Hörgeräte
Informationen und Hinweise


Ein Hörgerät bedeutet Lebensqualität

Wenn Ihnen der Arzt Hörgeräte empfiehlt oder verordnet, …..

  • kann es sein, dass Sie erschrecken und meinen, so schlecht hören Sie nun doch wieder nicht
  • werden Sie vielleicht das Gefühl haben, nun schon „zum alten Eisen“ zu gehören
  • denken Sie vermutlich an die Ihnen bekannten „unzufriedenen“ Hörgerätebesitzer
  • fürchten Sie vielleicht, dass solche Geräte Ihre äußere Erscheinung verunstalten
  • meinen Sie, jeder wird Ihre Hörgeräte sofort erkennen und Sie als schwierig einstufen
  • sind Sie sich vielleicht nicht im Klaren, ob diese Geräte Ihnen wirklich etwas helfen
  • suchen Sie vielleicht nach vielen Gründen, doch noch zuzuwarten
     

Es gilt aber zu bedenken:

 

  • wer zu lange mit einer Hörgeräteversorgung wartet, nimmt sich selbst die Chance zu einem guten Teil wieder „dazugeHÖREN“ zu können. Je schlechter das Gehör ist, desto schwieriger und langwieriger wird der Anpassungsprozeß und die Gewöhnung an die neue Hörsituation, die Hörgeräte unweigerlich mit sich bringen
  • je früher Sie mit Hörgeräten beginnen, desto besser können Sie Hörschwächen ausgleichen und den richtigen Umgang mit Hörgeräten erlernen. Ein richtig angepasstes Hörgerät schadet auch nicht dem Gehör – im Gegenteil
  • Hörgeräte sind keine Schande, vielmehr ein positives Zeichen, dass Sie mit ihrer Umgebung auch weiterhin Kontakt halten möchten und Sie etwas für sich tun
  • Hörgeräte darf man ruhig sehen, vielleicht kommt man Ihnen dann in einem Gespräch eher entgegen. Sie verstecken ja auch nicht Ihre Brille, wenn sie sehen möchten!  Hörgeräte können sogar bunt sein und kombiniert mit Schmuck getragen werden.  Warum nicht? Es gibt großartige Beispiele dafür
  • Die Unsichtbarkeit von Hörgeräten sollte nie im Vordergrund stehen, denn zur  Lösung von Hörproblemen gehört u.a., dass Sie Ihr Umfeld über die Hörbehinderung informieren und den anderen Menschen mitteilen, welche Art von Hilfestellung Sie benötigen. Den besten Erfolg mit einer Hörgeräteversorgung erzielen Sie nur dann, wenn Sie zu Ihrer Schwerhörigkeit stehen und diese nicht verdrängen
  • Ein eingeschränktes Hören und Verstehen ist nicht nur für den Betroffenen ein großes Problem, sondern eben auch für Angehörige und Freunde
  • nur wer sich rechtzeitig an Hörgeräte gewöhnt, wird sie besser einsetzen und für sich nutzen können
  • das Verstehen passiert nicht im Ohr, sondern im Hörzentrum des Gehirns. Was dort lange Zeit nicht mehr ankommt, wird „verlernt“ und kann später vielleicht nicht mehr aufgeholt werden. Das Ohr selbst ist wie ein Mikrofon und dient der Übertragung ins Gehirn.
  • ständiges angestrengtes Hören und Hinhören erzeugt Stress und Müdigkeit,  schadet langfristig Ihrer Gesundheit und kann selbst Tinnitus (Ohrgeräusche) auslösen
  • Hörgeräte leisten wesentlich mehr als nur die Lautstärke zu erhöhen, sie werden auf die ganz speziellen Frequenzstörungen einer Hörschädigung eingestellt. Das verlangt Geduld und Zeit und kann durchaus Monate dauern. Auf keinem Fall sollte das Hörgerät deswegen vorschnell im „Nachttisch“ landen. Die Gewöhnung an Hörgeräte bedarf viel persönlicher Übung, einer positiver Einstellung zu dieser Technik und auch einer regelmäßigen Nacheinstellung durch Ihren Hörgeräteakustiker
  • Aber: Selbst die besten und teuersten Hörgeräte werden Ihr abnehmendes Gehör nicht zur Gänze wiederherstellen können, wohl aber eine große Erleichterung in vielen Situationen des Alltags sein. Glauben Sie daher keiner Werbung, die Ihnen ein „normales“ Hören und eine völlige Wiederherstellung Ihres Gehörs verspricht


