Das, was uns frustriert, ist das, woran wir am meisten lernen können

Der Satz mag komisch und fremd klingen, sind wir doch in unserem Leben am meisten damit beschäftigt, all das Unangenehme und Frustrierende möglichst von uns fern zu halten. Wer hat nicht die Sehnsucht nach einer „heilen Welt“?

Für die tagtäglichen Wehwehchen haben wir Pillen auf Krankenschein, aber für Konflikte mit uns selbst und den anderen können wir nur auf wenig zurückgreifen. Da sind wir tatsächlich selbst gefragt und oftmals in Frage gestellt.

Schwerhörigkeit führt in vielen Bereichen zu unangenehmen Erfahrungen, da treten Störungen nicht nur einmal auf und selbst der, der sich sicher genug glaubt und fühlt, erlebt in Situationen, dass es trotz aller Anstrengung nicht gelingt. Frustration entsteht dann nicht bloß über die Hörsysteme, über nicht vorhandene Einrichtungen, über mangelnde Vorkehrungen, sondern über uns selbst. Denn jedes Scheitern trifft nicht Dinge und Geräte, sondern immer uns selbst in unserem Vorhaben und Bemühen, schlicht und einfach in unserem Menschsein. Erst recht, wenn wir uns mit einer Behinderung herumschlagen müssen.

Woraus sollten wir lernen?

Ich denke, es ist notwendig, die Ursache der Frustration zu erkennen. Warum hat das oder jenes mich jetzt getroffen? Worüber bin ich wirklich frustriert? Über andere oder über mich selbst? Wenn es andere sind, deren Verhalten ich falsch eingeschätzt habe, trifft es letztlich wieder mich selbst, wenn es mein eigenes Unvermögen war, dann erst recht. Also könnte der Lernerfolg wohl darin liegen, mich nicht bloß selbst zu verbessern, sondern das Scheitern gelassen zu ertragen, weil es zum Leben gehört, weil es keine Perfektion geben kann, weil alles, was in einer Kommunikation passiert, in jedem Miteinander von Menschen nicht nur einer Brücken baut. Und wenn eine Brücke nicht hält, dann haben zwar mehrere strategisch versagt, hätten aber mit einem Lächeln und manchmal auch mit einem kräftigen Lachen recht rasch zwei Ufer überwinden können.

Frustration entsteht sehr oft dort, wo wir uns selbst überschätzen und an unsere Grenzen stoßen, die wir vergessen haben, schon vorher wahr zu nehmen. Der Stein auf meinem Weg ist nichts anderes als ein Zeichen, die Füße höher zu heben.

Meint Ihr
Hans Neuhold