Und wer verändert nun wen?

 

In vielen Leitlinien der Behindertenvereine findet sich die Aussage „wir wollen die Gesellschaft zu Gunsten der Behinderten verändern“. Immer wieder frage ich mich aber, wie ist das nun wirklich mit dieser gewollten und geplanten Veränderung? Welches Bild der Behinderten steht hier dahinter? Ich denke, dass vielfach Behinderte selbst das Bild einer abhängigen und hilfebedürftigen Gruppe nach außen tragen und die so genannte Gesellschaft damit durchaus in der vorherrschenden Meinung unterstützen. Denn, wenn sich die Gesellschaft nicht ändert, dann bleiben wir arm, ausgestoßen und durch Barrieren behindert.

Nun stelle ich aber mir selbst die Frage: Wer soll denn diese Gesellschaft verändern, wenn diese Veränderung nicht zuallererst beim Behinderten selbst vor sich geht. Ich habe bei mir selbst und in meinen Jahren des Engagements mit schwerhörigen Menschen den Eindruck gewonnen, dass Veränderung immer zuerst beim betroffenen Menschen passieren muss. Unter dieser Veränderung verstehe ich die Akzeptanz der Behinderung und zugleich den Willen, meine bestehenden Fähigkeiten einzusetzen, um mit dieser Behinderung positiv zu leben, in dem ich alles vorhandene technische Angebot aber auch alle kommunikativen Chancen nutze und einsetze.

 Der Wille der Veränderung hat mit dem Willen hin zu einem erfüllten Leben zu tun. Niemals kann ich von anderen erwarten, dass sie wissen, was mir gut tut. Schaffen wir Hörbehinderte daher nicht selbst Barrieren, indem wir den Zugang zu unseren Mitmenschen durch unsere ständig artikulierte Hilfsbedürftigkeit blockieren? Wir fordern von unseren Mitmenschen die Bereitschaft, auf uns zuzugehen und vermeiden allzu oft das aktive Zugehen auf die anderen Menschen.

 Hören zu wollen, das Gegebene zu nutzen und sich aktiv einzubringen, das heißt für mich Veränderung meines Lebens und meiner Lebensgestaltung. Es heißt: Meine Behinderung akzeptieren. Wenn diese Veränderung – diese notwendige Selbsthilfe - nicht beim konkreten schwerhörigen Menschen einsetzt, dann fordern wir die Veränderung der Gesellschaft völlig umsonst. Die Geschichte zeigt immer wieder auf, dass notwendige Veränderungen einer Gesellschaft immer von ganz unten ausgehen, von kleinen Gruppen, von Menschen, die Mund, Ohren und Herz bei sich selbst geöffnet haben und dies aktiv in ihre Umgebung eingebracht haben.

 Wir alle sind Teil dieser Gesellschaft, ohne unseren Teil ist diese Gesellschaft ohnehin nur bruchstückhaft, auch bezüglich Veränderung. Wie die Kreise eines ins Wasser geworfenen Steines kann unser selbst verbessertes, bewusst gestaltetes Leben als Schwerhörige Kreise ziehen für eine größere Veränderung bei allen jenen Menschen, die mit uns leben und mit denen wir leben wollen – das ist doch die Gesellschaft, oder?

 Und selbst die Hilfe der politischen Landschaft wird nur in dem Maße eintreten, indem wir mit unserem Leben aktiv innerhalb der uns umgebenden Gemeinschaft Impulse aussenden, Impulse einer Unternehmungslust im Hören und Gehörtwerden.

 meint ihr

Hans Neuhold

 

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§ Rechtliches, & Soziales und $ Wissenswertes rund um das Hören und Schwerhörigkeit

Zu vielgefragten Themen stellen wir unsere umfangreiche Artikelserie zu Recht, Soziales und Wissen zur Verfügung. Dazu benötigen sie den passenden PDF Reader/Viewer. Alle Artikel wurden in der Vereinszeitung EINKLANG publiziert, welches 1x im Jahr heraus gegeben wird. Für Mitglieder ist die Zeitung kostenlos. Jahresbeitrag 20 Euro.