Hinweise zur Hörgeräteversorgung selbst

  1. Lassen Sie sich von einem Facharzt für HNO gründlich untersuchen. Bei Notwendigkeit wird er Ihnen ein Hörgerät verordnen.
  2. Suchen Sie einen Hörgeräteakustiker Ihrer Wahl auf, der HNO-Arzt kann Ihnen durchaus jemanden empfehlen, aber Sie sind daran nicht gebunden.
  3. Geben Sie ihren Verordnungsschein beim Hörgeräteakustiker nicht gleich zu Beginn ab, so sichern Sie sich die Chance, den Hörgeräteakustiker jederzeit zu wechseln.
  4. Sie sollten sich vom Hörgeräteakustiker ernst genommen fühlen, d.h. sie sollten spüren, dass er auf Ihre Wünsche und Fragen eingeht. Empfinden Sie das nicht, wechseln Sie zu einem anderen Hörgeräteakustiker.
  5. Testen Sie grundsätzlich „hinter-dem-Ohr-Geräte“(HdO), die Erfahrung zeigt, dass diese robuster und leistungsstärker sind. Zudem ist hier meist eine Induktionsspule eingebaut und es sind damit spätere Zusatzhilfen besser verwendbar. Achtung: Bei den neuen, ganz kleinen, HdO-Geräten kann auch die Induktionsspule fehlen.
  6. Bei der Wahl der Hörgeräte sollten Sie daran denken, in welchen Bereichen Sie selbst Verbesserungen im Hören und Verstehen erreichen möchten, z.B. Telefon, Fernsehen, Gruppengespräche, Vorträge, Versammlungen usw. und teilen Sie das dem Hörgeräteakustiker mit.
  7. Achten Sie generell darauf, dass Ihr Hörgerät eine Induktionsspule besitzt und diese auch aktiviert ist. Denn in vielen öffentlichen Räumen werden in den nächsten Jahren Induktionsanlagen vorhanden sein, das verlangt das Behindertengleichstellungsgesetz. Aussagen von Hörgeräteakustiker, Sie würden keine Induktionsspule brauchen, sind nicht richtig, da ein Großteil der Hörgeräteträger sehr wohl Induktionsanlagen nutzt und damit ein besseres Verstehen erzielt.
  8. Testen Sie vorerst durchaus einmal jenes Hörgerät, das Ihnen der Hörgeräteakustiker empfiehlt und testen Sie es 4 Wochen lang. Das ist Ihr gutes Recht und der Hörgeräteakustiker darf dafür keine Kosten verrechnen.
  9. Sollten Sie nach diesem Test kein gutes Gefühl haben, verlangen sie ein anderes Hörgerät zum Test – wiederum für 4 Wochen.
  10. Insgesamt sollten Sie mindestens 3 verschiedene Hörgerätetypen probieren. Ein so genanntes „Tarifgerät“ (das ist jenes – meist einfaches - Hörgerät, dass die Krankenkasse zur Gänze bezahlt), dann eines aus dem mittleren Preissegment (also mit geringen Selbstkosten) und eines, das sicherlich mit hohen Selbstkosten verbunden ist, aber dafür „alle Stücke spielt“ (ob Sie diese Möglichkeiten dann wirklich auch nutzen können, müssen Sie herausfinden).
  11. Wichtig ist, dass Sie Ihre optimalen Geräte finden – erst dann sollten Sie sich die Frage stellen, ob Sie sich die allenfalls notwendigen  Selbstkosten finanziell leisten können. Berufstätige können an das Bundessozialamt oder die Pensionsversicherungsanstalt Ansuchen um Beihilfen richten. In diesen Fällen muss aber eine Begründung vorliegen, warum sich gerade diese Hörgeräte für Sie am besten eignen. Leider bestehen für Pensionisten keine derartigen finanziellen Hilfen (bei geringen Einkommen evtl. die Sozialabteilungen der Länder).
  12. Setzen Sie die Tests der Hörgeräte solange fort, bis Sie das Gefühl haben, „Ihr Gerät“ gefunden zu haben. Selbst wenn dies Monate dauert.
  13. Nur wenn Sie mit einem Gerät grundsätzlich zufrieden sind, erkundigen Sie sich nach den Kosten, die Sie beim Kauf selbst  übernehmen müssten. Sind Sie mit der erforderlichen Zuzahlung einverstanden, geben Sie ihre Verordnung vom HNO-Arzt ab und unterschreiben Sie den Vertrag. Der Hörgeräteakustiker wird dann die Verrechnung mit der Krankenkasse, die ja den Anteil eines Tarifgeräte zahlt, erledigen.

