedeutung erhält das Hören auf der Symbolebene, und zwar dadurch, dass das wesentliche Kommunikationsmittel, die Sprache, aus akustischen Zeichen gebildet wird. Praktisch von Geburt an erhält der Mensch lautliche Zusprache und lernt dadurch im Laufe weniger Jahre das Kommunikationssystem seiner Sozial- und Sprachgemeinschaft zu verstehen und zu verwenden. Damit erwirbt der Mensch zugleich das entscheidende Medium seiner seelisch–geistigen Entwicklung. Aus dieser Sicht ist das Gehör als der wichtigste Sinnesbereich des Menschen ansehen.

Das Hören ist für den Menschen genauso selbstverständlich wie das Sehen, das Fühlen, das Schmecken oder die Freude und das Leid. Wie sieht es dann in der Natur damit aus? Egal, ob Mensch oder Tier, die Natur hat uns mit zwei Augen und Ohren ausgestattet. Das bedeutet, dass Sehen und Hören die höchste Priorität genießen. Somit ist das Hören in der Tierwelt sogar überlebensnotwendig. Hören und Verstehen sind verschiedene Dinge, die aber einander bedingen.

Im Vergleich der Prioritäten ist das Hören bei den Menschen und den meisten Säugetieren noch über das Sehen zu stellen. Die Forschung vom werdenden Leben, der Embryologie, weiß zu berichten, dass sich bei der ersten Zelldifferenzierung am Beginn der Schwangerschaft bereits das Gehör auszubilden beginnt und es ist in der modernen Wissenschaft unumstritten, dass der Fötus bereits ab den vierten Monat akustischen Informationen aufnimmt - das junge Leben hört! Und die moderne Sterbeforschung, begründet durch Dr. Raymond Moody und Dr. Elisabeth Kübler-Ross, hat erkannt, dass das Gehör am Ende unserer Zeit das letzte Sinnesorgan ist, das seine Funktion einstellt.

Schwerhörige machen täglich die Erfahrung, dass ein Leben ohne Hören und Verstehen nicht dasselbe ist, wie es die Guthörenden „erleben“ können.

Zum Hören gehört nicht bloß die Sprache, unser Gehör hat viele Funktionen:

Es alarmiert, warnt und informiert uns ständig darüber, was in unserem Umfeld geschieht, hilft uns aber vor allem bei der Kommunikation, es aktiviert unsere Gehirntätigkeit. Die Denkfähigkeit des menschlichen Gehirns wird keineswegs allein durch Nahrung und Sauerstoff gewährleistet, sondern hauptsächlich durch stimulierende Reize, die es auch von den Sinnesorganen empfängt. Und diese liefert zu 90 Prozent das Ohr!

Daraus ist wohl unverkennbar, dass alles getan werden muss, um schwerhörigen Menschen das Hören und Verstehen in allen öffentlichen Räumen, im Bildungs- und Kulturbereich, an Arbeitsplätzen, in Verkehrseinrichtungen und im Privatbereich zu ermöglichen. Ebenso lebensnotwendig sind Vorkehrungen zur Alarmierung schwerhöriger Menschen, zB. in Hotels, die durch heutige Technik durchaus möglich ist.

Dank technischer Fortschritte stehen uns heute drei große Bereiche an Höranlagen zur Verfügung:

IndukTionsanlagen

Eine IndukTionsanlage ist die „unsichtbare Hörhilfe für eine (leider) unsichtbare Behinderung“, daher wird sowohl das eine und andere oft übersehen.

Was steckt hinter dem Prinzip des induktiven Empfangs ?

Das Prinzip Induktion beruht vereinfacht darauf, dass entlang der Wände eines Raumes unauffällig ein spezielles Kabel gelegt wird, die sogenannte Induktionsschleife. Diese wird von einem Induktionsverstärker betrieben, der die aus dem Mikrofon, Radio, Plattenspieler, Kassettenrecorder, CD-Player oder Fernseher stammenden Signale umwandelt und als Strom in die Schleife einspeist. Dieser Strom erzeugt in der Spule ein schwaches Magnetfeld im Raum, das im Rhythmus der Sprache oder Musik pulsiert. Dieses schwache Magnetfeld wird von der T-Spule des Hörgerätes ähnlich einer Antenne (für die Techniker: es ist ein Trafo mit loser Kopplung) aufgenommen und wieder in hörbare Schallschwingungen umgewandelt. Besonders positiv für Träger solcher Hörgeräte ist es, dass dabei nahezu keine Nebengeräusche übertragen werden und die gewünschten Informationen somit störungsfrei, nahezu in HIFI-Qualität gehört werden können. 


Diese Technologie hat Sam Lyberger bereits in den 50er Jahren für Hörgeräte nutzbar gemacht. Bisher wurde die Höranlage mit Spannungsverstärkern betrieben, wie sie auch für Lautsprecheranlagen im Einsatz sind. Ein Teil der Leistung des Audioverstärkers wurde für die indukTive Höranlage “abgezweigt” mit dem Resultat, dass die Leistung auf der IndukTionsschleife oftmals ungenügend war. War das Signal auf der Schleife zudem nicht separat regelbar, so war immer zu wenig Leistung auf der Höranlage, weil der Pegel der Lautsprecheranlage niemals voll aufgedreht werden muss, die IndukTionsschleife hingegen einen maximalen Pegel benötigt. Leider befinden sich solche IndukTionsanlagen noch heute in Betrieb, sind aber aufgrund ihrer schlechten Qualität wahrlich kein Einladung mehr.


Wichtige Hinweise zur Errichtung einer solchen Anlage:

Nur Anlagen mit Stromverstärker erfüllen die internationale Norm EN 60118-4. Vor allem in Dänemark, Schweden und Großbritannien werden heute nicht mehr Spannungsverstärker sondern spezielle IndukTions-Stromverstärker eingesetzt. Diese übertragen die Signale in hoher Ton-Qualität auf das Hörgerät. Da die Impedanz
(Wechselstromwiderstand) der IndukTionsschleife aufgrund physikalischer Gesetze mit der Frequenz
steigt, braucht die Ringleitung in den für die Sprachverständlichkeit so wichtigen hohen Frequenzen (Zischlaute!) mehr Spannung als bei den tiefen Tönen, um einen konstanten Strom in der Schleife sicherzustellen. Dies kann ein normaler Spannungsverstärker, wie er für Lautsprecher verwendet wird, aus technischen Gründen nicht leisten. Der Stromverstärker hingegen kann einen frequenzunabhängigen Strom liefern und passt die erforderliche Betriebsspannung den Umständen an.

IndukTionsanlagen sind trotz ihres schon langen Einsatzes keine veraltete Technologie. Natürlich konnte vor Jahrzehnten noch nicht jene heute übliche Qualität erreicht werden. Damals konnte wegen der damaligen beschränkten Leistungsfähigkeit und Tonqualität der Verstärker meist nur ein Teil des Raumes versorgt werden. Und gerade dieser Mangel bewirkte die Ausgrenzung und Ghettobildung der Hörgeräteträger im Raum. Die Folge davon war, dass nur wenige Schwerhörige das Angebot angenommen hatten und daher in weiterer Folge die Errichtung und Wartung solcher Anlagen unterlassen wurde, bis sie schließlich in Vergessenheit gerieten und frühere Anlagen heute weder in Theatern noch Kirchen funktionieren.

Heute sind IndukTions-Anlagen dank der enormen Entwicklung im gesamten Bereich der Tontechnik etwas Zukunftsträchtiges. Mit den modernen IndukTionsverstärkern ist dem Wirkungsbereich des indukTiven Hörens keine Grenze mehr gesetzt. Angefangen von großen Theatern und Kirchen über die Telefonzelle, den Fahrkarten- oder Bankschalter, Autobus, PKW  bis zum Wohnzimmer und der privaten Telefonanlage (selbst Handy)  gibt es die geeigneten Verstärker und Technologien. Der Hörgeräteträger mit der eingebauten IndukTionsspule im Hörgerät empfängt nahezu – wie schon erwähnt – HIFI-Qualität (High Fidelity = höchste Klangtreue)!

Es ist heute dank der Entwicklung durchaus möglich, indukTive Höranlagen in nebeneinanderliegenden Räumen ohne gegenseitige Störungen zu nutzen und selbst die Probleme durch Stahlbeton durch eine gut geplante und sorgfältig ausgeführte Verlegung zu minimieren.

Durch den in guten Anlagen eingebauten AGC-Regler (Automatic Gain Control) mit mind. 30dB Regelbereich und Einhaltung der internationalen Norm EN 60118-4 kann unabhängig von den Lautstärkeschwankungen des Sprechers oder des empfangenen Signals aus anderen Geräten (Radio,Fernseher.. usw.) überall im Raum gleich gut gehört werden, ohne die Lautstärke der Hörgeräte ständig neu einstellen zu müssen.