 

- Spritzwasserschutz von Hörgeräten und Sprachprozessoren
Als Hörgeräteträger oder Träger eines Sprachprozessors kennt man das leidige Problem, dass man Regen oder feuchter Umgebung höllisch meiden muss. Wir Betroffene sind mit den Geräten empfindlicher als der Teufel das Weihwasser. Es geht doch um teure Geräte und für den Schutz gegen äussere Einflüsse sind wir selber verantwortlich. Ein Regenguss kann schnell kommen und oft genug hat man keine Regenjacke, einen Regenschirm oder eine wasserdichte Box bei sich. -> steht Ende 2019 zum Download zur Verfügung

- Magnet trifft Magnetfeld: CI &MRT (Magnetresonanztomographie)
Kennen Sie den: Treffen sich zwei Magnete. Sagt der eine zum anderen: "Ich weiß nicht, was soll ich heute bloß anziehen...?". Klingt niedlich - solange es sich um Kühlschrnkmagnete handelt. Kommen aber die ganz Großen dran, muss man sich möglicherweise ganz schön warm anziehen. Wenn CI Träger eine MRT Untersuchung benötigen und auf was dann besonders zu achten ist. -> steht Ende 2019 zum Download zur Verfügung

- Akkus und Ladegeräte - Chancen und Risiken
Zunehmend werden als Ersatz für Einwegbatterien bei Sprachprozesooren von Cochlea Implantaten und auch bei Hörgeräten aufladbare Akkus angeboten. Waren frühere Erfahrungen mit Nickel-Cadmium bzw. Nickel-Metallhydrit eher verhalten und konnten diese sich aufgrund der doch schlechten Leistungen in diesem Bereich nicht durchsetzen, erhofft man sich nun mit der leistungsfähigeren Generation an Lithium-Ionen (LiIo) Akkus eine bessere Alternative. -> steht Ende 2019 zum Download zur Verfügung

- Gute Kontakte pflegen schafft gute Beziehungen - dazu benötigt man Schmiermittel
Auch wir Schwerhörige haben eben eine besondere Beziehung zu unseren Hörhilfsmitteln. Damit Beziehungen auch halten, müssen wir diese besonders pflegen. -> steht Ende 2018 zum Download zur Verfügung

- Hörgeräte im Ausland deutlich günstiger
Unser Artikel vom Vorjahr 2015 "Hörgeräte für ein halbes Auto oder Die Grundversorgung ohne Zuzahlung" hat grosse Wellen geschlagen. Es erreichen uns immer wieder Anfragen, wie man zu günstigeren Hörgeräten kommt. Der Erfahrungsbericht eines Betroffenen, die deutlich günstigeren Hörhilfsmittel im benachbarten Ausland zu kaufen, veranlasst zunehmend mehr aktive Betroffe, sich Vergleichsangebote aus dem Ausland einzuholen. Die Ergebnise sind durchwachsen. -> steht Ende 2017 zum Download zur Verfügung

- CI-Versicherung bei Allianz Elementar VersicherungsAG
Seit März 2016 gelten bei der CI-Geräteversicherung neue Vertragsbedingungen, dessen Auswirkungen sich die Betroffenen bewusst sein sollen. Besser geworden sind die neuen Vertragsbedingungen nicht. aus Einklang Ausgabe 2016 -> hier zum Artikel

- Softwaresperre der Hörgeräte - Ein neuer Trend?
Ausgesperrt - Das System verlangte eine Zugangscode... von Harald Pachler aus Einklang Ausgabe 2016 -> hier zum Artikel

- Das Land sucht tausend Tester
Ein modernes Märchen .....von Hearleaks aus Einklang Ausgabe 2016 -> hier zum Artikel

- Wenn einfache Leute etwas zu verbergen haben
Normaleweise bin ich was Werbung betrifft fast immun. Aber..... von Hearleaks aus Einklang Ausgabe 2015 -> hier zum Artikel

