Ein indischer Spruch sagt: Das Auge ist der Spiegel der Seele, das Ohr aber die Tür zur Seele.

Im Zuge des vor kurzem beschlossenen Behindertengleichstellungsgesetzes wurde auch die Anerkennung der Gebärdensprache gesetzlich verankert. Dies ist für tatsächlich gehörlose Menschen zweifelsfrei eine wichtige Grundlage in unserem Staat. Dennoch muss es erlaubt sein, diese Form der Kommunikation nicht als Allheilmittel darzustellen, schon gar nicht für die große Zahl der schwerhörigen Menschen, die in sich die Hoffnung und Sehnsucht haben, zu hören. Und vielfach auch hören können.

Im Leitartikel der letzten Ausgabe „Sprachrohr“ schreibt Prof.Hoth: „Ohne die Stimme zu hören erfahren wir nur einen Teil dessen, was uns mitgeteilt werden soll. Die Information scheint die Kommunikation in der Rangordnung abgelöst zu haben.“

Darum ist Hören mehr als nur Kommunikation, sie ist Empfindung, etwas, das den Menschen einnimmt und formt. Das Ohr als Tür zur Seele, die Stimme, als emotionaler Ausdruck unserer Sprache.

Es geht nicht darum, Gebärdensprache abzuwerten, vielmehr darum, zu allererst alle Möglichkeiten auszuloten, um den Menschen – hier besondern die hörgeschädigten Kinder – zum Hören zu verhelfen, jede bereits erdachte und noch zu erdenkende Technik muss hier willkommen und finanzierbar sein. Den betroffenen Menschen müssen seine Chancen bewusst werden, niemand soll einen Weg wählen müssen, den er eigentlich nicht gehen möchte.

Unser Gehör ist und bleibt unser sozialstes Sinnesorgan – das lässt sich durch nichts weg zu diskutieren.

Hans Neuhold