Die manchmal als Gegenargument vorgebrachte mögliche gesundheitliche Schädigung durch das im Raum vorhandene Magnetfeld ist bei neuen Anlagen durch Erfüllung von internationalen Normen vollkommen auszuschließen. Die Belastung ist wesentlich schwächer als das Sitzen vor einem modernen Computerbildschirm. Außerdem ist es kaum der Fall, dass jemand den ganzen Tag mit einer IndukTionsanlage hört, bei Bankschaltern befindet sich z.B. durch eine spezielle Verlegung der IndukTionsschleife der gut hörende Bankbedienstete weitgehend außerhalb des Magnetfeldes.  

Bei der Planung, Installation und Beauftragung einer Firma ist unbedingt auf die Einhaltung der internationalen Norm (EN 60118-4) zu achten, auch müssen durch vorherige Messungen eventuelle Störfelder erkannt werden und es darf nur ein Stromverstärker (kein Trafo) Verwendung finden, ebenso ein automatischer Dynamikkompressor (AGC-Controller) mit mindestens 30dB Regelbereich. Dieser ist in den meisten modernen Stromverstärkern bereits eingebaut.

Ohne Beachtung dieser Grundsätze ist die Anlage wertlos und sicherlich nicht im Sinne einer hörbehindertengerechten Ausstattung!

Bei Abnahme einer solchen Anlage sollten auch Betroffene eingebunden, sowie eine schriftliche Protokollierung der normgerechten Einmessung von der Herstellerfirma verlangt werden. 


Alle guten und normgerechten Anlagen brauchen einen klaren Hinweis durch das internationale Logo

Zusammenfassung der Induktion:

Vorteile:
* einfachste Technologie
* zumeist einfache Installation
* für Hörgeräteträger kein eigener Empfänger notwendig (T-Spule)
* bei entsprechender Auslegung (CAD-Planung) auch große Räume vollständig zu
versorgen
* keine Ghettobildung der Schwerhörigen wegen bestimmter Sitzplätze
* Frequenzgangentzerrung im Hörgerät bleibt erhalten
* Individualität des Hörens wird berücksichtigt
* preiswert

Nachteile:
* nur ein Kanal übertragbar
* Störungen durch Fremdmagnetfelder möglich
* bei Hörgeräten ohne T-Spule nicht nutzbar


Infrarot- Anlagen (IR-Systeme):

Unsichtbare Lichtstrahlen übertragen die gewünschten Informationen. Die Anlagen bestehen aus einen oder mehren Mikrofonen, einem Verstärker, einigen Sendern (nach Raumgröße) und eigenen Empfängergeräten. Der Verstärker wandelt das gewünschte SIgnal in moduliertes Infrarotlicht um, der Empfänger wandelt es wieder in Schall um.  Der Empfänger muss dabei in Sichtkontakt zum Sender sein. Normalerweise ist die Anlage für Guthörende und Leicht-Schwerhörende gedacht, dabei wird meist ein Kinnbügel als Empfänger und Hörer benützt (wird auch für’s Fernsehen angeboten, weil kabellos). Da aber Hörgeräteträger nicht auf ihr Gerät verzichten sollten, weil es ja meist eigens auf die jeweilige Hörschädigung eingestellt ist, benötigen diese für das Hören mit Infrarot zusätzlich zum umgehängten Empfängergerät eine sog. Teleschlinge (IndukTionsschlinge) und müssen ihr Gerät (wie bei der IndukTion) auf „T“ schalten. Wenn für das Hörgerät Audioschuhe vorhanden sind, kann auch eine Direktkoppelung vom Empfänger an das Hörgerät erfolgen, allerdings muss der Anwender die Audioschuhe und das Kabel selbst mitbringen. Die gesamte Anlage für größere Räume ist teurer als IndukTion, die Empfängergeräte müssen ausgeborgt werden, bzw. vom Veranstalter zur Verfügung gestellt werden. Da diese Empfänger mit Akkus oder Batterien gespeist werden ist eine aufwändige Wartung gegeben. Die Anlage ist gut, aber möglicherweise störempfindlich bei Tageslichteinstrahlung oder sonstigen Scheinwerfern.
Durch das sichtbare (oft auch umständliche) Tragen von Empfängergeräten wird die Anlage von Schwerhörigen nicht sehr gerne angenommen. Die Installation an und für sich ist zumeist unkompliziert und jederzeit nachträglich einbaubar.

Zusammenfassung:

Vorteile:
* Große Flächen mit kleiner Leistung zu versorgen
* zumeist einfache Installation
* Mehrere Kanäle simultan möglich (Dolmetschersysteme, Stereo)

Nachteile:
* Störungen durch Licht möglich (Sonneneinstrahlung)
* eigener Empfänger für jeden Hörenden notwendig
* Empfänger wartungsintensiv (Akkus, Hygiene)
* keine Frequenzgangentzerrung, wenn Hörgerät abgenommen
* Ghettobildung durch sichtliches Tragen der Empfänger
* Kostenintensiv


FM-Funkanlagen / Personal –FM - Systeme:

Funktion: Funkwellen im UKW- bis UHF-Bereich übertragen die gewünschte Information. Dafür sind eigene Empfänger- und Sendegeräte notwendig. Bei Einsatz in größeren und öffentlichen Räumen müssen ebenso vom Zuhörer sichtbar Empfängergeräte getragen werden, die mit Akkus und Batterien gespeist werden. Daher ist eine ständige Wartung notwendig und ein eigenes Verleihsystem seitens des Veranstalters aufrechtzuerhalten. Ebenso müssen sich Schwerhörige durch das Tragen der Empfängergeräte als solche ausweisen, was nicht immer akzeptiert wird und daher die meist teuren Anlagen Gefahr laufen unbenutzt zu bleiben. Dazu bedürfen möglicherweise die meisten Funkanlagen einer fernmelderechtlichen Bewilligung, was mit zusätzlichen Gebühren verbunden ist.
Kleinere Funkanlagen sind sicherlich für den privaten Gebrauch und in kleineren Gruppen sinnvoll und empfehlenswert,  z.B. bei Stadt- und Museumsführungen. Dafür gibt es transportable Koffer mit einigen Empfängern und einer Ladestation. Für Hörgeräte- und CI-Träger kann vom Empfängergerät mittels Kabel eine Direktverbindung zum Hörgerät erfolgen oder eine indukTive Halsschleife verwendet werden. Die Sendereinheit kann auch an Fernseher und Radio angeschlossen werden.
Weiters werden derzeit für Hörgeräteträger (und neuestens auch für CI) Funksysteme von verschiedenen Firmen hergestellt, die aus einem kleinen Sendeteil (als Mikrofon für Vortragende, oder koppelbar an Radio und Fernseher) und aus sehr kleinen an die Hörgeräte oder CI mittels Audioschuh (Adapter) aufsteckbaren Empfängerteilen bestehen. Diese (nicht sehr billigen) Systeme sind äußerst praktisch, weil keine lästigen Kabel mehr notwendig sind. Derartige Systeme (wenn auch zumeist älteren Datums) finden auch besonders in Schulen Verwendung.

Zusammenfassung:

Vorteile:
* je nach Frequenzbereich und Sendeleistung große Areale versorgbar
* mehrere Kanäle simultan möglich (Dolmetschersysteme, Stereo)
* Mauern zumeist kein Hindernis bei der Übertragung
* gute Eignung im privaten Bereich

Nachteile:
* Aufwändige Bewilligungsverfahren (Fernmeldebehörde)
* eigener Empfänger für den Zuhörer notwendig
* Empfänger sind wartungsintensiv (Batterien, Hygiene)
* Frequenzgangentzerrung nur bedingt möglich (Hörgeräte mit Audioanschluss)
* Ghettobildung durch sichtbares Tragen der Empfängergeräte in öffentlichen Räumen

Schlussbemerkung
IndukTive Höranlagen scheinen im gegenwärtigen Zeitpunkt nach wie vor die sinnvollste Lösung der Übertragungstechnik für Schwerhörige zu sein.
IR-Anlagen haben ihre Berechtigung im häuslichen Bereich (drahtlose Übertragung zum Kopfhörer für Guthörende) und für Simultanübersetzungsanlagen.
Dasselbe gilt für Personal-FM-Anlagen etwa bei Museumsführungen, für Situationen, wo man im Unterwegssein Hören und Verstehen möchte. Aber auch im schulischen Bereich.

Bei IndukTiven Höranlagen soll nur mit jenen Firmen zusammengearbeitet werden, die eine normgerechte Installierung gewährleisten können und ihrerseits bereit sind, bei der Planung und Ausführung die Bedürfnisse der schwerhörigen Menschen als oberste Priorität anzuerkennen.


Erstellt und bearbeitet von Ing. Alfred Sturma, Fa. ACS, Wien
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veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung des Verfassers im Jahr 2011

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LÄRM
und die Auswirkungen auf den Menschen


Was ist Lärm ?
Unter Lärm versteht man jede Art von Geräuschen, die ungewollt und störend auf einen Menschen einwirken.
Die ständige Einwirkung von Lärm löst je nach Schallintensität, Frequenz-zusammensetzung und Dauer, bzw. Regelmäßigkeit der Einwirkung sehr unterschiedliche physische und psychische Reaktionen aus.

