Ankommen

Ankunft – dieses Wort sagen und hören wir in den Zeiten der Weihnacht. Aber denken wir auch einmal daran, dass jedes Ankommen zuerst ein Weggehen voraussetzt. Wer nicht angestammte Wege verlässt, wird nie woanders ankommen können.

„Die Schwierigkeit besteht nicht darin, irgendwo anzukommen, sondern zur richtigen Zeit die Richtung zu wechseln“ meint ein Spruch.

Wir alle haben in uns Ziele und Möglichkeiten gesammelt, von denen wir meinen, wenn wir sie erreicht haben, ist alles erledigt. In dem wir aber leben und erleben, ändern sich einerseits die Voraussetzungen und andererseits auch die erreichbaren Ziele. Nichts bleibt, wie es ist, der Strom der Zeit und das Miteinander der Menschen bringen ständig Veränderungen und erfordern laufend neue Gedankengänge. Selten wird es sein, dass ein vor langer Zeit gefasstes Ziel in derselben Weise erstrebenswert und sinnvoll bleibt.

Zu schnell werden einstmals gangbare Wege ausgetreten und nur mehr schwer begehbar, zu schwierig werden Wege, die von anderen bereits begangen und vorgegeben wurden. Sehr leicht bleibt man dabei auf der Strecke.

Statt Ziele im Irgendwo zu suchen, sollten wir uns herausfordern lassen und uns selbst herausfordern, die Richtung dahingehend zu wechseln, die unserer Situation dienen und entsprechen. Eine bloße Erwartungshaltung an die Welt um uns erzeugt allzu oft nur Druck und Leiden und die Botschaft, die wir senden, erreicht nicht die Adressaten. Eine Richtungsänderung könnte sein: Tätig zu werden im Miteinander, in einer Gemeinschaft der Gleichgesinnten, denn nur wer sich einbringt, kann etwas herausbringen: Für sich selbst und füreinander.

Weihnachten ist dann, wenn wir merken, dass wir nicht allein sind, sondern so wie wir sind, ein Geschenk für andere. Nur: Geschenke müssen auch angeboten werden, sonst können sie nicht angenommen werden. Vielleicht wäre dies eine Richtungsänderung?

Hans Neuhold