Vordenken – Nachdenken 2013

 

 

 

Das Leben schafft Ordnung, aber die Ordnung bringt kein Leben hervor *)

 

 

 

Wir alle sind eingebettet in tausenden von Ordnungen, Verordnungen, Verfügungen, Festlegungen, Klassifizierungen und Einteilungen, die nicht wir selbst gestalten, sondern in diese hineingestellt wurden oder immer wieder werden.

 

Es stimmt sicher: In vielen vorgegebenen Ordnungen ist wenig Leben zu spüren, sie dienen eher dazu, Sicherheiten für jene zu schaffen, die diese Ordnungen festlegen. Oftmals sind solche Ordnungen als Schutz gedacht gegen ungeplante Herausforderungen und die Gesellschaft erspart sich sicher viele Auseinandersetzungen, wenn sie uns zwingt, den Verordnungen zu entsprechen – aber es verhindert Leben.

 

Auch als Behinderte teilt man uns gerne ein, legt fest, was wir wie sind und wie wir uns zu verhalten haben. Man stülpt uns etwas über, in der Meinung, unserer Umgebung damit den Umgang mit uns zu erleichtern.

 

Aber: Fühlen wir uns wohl in solchen Ordnungen und Klassifizierungen? Können wir uns innerhalb solcher Festlegungen noch frei bewegen? Fast jeder Mensch wird von irgendeinem System abhängig gemacht und meist auch vertreten. Seien es Gewerkschaften, Kammern, Vereine, Parteien, Ämter usw. die der Meinung sind, in unserem Sinne zu handeln, aber oftmals ihre eigenen Interessen im Sinn haben.

 

Seine Interessen an Vertretungen abzugeben, heißt letztlich immer, sich selbst ein Stück zu entmündigen und eingeordnet zu werden.

 

Leben heißt letztlich nur eines: Sich selbst zu verwirklichen und seinen eigenen Zielen und Hoffnungen nachzugehen, nur dadurch machen wir uns fähig, auf andere zuzugehen, Beziehungen zu schaffen, die uns gut tun. Im Zugehen auf andere schaffen wir Vertrauen und verringern Distanzen. Was wir für uns Gutes schaffen, das können wir auch mit anderen teilen. Erst durch unser intensives Leben schaffen wir Ordnungen in Bezug auf Liebe, Heimat, Zuhause-Sein, Freundschaften, Begegnungen und lohnende Ziele. Wer geht mit dir, wenn du traurig oder fröhlich bist? Denn vertrauen kann man nur jenen Menschen, die mit uns einfach da sind und nicht bloß für uns. Niemand kann für dich leben, nur du selbst.

 

Wer sein Leben aktiv gestaltet, schafft erst die erforderliche Ordnung, auch durch die Grenzen, die wir in uns und um uns erleben.

 

Bloß zu träumen von dem, was sein könnte, verhindert oft, die kleinen Schritte zu setzen, um durch mein Leben Ordnung zu schaffen, auf die ich mich selbst und andere verlassen können.

 

Ordnung, die wir selbst durch unser Leben schaffen, braucht keine Vergleiche mit anderen, denn Leben heißt: das Anderssein zuzulassen.

 

Statt einem Schema von außen zu genügen, das uns fixiert und festlegt, sind wir gefordert, unserem eigenen Leben jene Ordnung zu geben, die es uns ermöglicht, gemeinsam mit anderen, Mensch sein zu können, ohne Vorbedingungen und Leistungsdruck. Und diese Ordnung darf jeden Tag ein Stück geändert werden.

 

So kann ein persönlich geordnetes Leben selbst die Unordnung von außen erträglich machen und das wünsche ich Ihnen

 

Ihr Hans Neuhold

 

 

 

 

*) aus: Bekenntnis einer Freundschaft, Antoine de Saint-Exupery