Wie laut ist Lärm ?
Siehe dazu die Graphik.

Bild Schallquellen


Lärm, ein Umweltproblem unserer Zeit ?

Bereits vor über 2000 Jahren wurden die Klagen der Einwohner der Hauptstadt des römischen Weltreichs über den zunehmenden Verkehrslärm so laut, dass sogar der Senat die  Forderungen nach Verminderungen diskutierte, aber auch schon damals keine wirksame Abhilfe schaffen  konnte.

Auch Dokumente aus der griechischen Antike besagen, dass der Lärm in den Straßen von Athen ein unlösbares Problem darstellte.

Robert Koch, der u.A. den Tuberkel-Bazillus entdeckte, sagte Ende des19. Jahrhunderts, dass "die Menschheit in Zukunft den Lärm genauso bekämpfen muss, wie heute die Tuberkulose und die Pest".


Das Gehörorgan

das Ohr

Das Ohr wird in drei Abschnitte unterteilt:

- das äußere Ohr
- das Mittelohr
- das Innenohr

Das äußere Ohr besteht aus Ohrmuschel, Gehörgang und Trommelfell. Es dient zur Schallaufnahme und zur Weiterleitung der Schallwellen. Den Abschluss des äußeren Gehörgangs bildet das Trommelfell.

Das Mittelohr ist ein luftgefüllter Raum von etwa 0,8cm³, in dem sich die Gehörknöchelchenkette, bestehend aus Hammer, Amboss und Steigbügel, befindet.

Das Innenohr setzt sich im Wesentlichen aus dem Gleichgewichtsorgan und der Hörschnecke zusammen. In der Hörschnecke befindet sich das eigentliche Hörorgan (Cortisches Organ), dessen Haarzellen (Hörzellen) über die Hörnerven mit dem Hörzentrum im Gehirn in Verbindung stehen.

Schallwahrnehmung durch Luftleitung

Ankommende Schallwellen werden von der Ohrmuschel aufgefangen und gebündelt in den äußeren Gehörgang geleitet, wo sie auf das Trommelfell treffen. Die Bewegungen des Trommelfells werden über die Gehörknöchelchen übertragen. Dabei findet eine etwa 22-fache Verstärkung des ankommenden Schalldrucks statt. Die auf das Innenohr übertragenen Schallwellen erregen die Hörflüssigkeit zu Schwingungen, die sich auf die Haarzellen übertragen. Diese Bewegung führt zu Reizmechanismen, die bewirken, dass elektrische Impulse in die Hörnerven eingeleitet und zum Gehirn transportiert werden. Dort erfolgt die Sinneswahrnehmung des akustischen Signals.

Schallwahrnehmung durch Knochenleitung

Unter Knochenleitung versteht man die Zuführung von Schall zum Innenohr über Schwingungen des Schädelknochens. Dabei wird das Mittelohr umgangen. Von praktischem Nutzen kann die Knochenleitung für diejenigen Hörbehinderten sein, bei denen die Funktion des Innenohres normal (keine Lärmschwerhörigkeit), die Schallübertragung durch das Mittelohr aber pathologisch verändert ist. In solchen Fällen kann ein Knochenleitungshörer als Hörhilfe verwendet werden. Bei einer Lärmschwerhörigkeit können auch ein Hörgeräte nicht immer eine zufrieden stellende Hörverbesserung erzielen, sollten aber auf jeden Fall erprobt werden..


Bei Lärmschwerhörigkeit können Hörgeräte nur bedingt helfen!


Das Ohr verarbeitet eine große Bandbreite von Schalldrücken und Frequenzen und kann zugleich auch feine Unterschiede heraushören:

- Die Hörschwelle liegt bei einem Schalldruck von etwa 0,00002Pa (0dB(A)). Die mittlere Amplitude der Luftmoleküle ist dabei etwa so groß wie ein Atomdurchmesser. Die Schmerzgrenze liegt bei etwa 20Pa (120dB(A)). Damit erstreckt sich der Empfindlichkeitsbereich des Gehörs über sechs Zehnerpotenzen des Drucks. Dabei ist eine Pegeländerung von 1 dB gerade noch hörbar.

- Das Ohr kann Töne von etwa 16– 20.000 Hz hören. Bei ca. 4.000 Hz hat das gesunde Ohr seinen empfindlichsten Bereich, wobei im Alter das Hören der höchsten Frequenzen abnimmt.

- Sehr langsame Luftdruckschwankungen (<16Hz) kann das Ohr nicht wahrnehmen. Z.B. sind Luftdruckschwankungen durch Wettereinflüsse sehr langsam und daher unhörbar.

Das Lautstärkeempfinden wird von Schalldruck und Frequenz gemeinsam bestimmt, weil der Schall je nach Frequenz vom Gehörgang über das Trommelfell bis zu den Gehörknöchelchen unterschiedlich stark weitergeleitet wird.

Isophonen

Abb.: Abhängigkeit des Lautstärke-empfindens von Schalldruck und Frequenz. Die Linien verbinden Punkte gleicher Lautstärke mit-einander. Den niedrigsten Schall-druckpegel kann der Mensch bei ca. 4 kHz wahrnehmen (Hörschwelle) (BILD)



Wirkung von Lärm auf den Menschen

Bei den Wirkungen von Lärm auf den Menschen sind zwei Bereiche zu unterscheiden:

Auswirkungen auf

- das Hörorgan (aurale Auswirkungen)

- Auswirkungen auf den Gesamtorganismus (extraaurale Wirkungen)

Die in der Arbeitswelt am häufigsten auftretende aurale Auswirkung ist der lärmbedingte Gehörschaden, die Lärmschwerhörigkeit. Sie entsteht meist durch langjährige Einwirkung von Schall mit Beurteilungspegeln über 85dB(A).

Die durch Lärm bedingte Schwerhörigkeit ist eine Innenohrschwerhörigkeit. Sie ist durch einen mehr oder weniger ausgedehnten Ausfall von Hörzellen charakterisiert. Die Schädigung der Hörsinneszellen ist im Wesentlichen auf eine Überforderung von Stoffwechselvorgängen zurückzuführen, welche bei lang dauernder Überlastung durch Geräusche hoher Intensität auftritt. Da abgestorbene Hörzellen nicht durch neue ersetzt werden können, ist die
durch Lärm bedingte Hörminderung irreversibel.

Abgestorbene Hörzellen lassen sich nicht ersetzen.

intakte Haerchenzellen
Abb.: Elektronenmikroskopische Aufnahme intakter Härchenzellen in der Gehörsschnecke


defekte Haerchenzellen
Abb.: elektronenmikroskopische Aufnahme von schwer durch Lärm geschädigten Härchenzellen in der Gehörsschnecke


Das Problem der Lärmschwerhörigkeit liegt darin, dass gerade der für das Verstehen von Sprache wichtige Frequenzbereich besonders geschädigt ist. In diesem Frequenzbereich (die so genannte C5-Senke bei etwa 4.000Hz) liegen die meisten Oberwellen und Formanten der Zisch- und Explosivlaute (p, t, k, - s, z, sch - u.s.w.)


Audiogramm SH
Abb.: typisches Audiogramm einer deutlichen Lärmschwerhörigkeit

 


Extraaurale Lärmwirkungen betreffen das Zentralnervensystem (Weckreaktionen, Schlafstörungen, EEG-Veränderungen), die Psyche (Leistung, Konzentration, Reizbarkeit, Aggressivität etc.) und das Vegetativum (Blutdruck, Blutverteilung, Herzfrequenz, Magen-Darm-Peristaltik und Verdauungsdrüsensekretion, Atmung, Stoffwechsel etc.). Der Zusammenhang zwischen der zunehmenden Zahl von Herzinfarkten und dauernder Lärmexposition ist heute medizinisch unumstritten. Ebenso legen Ergebnisse medizinischer Forschungen die Erkenntnis nahe, dass alleine im deutschsprachigen Raum jährlich mehrere tausend Tote als Lärmfolge zu beklagen sind.

Ab Schalldruckpegeln von etwa 50dB(A) können zunehmend das subjektive Erleben der Belästigung und eine deutliche Beeinflussung der mentalen Leistung auftreten, und zwar insbesondere bei Aufgaben, die Merk-, Konzentrations- und Aufmerksamkeitsleistungen erfordern.
Bei Schalldruckpegeln ab 65dB(A) können physiologische Reaktionen auftreten. Auch die mentale Leistungsminderung nimmt weiter zu und erfordert einen erhöhten Kompensationsaufwand für den Betroffenen.
Bei Schalldruckpegeln über 85dB(A) werden mentale Leistungen in einem derartigen Ausmaß gestört, dass sie auch mit erhöhtem psychischem und physischem Aufwand nicht mehr voll kompensiert werden können.

Lärm senkt die mentale Leistung.



Gesundheitliche Schäden

Inzwischen gibt es umfangreiche internationale Studien rund um das Thema "gesundheitliche Schäden durch Lärm".
Dabei ergaben sich folgende Erkenntnisse:

- >25dB(A): Die Erholsamkeit des Schlafes wird häufig bereits bei Dauerschallpegeln ab 25 – 30dB(A) als gestört empfunden.

