Martin Schwarz

Bild Martin SchwarzAn und für sich heiße ich ja eigentlich Martin Schwarz, aber alle nennen mich Martsch. Irgendwie hat sich das beim Mailen eingebürgert. Ich bin seit meiner Geburt 1976 schwerhörig. Meinen Eltern fiel dies relativ bald auf und sie setzten rasch Schritte um, um meine Hörreste so gut wie möglich ausnützen zu können. Damals stand die Entwicklung der Hörgeräte noch ziemlich in den Kinderschuhen, vor allem im Bereich des hochgradigen Hörverlusts. Die Taschenhörgeräte, welche ich zuerst bekam, halfen nicht wirklich – zumindest nicht bewußt. Es ist dennoch möglich, daß damit unbewußt das Sprachzentrum für die spätere Zeit hilfreich stimuliert wurde.

Mit Anpassung laufend neuer HDO-Geräte steigerte sich die Wahrnehmung bei Tönen und Geräuschen – wenngleich die Grenzen immer noch schnell erreicht sind.

 Nach dem Besuch regulärer Schulen startete ich eine Lehre im grafischen Gewerbe. Ein Auf und Ab im Berufsleben folgte, welche dazu brachte, viele interessante Einblicke in dieses Gewerbe zu erhalten. Nach mehreren Firmenwechseln wagte ich einen neuen Sprung und machte 1996 meinen Gewerbeschein, welches ich bis heute ausübe.  

Sprache ist etwas, was man nie alleine erlernen kann, sondern man braucht immer Mitmenschen dazu. Meine Eltern ließen mir zum Glück immer eine recht große Freiheit, sodaß einem ausgeschweiften Leben als Teenager nichts im Wege stand. Und gerade diese „wilden Zeiten“ bringen meiner Meinung nach wahnsinnig viel: Auf Parties lernt man rasch neue interessante Menschen kennen, fängt an, Musik zu schätzen und erhält Einblick in unterschiedlichste Weltbilder. Das Ausgehen kann doch sehr helfen, die Kommunikationskompetenz zu steigern. Und sich dabei ein erfülltes Jugendleben zu gönnen. Na gut, und manchmal erwischt man da auch schon mal zuviel von irgendwelchen subtilen Getränken. Aber das ist doch ok so? ;-)  

Ich muß eingestehen, dass ich lange Zeit als „anonymer Schwerhöriger“ lebte. Erst im Alter von 27 Jahren fing ich an, mich „richtig“ damit zu beschäftigen. Angefangen hat es, als ich für einen Akustiker in meiner Nähe Werbekonzepte entwarf. Bald darauf folgte der Startschuss von Junge Stimme, wo ich mich von Anfang an sofort begeistert anschloß.

Ich beobachte immer wieder mit Freude, wie rasch Menschen aufblühen, wenn gemeinsame Aktivitäten durchgeführt werden und offen über die Behinderung gesprochen wird. Es macht Spaß in einem motivierten Team neue Programme auf die Beine zu stellen. Und es ist schön, zuzusehen wenn neue Freundschaften geschlossen werden.

Im Rahmen dieser Arbeit habe ich auch erkannt, dass hinsichtlich Schwerhörigenarbeit noch viel zu tun ist. Manchmal kostet das viel Energie, schlußendlich freut man sich immer wieder, wenn positive Veränderungen erreicht werden. Doch abgesehen von der „politischen“ Arbeit im Hintergrund, welche nur neue Rahmenbedingungen schaffen kann, ist es für jeden einzelnen Menschen wichtig, seine eigene Lage ehrlich einzuschätzen und selbst dafür bereit zu sein, persönliche Veränderungen vorzunehmen. Es gehört irgendwie doch zur Aufgabe, auch das zu vermitteln. Offene Selbstreflextion und Mut zu Veränderungen sind ein komparativer Treibstoff des Lebens. Den Superlativ muss jeder selbst herausfinden.