- Induktives Hören - ein weltweiter Standard
Die Problematik, Die Technologie, Das Grundprinzip, Vorteile für die Betroffenen, Kennzeichnung, Einsatzgebiete und Beispiele, Errichtung von Anlagen - was ist zu beachten? Das Paradoxon der induktiven Umsetzung, Vor- und Nachteile von verschiedenen Hörhilfen, Häufig gestellte Fragen, Diese winzige Kleinigkeit hilft!, Conclusio. Bestehen Sie darauf..... von HARALD PACHLER aus Einklang Ausgabe 2015 -> hier zum Artikel

- Der Vergleich Batterie versus Akku
Batterie oder Akku, was ist besser? Wo liegen die Unterschiede in der Praxis? von HARALD PACHLER aus Einklang Ausgabe 2015 -> steht Ende 2016 zum kostenlosen Lesen zur Verfügung.

- Das Behindertengleichstellungsgesetz (BGStG)
Ab 01.01.2016 ist die Barrierefreiheit überall Pflicht. Was bedeutet das für die Hörbeeinträchtigten? von HARALD PACHLER aus Einklang Ausgabe 2015 -> hier zum Artikel

- Hörgeräte für ein halbes Auto? oder Die Grundversorgung ohne Zuzahlung?
Was ist eine Grundversorgung und was deckt sie ab? Und wie kommt es dass Hörgeräte so viel kosten können wie ein halbes Auto? von HARALD PACHLER aus Einklang Ausgabe 2015 -> hier zum Artikel

- Alles rund um das Cochlea Implantat
Im Alltag, beim Doktor - eine umfangreiche Zusammenstellung praxisnaher Tipps von HARALD PACHLER aus Einklang Ausgabe 2013 -> hier zum Artikel

- Einbehalte, Vorbehalte, Selbstbehalte - Ihr Weg zu einem günstigen Hörgerät
In der Hörgeräteversorgung erreichen uns immer wieder ungläubige und erboste Anfragen, wenn Betroffene immer wieder mit unerwarteten Selbstbehalten - und dies bis zu einigen tausend Euro (!) konfrontiert werden. Früher hat es Selbstbehalte kaum gegeben. von Hearlinks aus Einklang Ausgabe 2013 -> hier zum Artikel

- Welcher Arzt ist zuständig für das Ausfüllen von Rehabilitationsanträgen?
Bei der Erlangung von Unterschriften auf Formularen merkt man oft, dass der Amtsschimmel nichts mit einem galoppierenden Pferd zu tun hat, der Schimmel als Pferd aber auch nichts dafür kann. von HANS NEUHOLD UND MARTIN SCHWARZ aus Einklang Ausgabe 2013 -> hier zum Artikel

- Der VwGH macht den Verzicht auf eine "Begünstigung" nach Behinderteneinstellungsgesetz möglich.
Seit September 2007 begehrt eine begünstigt behinderte Person die „Streichung aus dem Kreis der begünstigten Personen“. Begründend erläuterte der Beschwerdeführer ausführlich, dass die Zugehörigkeit zum Kreis der begünstigten Behinderten seine Arbeitssuche erheblich erschweren würde. von HANS NEUHOLD, aus Einklang Ausgabe 2012 -> hier zum Artikel

- Hörgeräteversorgung nach Punkt und Beistrich
Wer wusste schon, dass die Hörgeräteversorgung eigentlich sehr genau geregelt ist?
Dass es ein Abkommen zwischen dem Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger
und der Bundesinnung der Augenoptiker, Orthopädietechniker, Badagisten und Hörgeräteakustiker gibt? Diese Verlautbarung Nr. 730 aus dem Jahr 2010 liest sich nicht unbedingt einfach. Aus Platzgründen verweisen wir nur auf einige wichtige Passagen für Betroffene (=Konsumenten) von HARALD PACHLER aus Einklang Ausgabe 2011 -> hier zum Artikel