- >45dB(A): Bei Pegeln über 45 dB(A) lassen sich Änderungen der Schlafstadien feststellen.

- <60dB(A): Bei Werten unter 60 dB(A) wird von Belästigungen und erheblichen Belästigungen gesprochen. Hier leiden das psychische und soziale Wohlbefinden sowie die Schlafqualität.

- 60-80dB(A): Bei nur vorüber gehender Einwirkung liegen Geräusche unter 80 dB(A) im Bereich der menschlichen Anpassungsfähigkeit. Als gesundheitlich beeinträchtigend sieht die Lärmwirkungsforschung heute Dauerbelastungen oberhalb von 60 dB(A) an.

- >80dB(A): Das Hörvermögen wird ab 80 – 85 dB(A) gemindert. Eine vorübergehende Einwirkung sehr lauter Geräusche kann die Hörschwelle zeitweilig verschieben und Tinnitus auslösen.

- >110dB(A): Sehr laute ohrennahe Knalle, z.B. durch Kapselpistolen, Sylvesterböller können ein Knalltrauma mit Beschädigung der Härchenzellen bewirken

- Wiederholte, lang andauernde Einwirkungen verursachen Hörschwellenverschiebungen, die – je lauter die Dauergeräusche, desto schneller – in Schwerhörigkeit übergehen können.

zulaessige Schallbelastung


Schall wird erst zu Lärm, wenn er bewusst oder unbewusst stört. Zwei ähnliche Geräusche können – selbst bei gleichem Schallpegel – sehr unterschiedlich empfunden werden: Ein Wasserfall in einer idyllischen Bergwelt wird allgemein mit Erholung gleichgesetzt, während eine befahrene Autobahn mit dem gleichen Schallpegel eine Belastung darstellt.

Im Bereich der bewusst erlebbaren Belästigung durch Umweltlärm (30 bis 80dB(A)) beeinflussen mehrere Faktoren die Wirkung des Lärms: die akustischen Merkmale, die Geräuschart, der Zeitpunkt und die Ortsüblichkeit sowie Informationshaltigkeit und Bedeutung des Geräusches, die Empfindlichkeit des Betroffenen und die Einstellung zur Geräuschquelle.
Grenzwerte

In der Allgemeinen ArbeitnehmerInnenschutzverordnung (AAV) sind folgende Beurteilungspegel als Grenzwert der Lärmexposition für unterschiedliche Tätigkeiten festgelegt:

    50dB(A): bei überwiegend geistigen Tätigkeiten;
    75dB(A): bei einfachen Bürotätigkeiten, überwiegend mechanisierten Tätigkeiten oder vergleichbaren Tätigkeiten;
    85dB(A): für alle übrigen Tätigkeiten.

Wird am Arbeitsplatz ein Beurteilungspegel von 85dB(A) erreicht oder überschritten, dann liegt eine Gehörgefährdung vor. Für diesen Fall ist im ASchG und ergänzenden Verordnungen eine Reihe von Bestimmungen festgelegt, die die Erhaltung der Gesundheit der betroffenen Arbeitnehmer gewährleisten sollen. Dazu zählen die Verpflichtung zur Durchführung von Lärmminderungsmaßnahmen, zur kostenlosen Bereitstellung und konsequenten Verwendung von Gehörschutzmitteln, zur Durchführung von Einstellungs- und wiederkehrenden Eignungsuntersuchungen.


Der  Grenzwert  für Gehörgefährdung beträgt  85dB(A).



Technische Lärmminderung

Allgemeines

Grundsätzlich steht fest, dass an erster Stelle der in Frage kommenden Maßnahmen die technische Lärmbekämpfung steht.

Eine wesentliche Aufgabe der technischen Lärmminderung besteht darin, durch konstruktive Maßnahmen lärmarme Maschinen zu erzeugen.


Laermausbreitung
Abb.: Entstehung und Ausbreitung von Lärm, Maßnahmen der Lärmminderung


Daher: Möglichst lärmarme Maschinen kaufen!
Ist eine Lärmquelle bereits in Betrieb, dann ist ein wesentliches Ziel technischer Maßnahmen, die Weiterleitung von unvermeidlichem Schall zu verringern (z.B. Dämpfung, Absorption). Schließlich ist auch die Abstrahlung von schwingenden Flächen, etwa von Maschinenabdeckungen, soweit wie möglich zu reduzieren. Wenn an den Maschinen, dazu gehören z.B. auch Fahrzeuge (Autos, Bahn, Flugzeuge etc.), selbst keine Lärmminderungsmaßnahmen durchgeführt werden können, dann ist zu überprüfen, ob durch akustische Bedämpfung des ganzen Raumes und einer eventuellen Abschirmung der Lärmquelle eine wesentliche Pegelminderung erzielbar ist.

Entsprechende Hinweise zu den bau- und raumakustischen Erfordernissen finden sich u.A. in den Ö-NORMen B8115, Teil 1 bis Teil 4.

Räume mit glatten Begrenzungsflächen sind immer hallig, was bedeutet, dass Geräusche auch in großer Entfernung vom Entstehungsort noch deutlich wahrgenommen werden. Der dort vermehrt auftretende Reflexionsschall führt neben Pegelerhöhungen bis zu 10dB(A) auch zu einer Verringerung der Sprach- und Signalverständlichkeit. Schallschluckende Decken oder Wände können die Hallenpegel
um bis zu 8dB(A) senken.

Räume mit glatten Wänden sind immer hallig


Trotz aller Anstrengungen ist es nicht immer möglich, technische Lärmminderungsmaßnahmen durchzuführen.

Leider ist so, dass sich diese Erkenntnisse noch immer nicht bei Herstellern von Maschinen und Geräten, Architekten oder Bauträgern ausreichend herum gesprochen haben und daher unnötig laute Geräte auf den Markt kommen oder aus reinen Gründen der Optik ("weil es so schöner ist") wesentliche bau- und raumakustische Anforderungen missachtet werden.

In diesen Fällen besteht für die betroffenen Personen die einzige Möglichkeit, aber auch Verpflichtung, zum Schutz vor Lärm persönlichen Gehörschutz zu verwenden.

Schutz vor Lärm:

Neben externen Maßnahmen zum Schutz vor Lärm (Errichten von Lärmschutzwänden, Wohn- und Arbeitsräume auf der dem Lärm abgewandten Gebäudeseite, Beachtung der bau- und raumakustischen Normen und Vorschriften, etc.) bestehen auch vielfältige Möglichkeiten, selbst das eigene Gehör vor Lärmschäden zu schützen. Vorrangig dabei ist, möglichst Orte mit hoher Lärmexposition zu vermeiden. Ist der Aufenthalt unter hoher Lärmimmission nicht vermeidbar, ist ein passender Gehörschutz zu verwenden.

Bei den Gehörschützern unterscheidet man grundsätzlich zwei Typen, nämlich Gehörschutzstöpsel und Kapselgehörschützer.

Hinsichtlich ihrer gesamten Dämmwirkung, die z. B. durch die HML-Werte oder den SNR-Wert gekennzeichnet ist, gibt es keine wesentlichen Unterschiede zwischen den beiden Typen von Gehörschützern. Beide Arten sind im Einzelfall bis zu Pegeln von 110 bis 115dB(A) geeignet. Welcher Gehörschutz jeweils verwendet werden soll, hängt neben der Gewährleistung einer ausreichenden Schalldämmung von einer Reihe weiterer Faktoren, wie z.B.

- Sprach- und Signalverständlichkeit
- Hitze- und Staubeinwirkung
- sowie persönliche Verträglichkeit

ab.

Zur Eignung ist grundsätzlich festzuhalten, dass unter Inkaufnahme einer Eingewöhnungsphase von etwa zwei bis drei Wochen für jeden passende Gehörschützer gefunden werden können. Die Erfahrung zeigt, dass Personen, die gewohnt sind, Gehörschützer zu tragen, die sich daraus ergebenden Vorteile so schätzen, dass für sie eine Arbeit ohne Gehörschutz undenkbar geworden ist.
Passenden Gehörschutz gibt es für jeden!


Leider führen persönliches Verhalten, insbesondere Nachlässigkeit beim Tragen des Gehörschutzes und freiwillige Freizeitlärmbelastung nach wie vor zu einem hohen Auftreten beruflicher Lärmschwerhörigkeit.

