Ich will mich nicht mehr
für die Träume anderer einsetzen lassen
Ich habe meine eigenen Träume
Ich will sie wahr machen

(aus dem Gedichtband „an solchen Tagen“ von Sibylle Gurtner )

Als Schwerhöriger zu leben heißt doch in vielen Bereichen anderen zu genügen, ein Limit zu erfüllen, nicht anders sein zu dürfen, sich anzupassen an eine Welt, die das Hören und Verstehen als selbstverständlich betrachtet. „Nur nicht aus dem Rahmen fallen“ denken viele von uns und verwenden ihre ganze Kraft, den Anforderungen, die andere an sie stellen, zu genügen. Es sind die Träume anderer, mit den Hörgeräten am besten gleich den ganzen Menschen zu digitalisieren, damit er wieder „wie früher“ hören kann bzw. muss.

„Die eigenen Träume wahr machen“ könnte heißen, diesen Anders-Sein zu leben, um wirklich zu leben, nicht dafür, um alles rund um uns zu hören und zu verstehen, sondern um sich selbst zu verstehen, nach innen zu hören, um die eignen Fähigkeiten zu entdecken und sich nicht auf „defekte“ Ohren reduzieren zu lassen….ein Behinderter zu sein, weil man behindert wird.

Nur wir selbst können unsere Träume wahr machen, indem wir uns nicht behindern lassen unsere Träume zu leben.

Hans Neuhold