- Kostenersätze, Zuschüsse und Förderungen für Hörhilfsmittel sowie Sonderfall Cochlea Implantat (CI) Versorgungen
Eine Aufstellung, wo welche Finanztöpfe sitzen, wenn Hörhilfsmittel benötigt werden.
Im Hörgeräte-Gesamtvertrag ist die Versorgung bzw. Nachversorgung von Cochlea Implantaten inkl. Sprachprozessor und Zubehör in keiner Weise beschrieben bzw. gesichert. Es gibt somit keine Grundsätze! von HARALD PACHLER aus Einklang Ausgabe 2011 -> hier zum Artikel

- Einschätzungsverordnung
Mit 1. September 2010 sind die Änderungen des Behinderteneinstellungsgesetzes (BEinstG) und gleichzeitig eine neue Einschätzungsverordnung zur Feststellung des Grades der Behinderung in Kraft getreten. von HARALD PACHLER aus Einklang Ausgabe 2011 -> zum Artikel

- Wissenswertes über ein Cochlea-Implantat (CI)
Ein Cochlea-Implantat gibt vielen hörgeschädigten Menschen berechtigter Weise Hoffnung. Manchmal
wird das Cochlea-Implantat in Artikeln und Presseberichten als „Wunderwerk“ angepriesen und es
entsteht der Eindruck, nach einer solchen Operation seien alle Probleme gelöst und die Schwerhörigkeit endgültig besiegt. Hier sollte man der Ehrlichkeit willen aber etwas besser differenzieren. Mit folgenden Hinweisen möchten wir ein wenig zur Objektivität beitragen, Hintergründe aufzeigen und Kriterien für eine persönliche Entscheidung anbieten:
von HANS NEUHOLD, SISSY HAWLE, HARALD PACHLER aus Einklang Ausgabe 2011 -> hier zum Artikel

- Hinweise zur Hörgeräteversicherungen
Aus einem Bericht der Zeitschrift Konsument 1/2010 von SISSY HAWLE und HARALD PACHLER aus Einklang Ausgabe 2010 -> hier zum Artikel

- Das erste Hörgerät ihres Kindes
Wenn ihr Kind an Gehörverlust leidet und das erste Hörgerät angeschafft werden soll, sollten Sie
sicherstellen, dass das Gerät den Bedürfnissen Ihres Kindes gerecht wird. -> zum Artikel

- Grundsätzliches zur Versorgung mit Hörgeräten
Wissenswertes und Interessantes zum diesem vielbefragtem Thema, vom SISSY HAWLE aus Einklang Ausgabe 2010 -> hier zum Artikel

- Steuertipps für Schwerhörige
Außergewöhnliche Belastung für Hörgeräte- und CI-Träger im Rahmen der Arbeitnehmerveranlagung. von DR. HANS GÜRTL aus Einklang Ausgabe 2010 -> hier zum Artikel

- Was zahlt die Kassa bei Hörgeräten?
Neuversorgungen und Reperaturen, was spielt sich da ab? von SISSY HAWLE aus Einklang Ausgabe 2010 -> hier zum Artikel

- Versicherungen für Sprachprozessoren (Cochlea Implantat , kurz CI)
Hinweise und Überlegungen von SISSY HAWLE aus Einklang Ausgabe 2010 -> hier zum Artikel

 


H Y P E R A K U S I S

Was versteht man unter einer Hyperakusis?
Unter einer  Hyperakusis versteht man eine abnorm gesteigerte mpfindlichkeit auf von außen kommende Geräusche.
Hyperakusis ist nicht identisch mit einem als quälend laut empfundenen subjektiven Tinnitus, bei dem eine externe Geräuschquelle gar nicht existiert.  Aber:  Hyperakusis ist oft mit Tinnitus vegesellschaftet, geht ihm oft voraus, beruht auf ähnlichen „Signalberarbeitungsstörungen“.
Bei der Hyperakusis  besteht eine subjektive Überempfindlichkeit für Geräusche normaler Lautstärke über den gesamten Frequenzbereich.  "Normale Lautstärke" heißt: Geräusche des Alltags ab 70 - 80 dB, "subjektiv"  heißt: die große Mehrheit der Menschen erlebt  diese Geräusche generell nicht als überlaut oder unangenehm.
Bei lauten Geräuschen (etwa 95 -110 dB) kommt es oft reflexartig zu Schmerzempfindungen im Ohr,  Kopf, Nackenbereich sowie vegetative Reaktionen  Ein  schon vorhandener Tinnitus verstärkt sich dabei häufig anhaltend.
Von der Hyperakusis zu unterscheiden ist die Phonophobie, eine subjektive Überempfindlichkeit nur für ganz bestimmte Geräusche normaler oder auch leiser Lautstärke  (z. B.: Stimme eines bestimmten Menschen)