Wissenswertes für die Zeit danach:

  1. Hörgeräte können nach derzeitiger Regelung mit den Krankenkassen alle 5 bzw. 6 Jahre erneuert werden. Das bedingt, dass Hörgeräte seitens der Hörgeräteakustiker so zu dimensionieren sind, dass sie bei einer „normalen“ Hörverschlechterung so lange nutzbar bleiben. Dafür muss der Hörgeräteakustiker sorgen.
  2. Bedenken Sie, dass Hörgeräte immer „Krücken“ (aber eben ganz entscheidende!) bleiben und Sie damit vielleicht nie ein völlig normales Hören erreichen werden. Das Wunderwerk Ohr kann auch die beste Technik nicht wieder herstellen.
  3. Meist benötigt man einige Monate, bis man seine Hörgeräte wirklich gewohnt ist und sich damit in seinem Alltag zu Recht findet. Dabei ist es wichtig, bei merkbaren Veränderungen im Hören und Verstehen, sofort den Hörgeräteakustiker aufzusuchen, damit er die notwendigen Nacheinstellungen vornehmen kann.
  4. Tragen Sie Ihre Hörgeräte immer (außer den ersten Tagen, wo Sie es stundenweise nutzen sollten), nur so kann sich Ihr Hörzentrum im Gehirn an die „neuen“ Töne, Stimmen und Geräusche gewöhnen und schrittweise ein „Heraushören“ erlernen.
  5. Suchen Sie auch einmal eine Selbsthilfegruppe auf, ein gegenseitiger Erfahrungsaustausch ist immer eine Hilfe.
  6. Zu guter Letzt: Je mehr Sie mit den Hörgeräten üben und trainieren (eine Logopädie und Hörtrainingskurse sind äußerst empfehlenswert), desto eher erreichen sie Ihr Ziel. 
  7. Sollten Sie trotz Ihrer Hörgeräte in verschiedenen Situationen kein optimales Verstehen erreichen, denken Sie an die Möglichkeiten zusätzlicher Hilfen ( Induktionsanlagen im privaten Bereich, Telefonverstärker, Halsschleifen für Fernsehen und Handy, usw.). Solche sind bei den Technischen Assistenzen der Schwerhörigenvereine meist gratis zum Testen. Das sollten Sie nutzen, bevor sie solche Geräte kaufen.
  8. Hörgerätebatterien sind nicht billig und werden auch nicht von der Krankenkasse bezahlt. Sie können diese aber von der Steuer absetzen, sofern sie als Behinderter eingestuft wurden. Sehr günstige Batterien bietet die Österreichische Schwerhörigen Selbsthilfe für ihre Mitglieder an: www.oessh.or.at  

Was zahlt die Kasse bei Hörgeräten?

Neuversorgung:

Im Zuge neuer Verhandlungen zwischen den Sozialversicherungen und den Hörgeräteakustikern wurden die finanziellen Leistungen für eine Tarifgeräteversorgung (also eine normale Versorgung in einfacher und zweckmäßiger Ausführung) herabgesetzt.
Für eine einohrige Versorgung werden ab dem 1.1.2010 von der Kasse € 792,- und für eine beidohrige Versorgung  € 1425,60 übernommen.
Darüber hinaus gibt es zusätzliche Tarife für Sonderversorgungen, z.B. bei hochgradiger Schwerhörigkeit, Hochtonsteilabfall und beruflicher Notwendigkeit.
Alle Kosten, die darüber hinausgehen, sind vom Kunden selbst zu zahlen. Es lohnt sich also bei einer Hörgeräteversorgung sich ausführlich zu informieren, was die Kasse tatsächlich leisten wird und welche Zuzahlungen zu erwarten sind..
Die Sozialversicherungen sichern nach ihren Aussagen mit dem vorhin genannten Leistungen eine Grundversorgung für alle Schwerhörigen.
Es besteht seitens der Sozialversicherungen auf jeden Fall der Wunsch, dass bereits die Standardgeräte (also Tarifgeräte) mit der notwendigen Technologie ausgestattet werden.
Eine weitere Neuerung im Vertrag ist, dass auf dem Anpassbericht, der an die Krankenversicherung übermittelt wird, vermerkt werden muss, in welcher Größenordnung zusätzliche Funktionen beim Hörgerät „notwendig“ waren und warum Zuzahlungen durch die Patienten erfolgt sind.
Ein Thema bei den kommenden Gesamtvertragsverhandlungen zwischen Sozialversicherungen und Hörgeräteakustiker im Jahr 2010 wird die Tragedauer und auch die Technologie sein, d.h. es könnte sich bei der derzeitigen Regelung, wonach alle 5 Jahre ein Anspruch auf eine Neuversorgung besteht, durchaus etwas ändern.

Reparaturen:

Die Kassen zahlen alle Reparaturen, wenn der Schaden nicht vorsätzlich oder grob fahrlässig herbeigeführt wurde. Sie zahlen aber nur jenen Anteil, der einer Tarifgeräteversorgung entspricht, also nicht generell die gesamten Kosten, die bei einem hochwertigen Hörgerät anfallen. Demnach ist hier je nach Ausstattung eines Hörgerätes auch ein Eigenanteil zu leisten, der sich je nach Firma und Hörgeräteakustiker unterschiedlich auswirken kann. Vorher fragen lohnt sich also.


Leistungen des Hörgeräteakustikers
Die Kosten für nachstehende Leistungen sind mit dem Tarif der Sozialversicherungen abgedeckt, es dürfen dafür keine zusätzlichen Kosten vom Hörgeräteakustiker in Rechnung gestellt werden.

  • die Auswahl eines geeigneten Hörgerätes und die Anpassung mit allen notwendigen Meßmethoden und Messtechniken in einer tatsächlichen und simulierten Umgebung, ebenso die notwendigen Messungen, vor Ort Einstellungen und Dokumentationen während der gesamten Tragedauer
  • die Unterweisung (Bedienung, Aufbewahrung, Batteriewechsel und Reinigung) des Betroffenen und erforderlichenfalls seiner Betreuungspersonen im Gebrauch und der Pflege der Geräte
  • eine jährliche Funktionssicherungskontrolle. Diese umfasst: Gerätereinigung außen, Funktionskontrolle und evtl. Nacheinstellungen beim Hörgerät (Verstärkung, Frequenzgang, Lautstärke und Dynamik), Reinigung der Otoplastik (Ohrpassstück) und Überprüfung derselben. Nachschulung des Betroffenen und eventueller Betreuungspersonen während der gesamten Tragedauer des Hörgerätes. Statischen Cerumenschutz reinigen oder wechseln, sowie das Tauschen des HdO-Hörerschlauches
  • Der Hörgeräteakustiker ist verpflichtet, bei der Auswahl eines Hörgerätes auf einen möglichen fortschreitenden Hörverlust (im statistischen Mittel) bedacht zu nehmen, sodass eine mindestens fünf bis sechsjährige Benützungszeit zu erwarten ist. 

Arten von Hörgeräten:

Das Hinter-dem-Ohr-Gerät (HdO):

Diese Hörgeräte gibt es für die unterschiedlichsten Leistungsstärken, von leichtem bis schwerem Hörverlust. Es besteht aus einem Gehäuse in dem Mikrofon, Verstärker und Hörer eingebaut sind und wird hinter dem Ohr getragen. Der Schall wird über einen Schallschlauch vom Ohrhaken zum Ohrpassstück geleitet und von dort zum Trommelfell. Ein großer Vorteil dieser Hörgeräte ist die meist fix eingebaute IndukTionsspule. Weiteres die Möglichkeit eines Audioanschlusses (Audioschuh), sowie die einfache Reinigung des Ohrpassstückes.
Informationen bezüglich der IndukTionsspule und des Audioanschlusses finden Sie später. 
Diese Bauart ist tragefreundlich, leicht zu bedienen, weniger schweißempfindlich und reparaturanfällig. Da das Ohrpassstück leicht vom Gerät zu trennen ist und für alle HdO Hörgeräte passt, können bei der Erstanpassungen mehrere unterschiedliche Hörgeräte probiert werden. Bei einer notwendigen Reparatur kann meist unverzüglich ein Ersatzgerät beigestellt werden.