Normen und Richtlinien:

OIB-Richtline 5:  "Schallschutz"
ÖNORM B8115-1: „Schallschutz und Raumakustik im Hochbau - Teil 1: Begriffe und Einheiten"
ÖNORM B8115-2: „Schallschutz und Raumakustik im Hochbau - Teil 2: Anforderungen an den Schallschutz"
ÖNORM B8115-3: „Schallschutz und Raumakustik im Hochbau - Teil 3: Raumakustik"
ÖNORM B8115-4: „Schallschutz und Raumakustik im Hochbau - Teil 4: Maßnahmen zur Erfüllung der schalltechnischen Anforderungen"
ÖNORM S5004: „Messung von Schallimmissionen"
ÖNORM S9010: „Bewertung der Einwirkung mechanischer Schwingungen und Erschütterungen auf den Menschen; Ganzer Körper"
ÖNORM S9012: „Beurteilung der Einwirkung von Schienenverkehrsimmissionen auf Menschen in Gebäuden; Schwingungen und sekundärer Luftschall"
ÖNORM EN14253: „Mechanische Schwingungen - Messung und rechnerische Ermittlung der Einwirkung von Ganzkörper-Schwingungen auf den Menschen am Arbeitsplatz im Hinblick auf seine Gesundheit - Praxisgerechte Anleitung"
EU-Richtlinie 2003/10EG: "Mindestvorschriften zum Schutz von Sicherheit und Gesundheit der Arbeitnehmer vor der Gefährdung durch physikalische Einwirkungen (Lärm)"



Erstellt von Ing. Alfred Sturma, Fa. ACS, Wien
Rosenhügelstraße 13, 1120 Wien
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veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung des Verfassers im Jahr 2011

 

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Wege zum besseren Hören
Über Rehabilitation für Hörgeschädigte


Was bedeutet Rehabilitation?

Der Begriff „Rehabilitation“, als Kurzform meist „REHA“ genannt, kommt aus der lateinischen Sprache und heißt wörtlich übersetzt „Wiederherstellung“.
Im medizinischen Sinn umfasst er die Gesamtheit aller Maßnahmen, die erforderlich sind, um für die Betroffenen die bestmöglichen „körperlichen, seelischen und sozialen Bedingungen“ für die Wiederherstellung ihrer Gesundheit zu erreichen. Im Mittelpunkt dabei steht der kranke und behinderte Mensch. Aus dieser Definition wird deutlich, dass Rehabilitation nichts mit dem immer wieder verwendeten Begriff „Kur“ zu tun hat.
Die Erwartung an die Rehabilitation bei Schwerhörigen, Tinnitus-Betroffenen und CI-Trägern kann demnach nicht die Beseitigung der Hörschädigung sein kann.
Das Ziel besteht vielmehr in einer medizinischen und psychologischen Therapie der durch eine Hörschädigung bedingten Folgeerscheinungen um damit eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität für den Einzelnen zu erreichen.
Es geht darum, Schwerhörigen und CI-Träger zu einem gestärkten Selbstwertgefühl zu verhelfen, damit diese ihre Situation besser einschätzen und in der Folge gezielte Maßnahmen ergreifen können, um ihr Leben als Hörbehinderte zu meistern und sich den Anforderungen einer „hörenden“ Welt zu stellen.
Einfach gesagt:  Rehabilitation ist so etwas wie die notwendige Pause, um Atem zu holen für die Tatsache „schwerhörig zu sein“.

Die Situation der Schwerhörigen:

Sowohl die Gesellschaft als auch die Betroffenen selbst verkennen meist die Schwerhörigkeit in ihren Auswirkungen, weil Schwerhörigkeit schmerzlos und unsichtbar ist. Hören scheint für viele natürlich, banal und selbstverständlich zu sein. Gerade deshalb verunsichert eine Schwerhörigkeit den Betroffenen zutiefst und stört das Vertrauensverhältnis zur Umwelt. Die Fähigkeit der zwischenmenschlichen Beziehungen, einer  Kommunikation über das Hören und Sprechen ist die komplexeste Leistung der menschlichen Informationsverarbeitung überhaupt. Hören ist eine der Sinnesbrücken, durch die der Mensch mit der seiner Umwelt in ständiger Verbindung steht.

Die laufende Überforderung durch Schwerhörigkeit entsteht durch das Leben in der „hörenden Welt“ und durch die ständige Orientierung an den Gut-Hörenden. Der Schwerhörige erlebt in seiner Behinderung häufig einen hörenden Partner bzw. hörende Freunde, die das Problem überhaupt nicht nachvollziehen oder verstehen können und steht in einem beruflichen Umfeld, wo eine ungestörte erwartet wird. Die Folge ist, dass der Betroffene alles als versucht, nicht als Schwerhöriger erkannt zu werden, möglichst mit eigener Anstrengung alle Defizite auszugleichen, sich stets mit dem Hörenden zu messen und zu vergleichen

a) Medizinische Probleme ergeben sich oft aus einer durch die Schwerhörigkeit  entstehenden Geräuschüberempfindlichkeit (Hyperakusis): Die Hyperakusis ist einerseits bedingt durch eine direkte Schädigung der Haarzellen im Innenohr sowie der Abnahme der hemmenden Einflüsse auf die zentrale Hörbahn im Gehirn. Deshalb werden meist die Frequenzen des Hörens, die durch den Hörverlust betroffen sind, einerseits schwerer verständlich, andererseits aber paradoxerweise schmerzhaft laut empfunden.
Und wie soll nun ein Partner oder Arbeitskollege verstehen, dass jemand zusammenschrickt, wenn er laut in die Hände klatscht oder die Tür zufällt. „Ich denke, Du hörst schlecht“, ist dann die fast vorwurfsvolle Antwort oder anders „jetzt hab ich Dich erwischt, Du kannst doch gar nicht schlecht hören, wenn Dich so etwas derart empfindlich reagieren lässt“.
Aus der ungeheuren Konzentration des Schwerhörigen auf das Verstehen entsteht eine körperliche Erschöpfung, die sich in Konzentrations- und Leistungseinschränkung, Kopfschmerzen, Schlafstörung und Nervosität äußert. Es entsteht ein Teufelskreis der Überforderung:  ständiges Leben in der Angst,  was passiert, wenn ich immer schlechter verstehe, vielleicht sogar ertaube, verliere ich meinen Partner, meine Familie, meinen Arbeitsplatz, meine soziale Sicherheit, stürze ich ab ins Bodenlose ?

b)  Die Diskriminierung erschwert die Situation des Schwerhörigen weiter:
Mit Aussagen: „der hört nur das, was er verstehen will“, „bist Du aber schwer von Begriff“, oder „mit Hörgerät hört man doch wieder alles“, trifft der Hörende quasi den wahren Nerv des Schwerhörigen. In der Bevölkerung ist aber nur sehr schwer vermittelbar, was Schwerhörigkeit bedeutet. Häufig stellen sich Gut-Hörende vor, Schwerhörige hörten alles ein wenig leiser. Kaum jemand aber weiß oder kann nachvollziehen, dass Schwerhörigkeit „schlechter Verstehen“ bedeutet. Wenn jemand einen Sachverhalt dreimal sagen muss, bis sein Gegenüber ihn versteht, so vermutet man vorerst nicht, dass der andere schlecht hört, sondern dass er den Inhalt nicht begriffen hat, also geistige Probleme hat. Viele Betroffene haben Angst, dass nach einer technischen Versorgung mit einem Hörgerät oder Cochlea-Implantat niemand mehr Rücksicht nimmt. Somit ist die Tatsache, dass ein Hörgerät und ein CI kein wirklich ungestörtes Hören und Verstehen ermöglicht, kaum jemanden erklärbar.

c)  Misstrauen entsteht, oft gefolgt von einem merklichen Verlust des eigenen Selbstbewusstseins: Bei einer Feier am Arbeitsplatz oder mit Freunden wird auch der Schwerhörige eingeladen. Aber er weiß, dass er in dem Raum und wegen des hohen Geräuschpegels, weil alle durcheinander reden, nichts verstehen wird. Geht er trotzdem hin, wird er frustriert sein, weil „er nicht mittendrin, sondern nur dabei ist“. Geht er nicht hin, wird man ihn für einen Sonderling, halten und beim nächsten Mal gar nicht mehr einladen, was das Gefühl bei ihm verstärkt, tatsächlich allein zu sein. Was immer er macht, er wird es doch nicht richtig machen.

Häufige seelische und körperliche Folgen von Schwerhörigkeit sind:

·    chronischer Tinnitus, (ca. 80% aller Schwerhörigen)
·    Hyperakusis“ (Geräuschempfindlichkeit)
·    Schlafstörung
·    Schwindel-Symptomatik
·    Nervosität, Unruhe
·    Kopfschmerzen
·    Konzentrations-Einschränkung
·    Leistungs-Einschränkung
·    Angst-Störung
·    Depression bis hin zu Selbstmord-Gedanken
·    orthopädische Probleme (Halswirbelsäule)
·    Störungen im Bereich der Sexualität
·    Verlust an Selbstbewusstsein

sowie daraus häufig resultierende soziale Probleme:

·    private Konflikte (Ehe, Familie)
·    Arbeitsplatz-Konflikt
·    Isolation durch sozialen Rückzug

Durch Schwerhörigkeit werden sowohl berufliche als auch persönliche Ziele unerreichbar: in vielen Fällen verliert der Betroffene seinen Wert als Mensch - das macht eine Rehabilitation nicht bloß sinnvoll, sondern absolut notwendig.