Gibt es mögliche Ursachen für die Hyperakusis?
Gesichert ist das Auftreten einer Hyperakusis  nach akutem Lärmtrauma.  So gibt es Fälle schwerer Hyperakusis nach Rückkopplungspfeifen bei einem Rockkonzert  oder nach dem Losgehen einer Alarmanlage. Die Störung der Lautheitswahrnehmung kann vorübergehend oder andauernd sein.
Für die meisten Fälle von Hyperakusis gibt es keinen nachweisbaren Auslöser.  Wie kommt es überhaupt dazu? Unser Gehirn musste im Laufe der Evolution lernen, auf die verschiedenen Geräusche der Umwelt richtig zu reagieren. Das Erkennen eines Angreifers, das Herausfiltern eines gefährlichen Geräusches aus den harmlosen Umgebungsgeräuschen war für Mensch und Tier überlebenswichtig. Diese Unterscheidung läuft bereits im unbewussten Teil der Hörbahn ab. Sie funktioniert auch heute noch: Wenn wir nachts einen einsamen Weg durch den Wald gehen und plötzlich knackst es hinter uns im Gebüsch, steigen unser Puls und Blutdruck plötzlich an, das „Sympathische Nervensystem“ zeigt erhöhte Aktivität und macht unseren Körper bereit zur Flucht.
Bei der Hyperakusis kommt es offenbar dazu, dass wir auf harmlose Alltagsgeräusche, wie das Knacksen in der Heizung genauso reagieren wie auf eine Bedrohung. Nachdem diese Vorgänge im unbewussten Teil der Hörbahn ablaufen, sind sie auch der einfachen rationalen Aufarbeitung wie  „...das ist doch ein ganz harmloses Geräusch“  nicht zugänglich.
Es sind häufig ähnlich strukturierte Persönlichkeiten wie jene, die an Tinitus leiden, die auch an Hyperakusis erkranken: Personen mit hohem Stresspegel, Personen mit zu hohen Anforderungen an sich selbst sowie ausgepowerte und zu Neurosen neigende Persönlichkeiten.


Welche Rolle spielt Lärm?
Lärm kann als akutes Lärmtrauma eine Hyperakusis auslösen und als chronischer Lärm die Entstehung eines Hyperakusis begünstigen.


Welches sind die Auswirkungen und in welcher Weise beeinträchtigt Hyperakusis die Lebensqualität?
Die betroffenen Patienten empfinden bereits Alltagslärm als unangenehm laut  und beginnen sich schrittweise aus dem Leben außer Haus zurückzuziehen. Zunächst sind es nur bestimmte Situationen, die als unangenehm erlebt werden, wie zum Beispiel die Durchsagen in der Strassenbahn oder ein etwas lauteres Lokal. Bei weiterem Fortschreiten wird die Welt außerhalb der eigenen 4 Wände insgesamt als zu laut empfunden. Im Bestreben nach Linderung verwenden viele Patienten Ohropax und schotten sich damit von Alltagsgeräuschen weitgehend ab. Diese Reizunterdrückung führt aber zur Gewöhnung an die Stille und verschärft das Leiden der Hyperakusis.  Hyperakusis kann im Extremfall bis zur Arbeitsunfähigkeit und Invalidisierung führen.


Welche medizinischen und sonstigen Therapien stehen zur Wahl?
Psychotherapie, Hörtherapie und Körpertherapien werden miteinander kombiniert.