Zu dieser Hörgeräteart zählen auch Knochleitungsgeräte, die den Schall über den Knochen hinter dem Ohr an das Innenohr leiten. Solche Hörgeräte sind dann notwendig, wenn der Gehörgang oder das Mittelohr eine Versorgung mit herkömmlichen Hörgeräten nicht zulassen. Sie werden meist mit den Brillenbügeln kombiniert, sind aber auch durch einen kleinen operativen Eingriff am Knochen selbst zu fixieren (BAHA-System der Fa. Cochlear).

Das Im-Ohr-Gerät (IdO):

Die äußere Form des Hörgerätes wird der Ohrmuschel und dem Gehörgang angepasst und in der Hörmuschel (Im Ohr) getragen. Der oft genannte Vorteil der „Unauffälligkeit“ gegenüber dem HdO-Gerät stimmt nur teilweise, je nach Sichtwinkel zum Kopf des Trägers. Die Schallaufnahme ist bei diesen Hörgeräten etwas besser, weil die Mikrofone direkt am Gehöreingang angebracht sind und Fehlermöglichkeiten durch einen langen Schallschlauch (wie beim HdO Hörgerät) entfallen. Außerdem behält die Ohrmuschel ihre Funktion für die Schallaufnahme.
Dem stehen aber Nachteile gegenüber: Da Mikrofon und Schallabgabe (Hörer) sehr dicht beieinander sind, kommt es leicht zu einer Rückkoppelung (vielfach bekanntes Pfeifen). Ein fester Sitz im Gehörgang muss beim IdO Hörgerät daher immer gewährleistet sein. Ebenso wird durch die natürliche Feuchtigkeitsabgabe und dem Cerumen (Ohrschmalz) im Gehörgang ein solches Gerät eher in Mitleidenschaft gezogen. Es ist daher reparaturanfälliger und auch schwieriger zu reinigen (Hygiene). Weiters gibt es bei diesen Hörgeräten keinen Audioanschluss und auf Grund der Baugröße auch meist keine IndukTionsspule.

Kanalhörgeräte (KHG) & Gehörgangsgeräte (CIC=Complete in the Canal):

Diese sind klein bis sehr klein und werden, je nach Type mehr oder weniger direkt im  Gehörgang getragen. CIC Geräte sind an einem winzigen Plastikfaden am Gerät zum leichteren Herausnehmen aus dem Gehörgang zu erkennen. Der in der Werbung meist angepriesenen „Unsichtbarkeit“ stehen in vielen Fällen sehr große Nachteile gegenüber: stärkere Anfälligkeit zur Rückkoppelung (siehe IdO-Gerät), das generelle Fehlen einer IndukTionsspule und der fehlenden Möglichkeit eines Audioanschlusses. Durch Ohrschmalz und Schweiß kommt es bei diesen kleinen Geräten zu einer vermehrten Reparaturanfälligkeit.

Das implantierte Hörgerät:

Dabei handelt es sich um Mittelohrimplantate von Hörgeräten für die Versorgung einer Innenohrschwerhörigkeit. Sämtliche Teile werden operativ im Kopf und Mittelohr verpflanzt. Die Schallaufnahme erfolgt durch das Ohr. Trotz teilweiser guter Erfahrungen sind solche Geräte nur für wenige Arten von Schwerhörigkeit geeignet. Die Übernahme der Operations- und Gerätekosten durch die Krankenkasse ist nur dann möglich, wenn medizinisch einwandfrei nachgewiesen werden kann, dass eine Versorgung mit „normalen“ Geräten unmöglich ist. Problematisch ist bei diesen Geräten, dass keine Zusatzhilfsmittel benutzt werden können. Außerdem gibt es noch wenige Langzeittest aus dem hervorgeht, dass keine weiteren Schäden am Mittelohr anfallen können.


