„Fast zwangsläufig wird man schließlich zu der Person, für die einen die anderen halten“ (aus Iden des März, Julius Cäsar zugeschrieben)

Haben Sie sich schon einmal ernsthaft Gedanken gemacht, wie Sie als Schwerhöriger von den andern erlebt werden? Wir neigen ja allzu rasch dazu, unter dem Umstand zu leiden, dass wir nicht verstehen - verdrängen aber meist die Gedanken daran, wie wir selbst verstanden werden, wie wir uns einbringen und selbst auf unsere Mitmenschen zugehen. Vielfach verbringen wir unsere Zeit damit, Richtlinien und Regeln zu entwerfen, wie man mit uns als Schwerhörige umgehen soll. Zu wenig arbeiten wir daran, uns selbst mit unserer Schwerhörigkeit im Alltagsgeschehen zu verwirklichen, d.h. wirklich werden in dem Sinne, dass wir die Kommunikation steuern und gestalten. Ich denke, wir erwarten oft zuviel von Technik und vergessen dabei unsere eigenen menschlichen Fähigkeiten und Qualitäten. Ob uns unsere Mitmenschen annehmen, liegt nicht nur an ihnen, sondern zu gleichen Teilen an uns. Inwieweit wir uns selbst behindern lassen, dieses Maß sollten wir bestimmen. Ich denke, das oftmals negative und abschätzige Bild vom schwerhörigen Menschen in der Gesellschaft haben Schwerhörige im Laufe der Zeit selbst geprägt und geschaffen. Der Weg, dieses Bild zu verändern, liegt nun ebenso an uns. Nicht der voll-digitalisierte und technisierte Schwerhörige, von dem nun Funktionalität erwartet wird, kann das Maß sein, sondern jener Mensch, der in seiner Schwerhörigkeit einen Auftrag erkennt, neue Begegnungsformen zu kultivieren und zu nutzen.

Erst im Miteinander können wir unser Bild von uns selbst prägen, unsere Umgebung kann wie ein Speiegel sein.

Hans Neuhold