Medikamentöse Therapie:
Der Einsatz von Antidepressiva wird vom Patienten häufig als entlastend erlebt, wobei sich die Entlastung auf die Beeinträchtigung durch die Hyperakusis erstreckt. Ein wirksames generelles Hyperakusismedikament existiert nicht.


Counselling:
Eine gute Aufklärung wirkt beim Patienten entängstigend und kann in einigen Fällen für sich bereits zugewiesene Krankheitswertigkeit beim Patienten reduzieren oder sogar aufheben.

Retraingtherapien nach Jastreboff und Hazell
Retrainingtherapie besteht aus einer Kombination von Beratung (Counselling) des Betroffenen  sowie dem zusätzlichen Tragen  eines  „Rauschgenerators“  an beiden Ohren. Diese kleinen Geräte ähneln äußerlich Hörgeräten und  werden wie diese im oder hinter dem Ohr getragen. Sie erzeugen ein leises breitbandiges Rauschen, so ählich wie ein Meeresrauschen. Durch die langsame Steigerung der Lautstärke wird die Hörbahn „desensibilisert“, das heißt, wieder langsam an Geräusche gewöhnt.
Die Rauschtherapie erhöht den Schallpegel, dem der Patient ausgesetzt wird und den er zunehmend toleriert. Dieses Grundprinzip entspricht dem anfänglich häufig gegebenen Rat: „Stille meiden“


.Weiters eingesetzt werden:
Entspannungsverfahren für Hyperakusispatienten.
Die progressive Muskelrelaxation nach Jacobsen (PMR)
Psychologische Therapie: Cognitive Therapie (Gedanken, Einstellungen, Erwartungen, Gedanken analysieren), Angstmanagement, Biofeedback


Kannn man einer Hyperakusis vorbeugen?
Außer einem gesundem Lebensstil, der Vermeidung von extremen Lärm und der Vermeidung von akustischem Dauerstress gibt es keine vorbeugenden Maßnahmen.


Zusammenstellung und Bearbeitung:

Dr. Hannes Schobel, Facharzt für Hals-,Nasen- und Ohrenerkrankungen,
St Pölten, Grenzgasse 12 / 3.Stock, 3100 St.Pölten, Tel.:02742/354322  Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! 

Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung des Verfassers im Jahr 2011

Österreichische Schwerhörigen Selbsthilfe ÖSSH
Tel: 0681 / 207 470 56
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! 
Homepage: www.oessh.or.at 


 

HÖRSTURZ

Was versteht man unter einem Hörsturz und wie kommt es dazu?
Unter einem Hörsturz versteht man eine aus völligem Wohlbefinden heraus auftretende Innenohrschwerhörigkeit, die sich innerhalb weniger Sekunden oder auch Minuten, selten auch innerhalb von einigen Stunden entwickelt. Fallweise treten auch Ohrgeräusche und Schwindelgefühl dazu. Beim idiopathischen Hörsturz ist die auslösende Ursache unbekannt, eine plötzliche Verschlechterung des Gehörs im Rahmen einer bekannten Grundkrankheit, wie z. B. im Rahmen einer schweren Mittelohrentzündung, eines Morbus Meniere (Drehschwindelerkrankung) oder eines Schädelbasisbruches wird nicht als Hörsturz bezeichnet.

Insgesamt ist unser gesicherter Kenntnisstand über die Ursachen des Hörsturzes immer noch gering. Dies liegt daran, dass das Innenohr am lebenden Menschen nicht direkt untersucht werden kann. Es liegt mitten im härtesten Knochen des menschlichen Körpers, dem Felsenbein verborgen. Während wir heute beispielsweise Herzkranzgefässe mit Kathetern darstellen können oder aus Organen wie Leber und Niere Gewebsproben entnehmen können, ist derartiges beim Innenohr völlig undenkbar.

Nach heutigem Wissensstand kommen folgende Ursachen als Auslöser eines Hörsturzes in Frage:  Virusinfekte, wie z.B. Mumps oder Influenza – Viren, Störungen der Mikrozirkulation im Innenohr, das heißt Störungen der Durchblutung   durch thrombotische oder embolische Gefäßverschlüsse und Spasmen (Gefäßkrämpfe) im Innenohr.

