Probleme schwerhöriger Menschen

Unsichtbar und verdrängt

Schwerhörigkeit ist eine unsichtbare Behinderung, sie wird erst erkannt, wenn in der Kommunikation Verständnisprobleme auftreten.

   Denn Schwerhörigkeit hat nach wie vor bei vielen Menschen ein sehr negatives Image, Betroffene wollen es oft nicht wahrhaben und versuchen mit großer Anstrengung es zu verdrängen und zu leugnen. Der Nichtbetroffene merkt es zwar, aber schweigt vielleicht aus Höflichkeit. Somit wird der Umgang mit dieser Behinderung noch schwieriger.

 
Kein leises Hören

Schwerhörigkeit hat in den seltensten Fällen mit einem leiserem Hören zu tun, sondern es handelt sich um Störungen in den verschiedenen Frequenzbereichen. Somit ist ein Anschreien der schwerhörigen Person oder ein überdurchschnittliches lautes Sprechen keine Lösung. Im Gegenteil, es verschlimmert meist noch die Situation.

Hören und Verstehen

sind nicht dasselbe. Auch schwerhörige Menschen hören, aber durch die Störungen im Innenohr und Ausfälle in bestimmten Frequenzbereichen (vor allem im Sprachbereich) gelingt das Verstehen nur mehr schwer. Besonders schwierig wird es in Situationen mit hohen Umgebungsgeräuschen, in einem Lokal, am Bahnhof oder wenn mehrere zugleich sprechen.

   Daher sind die Vermeidung von Umlärm, ein langsameres Sprechen, eine gute Artikulation und das Ins-Gesicht-sehen bereits wesentliche Hilfen in der Verständigung, denn auch Hörgeräte können dieses Problem nicht gänzlich lösen.


Wie ein schwerhöriger Mensch hört, zeigt die folgende Grafik:

 

 
 
Isoliert

Schwerhörige Menschen erleben sich sehr oft isoliert, sie haben in vielen Situationen das Gefühl nicht mehr dazuzugehören. Es geht daher darum, Barrieren, die eine Kommunikation behindern, abzubauen. Dazu gehören gezielte Methoden in der Kommunikation, spezielle Höranlagen in öffentlichen Räumen, optische Sichtbarmachung von Aufrufen und Ankündigungen, der Einsatz von Hörhilfsmittel, u.a.

  Schwerhörige Menschen müssen auch selbst dazu beitragen, indem sie rechtzeitig auf ihre Behinderung hinweisen, sich mit den „richtigen“ Hörgeräten versorgen und den Umgang damit lernen.


Keine falschen Urteile

Die Auswirkungen einer Schwerhörigkeit kann man schwer nachvollziehen. Wer sich die Ohren zuhält, erzeugt bestenfalls eine leichte Schwerhörigkeit, eher ein gedämpftes Hören. Der Ausfall von  Frequenzbereichen bei Sprache und Musik, die Verzerrtheit der Töne und die oft damit zusammenhängende „Lärmempfindlichkeit“ bleibt das Schicksal des Betroffenen. Dafür sollte er nicht zum Gespött werden.
 

Zahlen sprechen für sich

Nach neuesten Untersuchungen sind bereits 20% der Bevölkerung über 14 Jahre von Schwerhörigkeit betroffen, bei den über 65jährigen ist es bereits jeder Dritte. Die Schwerhörigen sind damit die größte Behindertengruppe in Österreich.

  Aber nicht bloß Schwerhörige leiden darunter, sondern auch alle jene Menschen, die mit ihnen in Kontakt stehen und eine Kommunikation mit Ihnen wünschen.
 

Die taubblinde Helen Keller schreibt:  

„Wer nicht sieht, verliert die Dinge – wer nicht hört, die Menschen“
 

Hans Neuhold
Feber 2005