Harald Pachler

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Als ich 1974 das Licht dieser Welt erblickte, da schien die Welt in Ordnung. Doch irgendwann vermisste man meine sprachliche Entwicklung bis erst ein Facharzt im dritten Lebensjahr einen hochgradigen Gehörschaden diagnostizierte. Für meine Mutter ein Schock. Es kam für sie nie in Frage, mich in eine Gehörlosenschule zu schicken. Es erfolgte die Anpassung von Hörgeräten und somit die Ausnutzung meiner Hörreste. Ein Fassen an einem Strohhalm, aber sie wurde belohnt. Es erfolgte eine stürmische Aufholjagd im Erlernen der Lautsprache. Aber nicht so sprechen lernen wie man sie sonst bei Kindern kennt, sondern in intensiven vielen, vielen Stunden, allen voran mit meiner Mutter. Meine Freizeit war geprägt von Lernen und Lernen. Ich besuchte immer die regulären Schulen und schloss sie letztendlich mit HTL Matura in  Elektronik ab. Heute bin ich beruflich im technischen Bereich tätig. Zuhause bin ich in Oberösterreich.

So gut ich sprechen kann, so schwer fällt es mir, viele gesellschaftlichen Aktivitäten mitverfolgen zu können. Kino, Theater, Messen, Seminare, Veranstaltungen und Gespräche mitten unter vielen Menschen. Wenn man nicht viel versteht und mitbekommt, dann macht all das keinen besonderen Spaß. Also meidet man mehr diese Stätten.

Über verschiedene Wege lernte ich erstmals einen Schwerhörigenverein kennen. Ich erkannte bald, dass viele junge Menschen eines suchten: eine lautsprachlich orientierte Schwerhörigengruppe. Einen Treffpunkt füreinander, Freunde haben, Freunde finden, Zusammenkommen. Eine junge Gruppe wurde im Winter 2004 gegründet mit dem sinnigen Namen „Junge Stimme“ und seit Jänner 2005 besteht diese offiziell. In nur kurzer Zeit sind wir eine bundesländer-übergreifender Treffpunkt geworden.

Mittendrin wurde mir 2005 ein Cochlea Implantat operiert. Nun eröffnet sich mir langsam eine neue Welt, erstmals kann ich vieles ohne Mundabbild verstehen. Fast 30 Jahre lange verfolgte ich einen Traum, heute kann ich schon telefonieren, wenngleich es noch einige Aussetzer gibt.

Das CI hat mir zu einen Sprung nach vorwärts verholfen, aber an das wirklich gute und umfassende Hören komme ich nicht heran. Ich bin und bleibe ein schwerhöriger Mensch. Und dennoch lebe ich ein erfülltes Leben, nur muss man es selber aktiv anpacken!