Wer kann eine Rehabilitation in Anspruch nehmen

Eine Rehabilitation für Ertaubte, Schwerhörige und CI-Träger richtet sich hauptsächlich an Erwachsene, die ihr Hörvermögen ganz oder zu einem erheblichen Teil eingebüßt haben und dennoch ihren Beruf ausüben möchten, egal ob sie nun  bereits mit entsprechenden Hörgeräten (bzw. mit einem CI)  versorgt wurden, oder ob aus besonderen Gründen keine entsprechende Versorgung möglich ist. Aber auch mittelgradige Schwerhörige können und sollten an solchen Rehabilitations-Maßnahmen teilnehmen, vor allem, wenn sie merken, spüren und erleben, dass ihre Behinderung sie immer mehr einengt und im privaten und beruflichen Leben an den Rand drängt und Lösungen gefunden werden müssen.

Was passiert in einer REHA

Niemand von den Schwerhörigen, Ertaubten und CI-Trägern kann mit einem anderen verglichen werden, daher sind auch alle Maßnahmen in einer Rehabilitation immer dem konkreten Menschen in seiner Situation anzupassen und auf ihn abzustimmen.

Wenn die Hörschädigung selbst sich meist einer Therapie entzieht, sind es die erwähnten Folge-Beschwerden und Krankheiten, die behandelt werden müssen. Bei der Rehabilitation arbeiten deshalb erfahrene Ärzte, Dipl.-Psychologen, Bewegungstherapeuten, Krankengymnasten, Heilpädagogen, Sozialarbeiter, Physiotherapeuten, Ernährungsberater und Krankenpflege-Personal eng in einem Team zusammen, welches in Absprache mit dem Betroffenen einen individuellen Behandlungsplan erstellt. Das Ziel ist dabei eine anhaltende Verbesserung der Lebensqualität. Folgende Therapien (lt. Auskunft der einschlägigen Kilinken in Deutschland) werden angeboten:

  • umfassende Information über alle Aspekte der Schwerhörigkeit, Ertaubung und deren Folgen, damit der Betroffene die wesentlichen Zusammenhänge „seiner“ Erkrankung verstehen lernt
  • Motivation und Erarbeitung von Möglichkeiten zusammen mit dem Betroffenen selbst, um eine Änderung von Verhaltensweisen zur Abnahme der Belastung und zur Vermeidung von Folgeerkrankungen zu bewirken. Wichtig dabei ist die „Hörtaktik“ und ein selbstbewusster Umgang mit der Kommunikationsbehinderung im Alltag
  • Hörtraining (Logopädie) verhilft zu mehr Sicherheit im Einsatz von Hörgeräten und CI, ebenso das Erlernen von Mundabsehen
  • ärztliche Therapien sichern die Behandlung des Krankheitsbildes, die Behandlung von körperlichen Folgebeschwerden, ggf. die Verbesserung  und Anpassung einer medikamentösen Therapie
  • Psychologische Therapie in Einzelberatung und Kleingruppentherapie. Es geht um die Auseinandersetzung mit der Hörbehinderung oder Tinnitus-Symptomatik und ihren psychischen und somatischen Folgen, bestehende Konflikte im Bereich Familie, Partnerschaft, Arbeitsplatz werden thematisiert und Lösungswege erarbeitet
  • Erlernen von Entspannungsverfahren, um es dem Betroffenen zu ermöglichen, mit Belastungen und Stress besser zurechtzukommen
  • Erfahrungsaustausch mit anderen Betroffenen in Kleingruppen. Dabei soll der Einzelne seine eigene Betroffenheit durch den Austausch mit den anderen Patienten relativieren lernen und erkennen, welche Wege und Lösungen andere mit ähnlichen Problemen versucht und gefunden haben
  • Beratung durch Sozialarbeiter zur Abklärung wichtiger sozialer Fragen: zB.  Spannungsfeld Arbeitsfähigkeit – Erwerbs- u. Berufsunfähigkeit – Rente
  • Technische Beratung durch Hörgeräteakustiker oder CI-Firmen über Einstellungsverbesserungen und Einsatz von Zusatzgeräten (Erprobung)
  • Vermittlung von Kontakten zu Selbsthilfe-Organisationen, um eine weitere kontinuierliche Hilfe zu den Problemen und einen Austausch mit Gleichbetroffenen vor Ort zu ermöglichen
  • Krankengymnastik in Einzel- und Kleingruppentherapie, aktives Training stellt die Funktion wichtiger Muskelgruppen und die Wiederherstellung von Bewegungsabläufen sicher, zB. Gleichgewichtsschulung, Atemtherapie und „Rückenschule“
  • Heilpädagogische Therapie, durch Gestaltungs- und Kreativtherapie zur Stärkung des Selbstbewusstseins, der eigenen Wahrnehmung und  Ausdrucksfähigkeit
  • Bewegungs- und Sporttherapie mit dem Ziel, eine Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit und der Kreislaufregulation zu erreichen
  • Physikalische Therapien, z.B. Massagen, Wärme- und Kälteanwendungen, Lymphdrainagen, Kneipp`sche Anwendungen und Bäder und  Elektrotherapie für die Behandlung von chronischen Schmerzzuständen, auch zur Stimulation der Körperabwehr und Beeinflussung des vegetativen Nervensystems
  • Ernährungsberatung und Lehrküche führt  zu einer anhaltenden Änderung der Ernährungsgewohnheiten und  zu einer Verminderung von  Risikofaktoren

Aufgabe der Rehabilitation ist es daher, Menschen zuzuhören, sie mit Ihren Problemen ernst zunehmen, sie dort abzuholen, wo sie stehen. Durch das Erkennen der Auswirkungen einer Schwerhörigkeit kann sich eine Hilfe zur Selbsthilfe entwickeln. Wie Albert Schweizer sagt: “In jedem Patienten steckt sein eigener Arzt“. Wir alle reden heute von „Vernetzung“. Dies bedeutet in Zeiten vorgeblich leerer Kassen Geldströme optimal zu steuern und auszunutzen. Darum bedarf es auch einer Zusammenarbeit mit Selbsthilfegruppen, Betroffenen-Verbänden im deutschsprachigen Raum, den Seelsorgern der Kirchen und den Trägern der Behinderten-Verbände, damit die Stimme der Betroffenen hörbar bleibt und weil durch eine gezielte Rehabilitation hohe Folgekosten im Gesundheitswesen einspart werden können. 

Wo gibt es solche REHA-Angebote?

Derzeit gibt es solche speziellen Kliniken nur in Deutschland, und zwar in: Bad Grönenbach, Bad Berleburg und Rendsburg. In Österreich ist eine solche in absehbarer Zeit nicht zu erwarten.
Um die kommunikativen Voraussetzungen der Betroffenen zu erfüllen, sind entsprechende Anforderungen an die bauliche und ausstattungsmäßige Ausrüstung einer solchen Klinik zu stellen. Der wichtigste Punkt ist aber, dass die Mitarbeiter der Klinik um die spezielle Situation der Hörgeschädigten und die Auswirkungen der Hörbehinderung für die alltägliche Lebenssituation  wissen und über eine große Erfahrung verfügen.

Auch Betroffene in Österreich haben die Möglichkeit (EU!) diese Einrichtungen und Kliniken in Deutschland in Anspruch zu nehmen. Die jeweiligen Adressen finden Sie im Internet oder erfragen Sie am besten bei den diversen Schwerhörigenvereinen.

Dem Einwand mancher Kostenträger, dass die diversen Therapien solcher Rehabilitation-Kliniken auch ambulant in Österreich möglich seien, ist entgegenzuhalten, dass die Erfahrung zeigt, dass für die Vielzahl an Therapien ein zeitweiliger Rückzug in eine Klinik einfach notwendig ist, um nicht Therapieerfolge durch die Hektik des Alltags zu mindern.
Auch sind die in einer Klinik angebotenen Therapien während einer beruflichen Tätigkeit meist zeitmäßig nicht zu schaffen und würden zudem wesentlich teurer sein, einige Therapien (zB.Hörtaktik) werden derzeit überhaupt nicht angeboten.

Ansuchen um Bewilligung einer REHA

Vorerst ist ein Antrag an die zuständige Sozialversicherung zu stellen, eine persönliche Begründung und eine solche vom Facharzt sowie vorhanden Befunde sind beizulegen.
Sollte eine Ablehnung durch die Sozialversicherung erfolgen, suchen Sie eine Beratungsstelle auf, um eine rechtzeitige Berufung gegen den Bescheid machen zu können.  
Wie schon erwähnt, sind die Maßnahmen einer Rehabilitation für Schwerhörige meist unbekannt, daher ist klar zu machen, dass die Auswirkungen einer für den Betroffenen ungelösten Schwerhörigkeit gravierende Folgen für Beruf und Weiterbildung bis zu einer Berufsunfähigkeit haben können.
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„Ihr Menschen, die ihr mich für feindselig, störrisch oder misanthropisch haltet oder erkläret, wie unrecht tut ihr mir! Ihr wisst nicht die geheime Ursache von dem, was euch so scheinet... aber bedenket nur,  dass seit sechs Jahren ein heilloser Zustand mich befallen, durch unvernünftige Ärzte verschlimmert. Von Jahr zu Jahr in der Hoffung, gebessert zu werden, betrogen, endlich zu dem Überblick eines dauernden Übels (dessen Heilung vielleicht Jahre dauern wird oder gar unmöglich ist) gezwungen, mit einem feurigen, lebhaftem Temperamente geboren, selbst empfänglich für die Zerstreuungen der Gesellschaft, musste ich früh mich absondern, einsam mein Leben zubringen... Doppelt weh tut mir mein Unglück, indem ich dabei verkannt werden muss“
schreibt Ludwig van Beethoven  in seinem „Heiligenstädter Testament“ von 1802, damals 32 Jahre alt, und seine Aussagen gelten heute noch wie damals.



