Es gibt keinen besseren Meister für dich als dich selbst!

sagte unlängst ein Freund zu mir und es machte mich nachdenklich.

Empfinden wir uns als Schwerhörige nicht des öfteren als Ausgelieferte, als Menschen, die nicht zurande kommen, wenn das Umfeld nicht entsprechend mitmacht, nicht entsprechend adaptiert, technisiert und perfektioniert ist? Zugleich spüren wir in unserem Alltagsleben, dass diese Hoffnung allein gar nicht genügen kann: zu warten, bis andere das tun, was wir möchten und bräuchten. Und im Geheimen uns noch dazu selbst eingestehen müssen, es selbst oft gar nicht zu wissen, wie es wirklich sein sollte.

Ich empfinde manchmal, dass es gerade bei uns Schwerhörigen allzu oft um die äußeren Rahmenbedingungen geht, um eine gute Höranlage, ein gelungenes taktisches Verhalten, eine optimale Hörgeräteversorgung usw.

Aber wo und wie bewegen wir uns als selbstständiger Mensch? Als einer, der bemitleidenswert seine Behinderung vor sich her trägt oder einer, der Kommunikation trotz allem sucht?

Meister für sich selbst zu sein, bedeutet für mich, sich selbst „wahr“ zu nehmen, mit all den empfundenen Einschränkungen, mit all den Veränderungen in mir und um mich herum, meinen negativen und positiven Erfahrungen. Vielleicht sind meine Fähigkeiten gar nicht geringer, sondern nur anders und ich benötige durchaus die Rückmeldung meiner Umgebung, um dieses Anderssein auch mit neuem Sinn zu füllen.

Es ist meist ein langer Weg, um an seinen eigenen Wert, an seine persönlichen Fähigkeiten glauben zu können. Es ist mühevoll aber notwendig, an den Erfahrungen zu reifen um neue Erfahrungen zu schaffen. Dazu – denke ich - bedarf es auch eines Meisters, der uns nicht von außen gegeben ist, sondern den wir in uns entwickeln müssen.

Hans Neuhold