H Y P E R A K U S I S

Was versteht man unter einer Hyperakusis?
Unter einer  Hyperakusis versteht man eine abnorm gesteigerte mpfindlichkeit auf von außen kommende Geräusche.
Hyperakusis ist nicht identisch mit einem als quälend laut empfundenen subjektiven Tinnitus, bei dem eine externe Geräuschquelle gar nicht existiert.  Aber:  Hyperakusis ist oft mit Tinnitus vegesellschaftet, geht ihm oft voraus, beruht auf ähnlichen „Signalberarbeitungsstörungen“.
Bei der Hyperakusis  besteht eine subjektive Überempfindlichkeit für Geräusche normaler Lautstärke über den gesamten Frequenzbereich.  "Normale Lautstärke" heißt: Geräusche des Alltags ab 70 - 80 dB, "subjektiv"  heißt: die große Mehrheit der Menschen erlebt  diese Geräusche generell nicht als überlaut oder unangenehm.
Bei lauten Geräuschen (etwa 95 -110 dB) kommt es oft reflexartig zu Schmerzempfindungen im Ohr,  Kopf, Nackenbereich sowie vegetative Reaktionen  Ein  schon vorhandener Tinnitus verstärkt sich dabei häufig anhaltend.
Von der Hyperakusis zu unterscheiden ist die Phonophobie, eine subjektive Überempfindlichkeit nur für ganz bestimmte Geräusche normaler oder auch leiser Lautstärke  (z. B.: Stimme eines bestimmten Menschen)


Gibt es mögliche Ursachen für die Hyperakusis?
Gesichert ist das Auftreten einer Hyperakusis  nach akutem Lärmtrauma.  So gibt es Fälle schwerer Hyperakusis nach Rückkopplungspfeifen bei einem Rockkonzert  oder nach dem Losgehen einer Alarmanlage. Die Störung der Lautheitswahrnehmung kann vorübergehend oder andauernd sein.
Für die meisten Fälle von Hyperakusis gibt es keinen nachweisbaren Auslöser.  Wie kommt es überhaupt dazu? Unser Gehirn musste im Laufe der Evolution lernen, auf die verschiedenen Geräusche der Umwelt richtig zu reagieren. Das Erkennen eines Angreifers, das Herausfiltern eines gefährlichen Geräusches aus den harmlosen Umgebungsgeräuschen war für Mensch und Tier überlebenswichtig. Diese Unterscheidung läuft bereits im unbewussten Teil der Hörbahn ab. Sie funktioniert auch heute noch: Wenn wir nachts einen einsamen Weg durch den Wald gehen und plötzlich knackst es hinter uns im Gebüsch, steigen unser Puls und Blutdruck plötzlich an, das „Sympathische Nervensystem“ zeigt erhöhte Aktivität und macht unseren Körper bereit zur Flucht.
Bei der Hyperakusis kommt es offenbar dazu, dass wir auf harmlose Alltagsgeräusche, wie das Knacksen in der Heizung genauso reagieren wie auf eine Bedrohung. Nachdem diese Vorgänge im unbewussten Teil der Hörbahn ablaufen, sind sie auch der einfachen rationalen Aufarbeitung wie  „...das ist doch ein ganz harmloses Geräusch“  nicht zugänglich.
Es sind häufig ähnlich strukturierte Persönlichkeiten wie jene, die an Tinitus leiden, die auch an Hyperakusis erkranken: Personen mit hohem Stresspegel, Personen mit zu hohen Anforderungen an sich selbst sowie ausgepowerte und zu Neurosen neigende Persönlichkeiten.


Welche Rolle spielt Lärm?
Lärm kann als akutes Lärmtrauma eine Hyperakusis auslösen und als chronischer Lärm die Entstehung eines Hyperakusis begünstigen.


Welches sind die Auswirkungen und in welcher Weise beeinträchtigt Hyperakusis die Lebensqualität?
Die betroffenen Patienten empfinden bereits Alltagslärm als unangenehm laut  und beginnen sich schrittweise aus dem Leben außer Haus zurückzuziehen. Zunächst sind es nur bestimmte Situationen, die als unangenehm erlebt werden, wie zum Beispiel die Durchsagen in der Strassenbahn oder ein etwas lauteres Lokal. Bei weiterem Fortschreiten wird die Welt außerhalb der eigenen 4 Wände insgesamt als zu laut empfunden. Im Bestreben nach Linderung verwenden viele Patienten Ohropax und schotten sich damit von Alltagsgeräuschen weitgehend ab. Diese Reizunterdrückung führt aber zur Gewöhnung an die Stille und verschärft das Leiden der Hyperakusis.  Hyperakusis kann im Extremfall bis zur Arbeitsunfähigkeit und Invalidisierung führen.


Welche medizinischen und sonstigen Therapien stehen zur Wahl?
Psychotherapie, Hörtherapie und Körpertherapien werden miteinander kombiniert.


Medikamentöse Therapie:
Der Einsatz von Antidepressiva wird vom Patienten häufig als entlastend erlebt, wobei sich die Entlastung auf die Beeinträchtigung durch die Hyperakusis erstreckt. Ein wirksames generelles Hyperakusismedikament existiert nicht.


Counselling:
Eine gute Aufklärung wirkt beim Patienten entängstigend und kann in einigen Fällen für sich bereits zugewiesene Krankheitswertigkeit beim Patienten reduzieren oder sogar aufheben.

Retraingtherapien nach Jastreboff und Hazell
Retrainingtherapie besteht aus einer Kombination von Beratung (Counselling) des Betroffenen  sowie dem zusätzlichen Tragen  eines  „Rauschgenerators“  an beiden Ohren. Diese kleinen Geräte ähneln äußerlich Hörgeräten und  werden wie diese im oder hinter dem Ohr getragen. Sie erzeugen ein leises breitbandiges Rauschen, so ählich wie ein Meeresrauschen. Durch die langsame Steigerung der Lautstärke wird die Hörbahn „desensibilisert“, das heißt, wieder langsam an Geräusche gewöhnt.
Die Rauschtherapie erhöht den Schallpegel, dem der Patient ausgesetzt wird und den er zunehmend toleriert. Dieses Grundprinzip entspricht dem anfänglich häufig gegebenen Rat: „Stille meiden“


.Weiters eingesetzt werden:
Entspannungsverfahren für Hyperakusispatienten.
Die progressive Muskelrelaxation nach Jacobsen (PMR)
Psychologische Therapie: Cognitive Therapie (Gedanken, Einstellungen, Erwartungen, Gedanken analysieren), Angstmanagement, Biofeedback


Kannn man einer Hyperakusis vorbeugen?
Außer einem gesundem Lebensstil, der Vermeidung von extremen Lärm und der Vermeidung von akustischem Dauerstress gibt es keine vorbeugenden Maßnahmen.


Zusammenstellung und Bearbeitung:

Dr. Hannes Schobel, Facharzt für Hals-,Nasen- und Ohrenerkrankungen,
St Pölten, Grenzgasse 12 / 3.Stock, 3100 St.Pölten, Tel.:02742/354322  Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! 

Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung des Verfassers im Jahr 2011

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