Erstellt in Zusammenarbeit mit
Herrn Dr. med. Volker Kratzsch, Chefarzt
Helios Klinik Am Stiftsberg
Sebastian-Kneipp-Allee ¾, 87730 Bad Grönenbach, Deutschland
www.helios-kliniken.de 

Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung des Verfassers im Jahr 2011

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Tinnitus und Schwerhörigkeit


Einleitung:

Immer mehr Menschen klagen über Ohrgeräusche. Hat man solche Erscheinungen früher einfach mit Ohrensausen abgetan und zwangsläufig hingenommen, so hat sich heute der Begriff „Tinnitus“ durchgesetzt und man verbindet damit eine Unzahl von unerwünschten Lauten und Geräuschen, die die Lebensqualität der Betroffenen massiv beeinträchtigen. Noch lange nicht sind sich Wissenschaftler und Mediziner über die Entstehung und Ursachen im Klaren und fast unmöglich gestaltet sich die objektive Messbarkeit solcher Störungen, so dass viele Betroffene der Gefahr ausgesetzt sind, in negativer Weise als Hypochonder abgetan und mit ihrem Leiden nicht ernst genommen zu werden.
In der Vielzahl von Möglichkeiten, die den Tinnitus bewirken und begünstigen, wird immer häufiger auch die Schwerhörigkeit und Hyperakusisgenannt. Es ist daher ein berechtigtes Anliegen, diesen möglichen Zusammenhängen in dieser Zusammenfassung nachzugehen.
Wie bei vielen Leiden und Behinderungen ist immer auch der Betroffene selbst herausgefordert, seine Befindlichkeit in allen Nuancen auszuloten, vorhandene Hilfen zu hinterfragen und auf die Suche zu gehen, sein Leben mit oder trotz Tinnitus zu gestalten.


Schwerhörigkeit und Tinnitus

Viele Zusammenhänge zwischen Schwerhörigkeit und Tinnitus sind auch heute noch nicht vollständig aufgeklärt. In einer Studie zur stationären Therapie bei Patienten mit chronisch komplexem Tinnitus berichtete Hesse 2001 (Hesse, G et al, laryngo-rhino-otol 2001; 80: 503-508), bei der audiologischen Diagnostik (Hörprüfung) seien 5% der Patienten „beidseits normalhörig“, 6% mit einseitigen und 89% gar mit beidseitigen „Hörschwächen“ aufgefallen.
Prof. Zenner in Tübingen ist durch spezielle Messungen von Zwischenfrequenzen im Hochtonbereich überzeugt, bei nahezu allen Fällen von Tinnitus ein audiometrisches Gegenstück (oder eine Wechselbeziehung) finden zu können. Klar ist aber auch, dass in beiden Untersuchungen eine überwiegende Zahl der Patienten primär nicht unter der Behinderung „Schwerhörigkeit“, sondern meist ausschließlich unter dem Symptom „Tinnitus“ litt.

Die wissenschaftlich interessante Frage ist, ob Tinnitus ohne eine, wenn auch minimale Hörschädigung, überhaupt möglich ist und ob daraus geschlossen werden kann, dass der Innenohrschaden auslösend für den Tinnitus ist? Oder spielt die Schwerhörigkeit für die Entwicklung des Tinnitus nur bei klinischen und für den Patienten bemerkbaren Auswirkungen eine Rolle? Gibt es darüber hinaus spezifische Auswirkungen der Schwerhörigkeit auf den Tinnitus?

Gerade in den letzten Jahren ist es durch die Bemühungen der medizinischen Fachgesellschaften, engagierter Ärzte und Therapeuten und den Selbsthilfe-Organisationen in Deutschland und Österreich gelungen, das Wissen über die Ursachen von Tinnitus und Schwerhörigkeit deutlich zu vertiefen.

Dabei war schon länger bekannt, dass bei längerem Bestehen einer Schwerhörigkeit bis zu 80% der Betroffenen über einem häufig chronischen Tinnitus klagen.

Umgekehrt ist klar, dass weder akuter noch chronischer Tinnitus die Ursache für eine Schwerhörigkeit sein können.

Beispiel:

An einem Beispiel soll verdeutlicht werden, was gemeint ist: Ein 52-jähriger Patient sucht wegen eines rechtsseitig neu wahrgenommenen Tinnitus die ärztliche Sprechstunde auf. Bei der Befragung durch den Arzt, berichtet er über ein „gutes Gehör“, nur der Tinnitus-Ton störe ihn. Bei der durchgeführten Hörprüfung (Audiometrie) wird rechts ein deutlicher Hörverlust (Steilabfall der Hörkurve bis auf 65 dB) im oberen Frequenzbereich (über 4000 Hz) diagnostiziert. Da der Hörverlust nur den Hochtonbereich, d.h. nicht den wesentlichen Bereich der Sprachverständlichkeit betrifft und auch nur einseitig besteht, hat der Patient diese Einschränkung des Hörvermögens subjektiv nicht bemerkt. Der Arzt vermutet als Ursache des Hörverlustes - und des Tinnitus -  einen „Hörsturz“ und teilt dem Patienten mit, er habe auch einen Hörverlust festgestellt.
Der Patient, der subjektiv nur unter seinem Tinnitus leidet, versteht dann häufig, der Arzt habe ihm gesagt, seit er den Tinnitus habe, sei er auch schwerhörig und macht dann irrtümlich den Tinnitus für die Hörminderung verantwortlich.
Oft hat der Patient auch den Eindruck, nur das vermeintlich „laute“ Tinnitus-Geräusch sei für eine Hörminderung verantwortlich. „Herr Doktor, wäre das Geräusch nicht so laut, könnte ich wieder ganz normal hören“. Durch Untersuchungen bei vielen Tausend Tinnitus-Patienten weiß man aber, dass der Tinnitus selbst nur maximal 15 dB oberhalb der Hörschwelle liegt. Nehmen wir eine normale Hörschwelle an, ist der Tinnitus also maximal 15 dB laut und kann somit nie die Ursache einer Schwerhörigkeit sein.

Merke:
Tinnitus führt nie zu Schwerhörigkeit, eine Innenohrschädigung mit Schwerhörigkeit ist aber häufig eine der Ursachen für Tinnitus.


Wie erklärt man sich nun, warum Schwerhörigkeit zu Tinnitus führt?

Vielen Schwerhörigkeiten liegt eine Schädigung der Haarsinneszellender Cochlea (Schnecke) im Innenohr zugrunde. Diese Schädigung ist beim Menschen irreversibel, d.h. eine einmal zerstörte Haarsinneszelle hat nicht die Fähigkeit, durch neu gebildete Haarsinneszellen ersetzt zu werden und damit wieder eine normale Hörfähigkeit des Innenohres zu erreichen. Klassisches Beispiel für die Schädigung der Haarsinneszellen ist das „Knalltrauma“, z. B. durch einen Feuerwerkskörper zu Sylvester oder bei Kindern durch „Spielzeugpistolen“. Hier wird nun vermutet, dass die Zerstörung der Haarzellen ein Verletzungspotential im Bereich der Hörnerven und der zentralen Hörbahn auslöst. Dieses Verletzungspotential scheint sich dann im Rahmen einer Endlos-Schleife immer weiter selbst zu erzeugen und so einen chronischen Verlauf des Tinnitus zu bedingen, der auch unabhängig von der akuten Auslösesituation und von der endgültigen Zerstörung der Haarzellen chronisch fortbesteht. Dies würde auch erklären, weshalb die Durchtrennung des Hörnerven nach Verlassen der Cochlea Richtung Gehirn bei chronischem Tinnitus zwar alle Höreindrücke unmöglich macht (Ertaubung), aber der entstandene Tinnitus weiter unverändert wahrgenommen wird.
Dies heißt, es ist durchaus möglich, dass der Tinnitus durch eine Schädigung im Innenohr ausgelöst wird, aber seine Ausformung und Generierung findet in Anteilen der zentralen Hörbahn und des zentralen Hörfeldes im Gehirn statt, die dann nicht mehr der Beeinflussung durch das Innenohr unterliegen. Zusätzlich scheint die Aktivierung bestimmter Regionen der Hörrinde im Schläfenlappen des Gehirns durch ein solches o. g. Verletzungspotential eine Rolle zu spielen. Die Frage, ob jedem Tinnitus immer eine Innenohr-Hörstörung zugrunde liegen muss, kann zurzeit noch nicht abschließend beurteilt werden. Beide angeführten Theorien sind zurzeit Gegenstand intensiver Forschung und sicher noch nicht abschließend aufgeklärt.