Jeder Hörsturz ist ein Notfall, der möglichst rasch der Therapie zugeführt werden sollte.


Wie erkennt man einen Hörsturz und welche sind die wichtigsten Sofortmaßnahmen?
Der Hörsturz selbst ist für die meisten Patienten anhand des plötzlich nachlassenden Gehörs auf der betroffenen  Seite meist gut erkennbar.  Selbstverständlich kann der Betroffene die Diagnose eines Hörsturzes selbst nicht zweifelsfrei stellen. Bei vielen Patienten, die wegen einer akuten Hörverschlechterung und dem entsprechenden Verdacht auf Hörsturz ärztliche Behandlung aufsuchen, handelt es sich  lediglich um einen Ohrschmalzpfropf, der beispielsweise durch das Baden aufgequollen ist und nun plötzlich den gesamten Gehörgang verschließt. Die entsprechende Symptomatik kann vom Patienten selbst von einem Hörsturz kaum unterschieden werden.
Die wichtigsten Sofortmaßnahmen bestehen in der Regel in der Einleitung einer Infusionstherapie mit rheologisch wirksamen Substanzen, welche die Durchblutung im Bereich der kleinsten Gefäße im Mittelohr (Mikrozirkulation) verbessern. Darüber hinaus werden bei der stationären Therapie gerne auch hochdosiert Kortison und antivirale Substanzen gegeben, da es auch Hinweise auf einen ursächlichen Zusammenhang des Hörsturzes mit viralen Infekten gibt. Ein ganz wesentlicher Faktor bei der Therapie dürfte jedoch auch darin liegen, dass ein Patient, der zur Infusionstherapie stationär aufgenommen wird, automatisch aus seinem beruflichen Umfeld und damit auch seiner beruflichen Stresssituation herausgenommen wird.


Welche Auswirkungen hat der Hörsturz hinsichtlich der Lebensqualität?
Insgesamt hat der Hörsturz mit einer Spontanheilungsrate bis zu 80% eine gute Prognose. Durch die meist rasch eingeleitete medizinische Therapie ist der allergrößte Teil der Hörstürze  reversibel. Sofern aber eine Innenschwerhörigkeit zurückbleibt, sind die Auswirkungen für den Patienten die gleichen, wie bei der sich langsam entwickelnden Innenohrschwerhörigkeit auch:
Die betroffenen Patienten haben Schwierigkeiten, Sprache zu verstehen.  Dies wird besonders deutlich in Situationen  mit geräuschvolleren Umgebung und dann, wenn mehrere Menschen gleichzeitig sprechen. Auch ein mit einem Hörsturz aufgetretenes Ohrgeräusch kann chronisch werden und die Lebensqualität des Patienten dem entsprechend beeinträchtigen.

Welche sind die Langzeittherapien?
Sofern es nicht gelingt, durch die Akuttherapie den Hörsturz zur Remission zu bringen , ist eine Langzeittherapie wenig erfolgversprechend. Gegeben werden gerne die üblichen durchblutungsverbessernden Medikamente in Tablettenform, die auch im Akutstadium infundiert werden. Beim Bestehenbleiben einer Innenohrschwerhörigkeit ist die Rehabilitation des Patienten mittels moderner Hörgeräte anzustreben, diesbezüglich sind die Erfolgsaussichten sehr gut. Die moderne Hörgeräte-Technologie erlaubt heute den Ausgleich fast aller bestehenden Schwerhörigkeiten. Die modernen „Mini-hinter-dem-Ohr“ Geräte sind praktisch unsichtbar zu tragen und erlauben es, dem Patienten jenen Teil des Gehörs in dem die Innenohrleistung noch ausreichend ist, weiterhin zu nutzen und verstärken nur jene Frequenzanteile, die von der Hörminderung betroffen sind.