Unstrittig ist, dass die zentrale Rolle bei der Entstehung und bei der Chronifizierung (Übergang von akut zu chronisch) eines chronischen Tinnitus der zentralen Hörbahn und zentralen Regionen der Hörverarbeitung im auditorischen Kortex (Schläfenlappen des Gehirns) zukommt. Seit Untersuchungen von Heller und Bergman aus dem Jahr 1953 wissen wir, dass 93% junger gesunder freiwilliger Probanden während eines 5-minütigen Aufenthaltes in einem schallisolierten und verdunkelten Raum über die Wahrnehmung von „Ohrgeräuschen“ berichten.

Daraus kann man schließen, dass vermutlich jeder Mensch Tinnitus als Grundaktivität der zentralen Hörbahn hat, aber die meisten diesen im Alltag nicht wahrnehmen.

Durch eine Schwerhörigkeit nimmt die Reizaktivität in Richtung auf die zentrale Hörbahn ab, weil die Innenohr-Funktion geschädigt ist und nur noch einen Bruchteil der Informationen weiterleiten kann. Dadurch nimmt die natürliche Überdeckung dieser Grundaktivität durch Sinnesreize von außen ab und der Tinnitus wird eher „überschwellig“ in der Wahrnehmung. Gleichzeitig wird die zentrale Hörbahn der Abnahme der Höreindrücke durch eine gesteigerte Empfindlichkeit  versuchen entgegenzusteuern. Vereinfacht könnte man sagen, die zentrale Hörbahn tut genau das, was der einzelne Schwerhörige mit seinem Fernseh- oder Radiogerät tut, wenn die Verständlichkeit abnimmt: er erhöht die Lautstärke. Den gleichen Regelmechanismus muss man für die zentrale Hörbahn annehmen, wenn die akustischen Höreindrücke von außen abnehmen.

Hörstress

Von grundlegender Bedeutung ist aber auch, welche Auswirkungen die Schwerhörigkeit auf die Alltagssituationder Betroffenen hat. Dabei spielt die für eine erfolgreiche Kommunikation notwendige erheblich gesteigerte Konzentration eine zentrale Rolle. Wir sprechen auch gern vom „Hörstress“, dem ein Schwerhöriger täglich und zwangsläufig ausgesetzt ist. Dieser „Hörstress“ äußert sich u. a. in einer deutlich erhöhten Ausschüttung von Stresshormonen (Adrenalin, Noradrenalin, Kortisol).

Allgemein wird Stress als einer der wichtigsten Risikofaktoren für die Entstehung von Tinnitus und einer Hyperakusis angesehen. 

Merke:
Die Schwerhörigkeit verursacht und unterhält durch mehrere Mechanismen Tinnitus:


a. direkte Schädigung der Haarzellen im Innenohr
b. durch eine reaktive Zunahme der Empfindlichkeit der zentralen Hörbahn
c. durch eine Abnahme der hemmenden Einflüsse auf die Aktivität der zentralen Hörbahn
d. durch Abbildung des Reizmusters im zentralen Hörfeld
e. durch eine Stress- und Überlastungsreaktion.


Hyperakusis

Gerade nach dem zuletzt Gesagten mag es nicht mehr ganz so verwunderlich erscheinen, dass viele Schwerhörige, oft unabhängig vom Tinnitus, gleichzeitig über eine erhebliche  Geräuschempfindlichkeit oder ein verzerrtes Hören klagen. Dem vom Patienten selbst empfundenen Symptom einer „Geräuschüberempfindlichkeit“ (Hyperakusis) können aber von pathophysiologischer Seite mehrere sehr unterschiedliche Ursachen zugrunde liegen. Zunächst ist es dabei wichtig, die Geräuschüberempfindlichkeitnicht mit Lärmempfindlichkeit gleichzusetzen. Empfindlich gegen Lärm sollten wir alle sein, wobei Lärm nicht an der Lautheit eines Geräusches in Dezibel festgemacht werden kann. So empfinden wir das Sitzen in einem Biergarten als Freizeitvergnügen, für einen Nachbarn in wenigen hundert Metern Entfernung ist das Geräusch zwar objektiv gesehen deutlich leiser als im Biergarten selbst, er empfindet es aber als „schlafstörenden Lärm“.
Geräuschüberempfindlichkeit meint, dass wir normal laute Umweltgeräusche überlaut wahrnehmen. Bei der Schwerhörigkeit kommt es durch die Schädigung der Haarsinneszellen, insbesondere der äußeren Haarzellen, zu einer Störung in der Lautstärke-Regulation sowie zu erheblichen Beeinträchtigungen bei der Differenzierung von Stör- und Nutzschall. Die Geräuschempfindlichkeit nimmt dabei gerade im Bereich der Hörschädigung am meisten zu und limitiert häufig dadurch auch eine befriedigende Hörgeräte-Akzeptanz. Dabei werden Geräusche bis zu einer bestimmten Schwelle überhaupt nicht gehört, oberhalb dieser Schwelle aber so erheblich verstärkt, dass der Ton als unerträglich laut empfunden wird. Diese Form der Hyperakusis bei Schwerhörigkeit wird auch als „Recruitment“ bezeichnet. Nicht selten gibt es Mischbilder der Hyperakusis, bei denen es zusätzlich zum „Recruitment“ und unabhängig von der Schwerhörigkeit auch ohne eine Veränderung der Hörschwelle oder Vorliegen eines Innenohrschadens zu einer gesteigerten Empfindlichkeit der zentralen Hörbahn kommt. Der Patient neigt dann dazu, nach der vermeintlich wohltuenden Stille für die Ohren zu suchen und die Ohren durch einen „Schallschutz“ vor vermeintlichen Lärm zu schützen.
Dies führt aber zu einer weiteren Zunahme der Geräuschüberempfindlichkeit, die so quasi in einem Teufelkreis vom Betroffenen selbst verstärkt wird. Diese Form tritt auch unabhängig von Schwerhörigkeit oder Tinnitus auf und wird häufig mit Stress in Zusammenhang gebracht. Ein bestehender Tinnitus wird häufig durch die vorliegende Geräuschüberempfindlichkeit in seiner Lautheits-Wahrnehmung verstärkt.     

Die dritte Form der Geräuschüberempfindlichkeit, die sogenannte Phonophobie, hat im engeren Sinn kein audiologisches, sondern ein psychisches Gegenstück, weshalb hier auf eine nähere Darstellung verzichtet wird.
Bei einer Geräuschüberempfindlichkeit bei Schwerhörigkeit sind die optimale Anpassung von Hörgeräten, das Vermeiden von Stille und der bessere Umgang mit dem „Hör-Stress“ die wichtigsten Therapiebausteine.

Merke:
Die Geräusch-Über-Empfindlichkeit hat nichts mit „Lärm“ zu tun, sondern normale Umweltgeräusche werden überlaut wahrgenommen. Häufig ist sie eine direkte Folge der Schwerhörigkeit („Recruitment“). Aber auch eine gesteigerte Empfindlichkeit der zentralen Hörbahn z. B. durch Stress, kann die Ursache sein. Die optimale Anpassung von Hörgeräten, das Vermeiden der Stille und Abbau von (Hör)-Stress sind die wichtigsten Therapie-Elemente.


Vielfache Zusammenhänge

Es sollte durch die bisherigen Darstellungen deutlich geworden sein, dass Schwerhörigkeit, Tinnitus und Hyperakusis kaum einzeln und unabhängig voneinander betrachtet werden können, sondern vielfältige gegenseitige Verbindungen und Abhängigkeiten aufweisen, die es auch dem Fachmann nicht immer ermöglichen, bei klinischen Beschwerden eindeutige Zuordnungen zu einem der drei genannten Einzel-Symptome vorzunehmen. Offensichtlich ist aber auch, dass sich die Auswirkungen von Schwerhörigkeit, Tinnitus und Hyperakusis in vielen Bereichen des Alltags für den Betroffenen zumindest addieren, wenn nicht gar potenzieren. So hört man nicht selten von Tinnitus-Patienten in der Klinik: “Ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, wie ich zurechtkommen würde, wenn ich zusätzlich noch schwerhörig wäre“.



Autoren und Verfasser:

Dr. Volker Kratzsch, Chefarzt an der HELIOS Klinik Am Stiftsberg
Sebastian-Kneipp-Allee 4/7 – D-87730 Bad Grönenbach, Deutschland
www.helios-kliniken.de 

Österreichische Tinnitus-Liga (ÖTL)
Gemeinnütziger Selbsthilfeverein für Tinnitusbetroffene, Menschen mit Hörsturz und Morbus Menière
Postfach 23, A–8029 Graz, Tel.u.Fax:+43 (0) 316 / 28 91 30, GSM:+43 (0) 676 / 5447080
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!   - Internet: www.oetl.at

Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung der Verfasser im Jahre 2011

Österreichische Schwerhörigen Selbsthilfe ÖSSH
Tel: 0681 / 207 470 56
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Homepage: www.oessh.or.at