Warum werden Hörstürze häufiger?
Hörstürze werden heute zweifelsohne besser als früher diagnostiziert. Dies ist auch auf den verbesserten Zugang zur Akutmedizin und der rascheren Durchführung der Audiogramme zurückzuführen. Des Weiteren ist unsere heute sehr lärmende Umgebung und der Stress in vielen Lebensbereichen ein möglicher Auslöser für Hörstürze.

Was kann präventiv unternommen werden, um eine Hörsturz zu vermeiden?
Prinzipiell gibt es zwei auslösende Grundfaktoren, die zu vermeiden sind. Einerseits Stress und andererseits eine chronische Lärmexposition. Auch einseitige und chronische Belastungen der Halswirbelsäule und der Nackenmuskulatur können prädisponierend für eine Hörsturz wirken. Ein gesunder Lebensstil mit entsprechenden Erholungsphasen für das Gehör ist sicher die bestmögliche Vorbeugung gegen einen Hörsturz.

Neigen schwerhörende Menschen eher zu einem Hörsturz?
Hörstürze können sowohl auf Basis eines völlig normalen Gehörs, als auch bei Vorschädigungen des Gehörs auftreten. Insgesamt dürften Hörstürze bei bestehender Vorschädigung des Innenohrs etwas häufiger sein.

Hörsturz: Alternative Therapieformen

1.    H.E.L.P. – Aphersese
Durch die als „H.E.L.P. –Apherese“ bezeichnete Blutwäsche werden dem Blut LDL-Cholesterin, Fibrinogen und Lipoproteine entzogen. Erhöhte Blutwerte dieser Substanzen gelten als Risikofaktoren für einen Hörsturz. Es gibt nun die ersten positiven Studien, die dieser Therapie (nur einmal durchgeführt, Dauer ca. 2 Stunden) eine bessere Wirksamkeit als der üblichen, 14 Tage dauernden Infusionstherapie bescheinigen. Der Hörsturz hat allerdings eine bis zu 80% Spontanheilungsrate, sodass es für eine endgültige Beurteilung dieser Therapie der Hörsturz noch zu früh ist. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.help-bei-hoersturz.de.  Diese Therapieform ist in Deutschland gut etabliert und es gibt zahlreiche Plasmapherese-Zentren. In Österreich wird  diese Therapie selten angewandt.

2.    Hyperbare Sauerstofftherapie
Bei der „Hyperbaren Sauerstofftherapie“ atmen die Patienten in einer Druckkammer reinen Sauerstoff ein, während der Kammerinnendruck langsam erhöht wird. Dadurch wird wesentlich mehr Sauerstoff physikalisch im Blut gelöst. Dies bewirkt, dass die Sinneszellen im Innenohr (Haarzellen), die sowohl für das Hören als auch für die Entstehung von Ohrgeräuschen von entscheidender Bedeutung sind, wesentlich besser mit Sauerstoff versorgt werden.
Voraussetzung für diese Art der Therapie ist, dass der Hörsturz noch nicht zu lange zurückliegt. Die Therapie sollte bei Versagen der standardmäßigen Infusionstherapie  möglichst bald im Anschluss durchgeführt werden. Voraussetzung für die Patienten, die in dieser Druckkammer auf „Tauchfahrt“ gehen, ist, dass sie den Druckausgleich (Anblasen über die Nase und gleichzeitiges Schlucken zur Belüftung des Mittelohres) einwandfrei beherrschen, da es sonst zu einem Drucktrauma des Mittel- und Innerohres kommen kann.
Leider gibt es in Österreich noch keine flächendeckende Versorgung mit Druckkammerzentren und dementsprechende Wartezeiten. Das größte österreichische Druckkammerzentrum befindet sich im Landeskrankenhaus Graz.

 


Zusammenstellung und Bearbeitung:

Dr. Hannes Schobel, Facharzt für Hals-,Nasen- und Ohrenerkrankungen,
St Pölten, Grenzgasse 12 / 3.Stock, 3100 St.Pölten, Tel.:02742/354322  Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! 

Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung des Verfassers im Jahr 2011

 Österreichische Schwerhörigen Selbsthilfe ÖSSH
Tel: 0681 / 207 470 56
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! 
Homepage: www.oessh.or.at