Weitere wichtige Überlegungen

-    Sichtbarkeit der Geräte:
Für viele Menschen sind Hörgeräte ein kosmetisches Problem und dies wird auch von der Werbung benutzt. Aber gerade das Zeigen seiner „unsichtbaren“ Behinderung mittels Hörgeräte dient dem besseren Umgang mit den Mitmenschen und dem Verständnis für diese Behinderung. „Was versteckt werden muss, kann wohl nichts Gutes sein“. Dieses Verstecken ist mit ein Grund dafür, dass in unserer Gesellschaft die Hörbehinderung noch wenig Beachtung findet bzw. verdrängt wird. Eine Hörbehinderung kann ohnehin nie unbemerkt bleiben, in Gesprächen, beim Fernsehen und anderen Situationen wird dies von den Mitmenschen sehr rasch festgestellt, meist schon bevor es die Betroffenen selber merken. Wichtig ist, dass Sie sich zu Ihrer Hörschädigung bekennen und diese als Bestandteil Ihrer eigenen Person akzeptieren.

-    Automatische oder manuelle Einstellung:
Bei Hörgeräten mit automatischer Lautstärkeregelung (spezielle digitale Systeme) erübrigt sich ein Laut- oder Leisedrehen. Bei der Programmierung der Hörgeräte wird die persönliche Lärmverträglichkeit und notwendige Lautstärke für eine gute Sprachverständlichkeit eingestellt. Ein eingebautes Modul misst selbständig den jeweiligen Umlärm, reagiert automatisch und stellt die Lautstärke möglichst optimal ein. Allerdings verzichten Sie dabei auf eine persönliche Beeinflussung der Hörsituation, dies hat Vorteile, ist aber in manchen Situationen ein Nachteil. Daher sollte das Zurechtkommen mit dieser Automatik im Alltag, noch in der Probezeit ausreichend getestet werden.

-    Mehrere Programme:
Die Digitalisierung der Hörgeräte macht es möglich, verschiedene Situationen des Alltags durch „Programme“ (Frequenzabstimmungen auf verschiedene Hörzustände) zu berücksichtigen: zB Einzelgespräch, Gasthaus, Stadtlärm, Musikhören usw., auf die Sie dann jeweils rasch umschalten können. Bei allen Programmen kann die jeweils empfundene Unbehaglichkeit (Lautverträglichkeit) berücksichtigt und individuell eingestellt  werden. Besonders vorteilhaft ist die bei manchen Geräten vorgesehene  „Zoomfunktion“, womit bei Umlärm das das Sprachverstehen im Einzelgespräch verbessert werden kann. Eventuell kann der Wechsel auf die verschiedenen Programme durch eine Fernbedienung (bei manchen Hörgeräten möglich) erleichtert werden, wenn sich dies mit Taster oder Schalter als zu schwierig erweist, wobei Taster immer schwieriger zu bedienen sind als Schalter.

-    Ein (monaural) oder zwei (stereophon)  Hörgeräte:
Sollten beide Ohren von einer Schwerhörigkeit betroffen sein, ist eine beidseitige Versorgung unbedingt zu empfehlen. Dies wird auch von der Sozialversicherung so verstanden. Das Richtungshören wird dadurch eher möglich. Das Verstehen im Umlärm und Gespräche mit mehreren Personen werden wesentlich verbessert, es müssen zwei Hörgeräte nicht so laut aufdreht werden, wie bei einseitiger Versorgung. Da mit einem Hörgerät Gespräche und Laute meistens schlechter empfunden werden, erleichtern zwei Hörgeräte in den meisten Fällen das Verstehen der Sprache. 

-    Die Induktionsspule:
Beim Kauf von Hörgeräten muss auf das Vorhandensein einer leistungsfähigen IndukTionsspule im eigenen Interesse geachtet werden. Denn immer häufiger werden in öffentlichen Räumen, Geschäften, Informationsstellen, Kulturstätten, Kirchen, Kinos, Ämter und Bildungseinrichtungen „IndukTionsanlagen“ für Schwerhörige  installiert, die ohne diese Voraussetzung nicht genutzt werden können. Solche Anlagen sind im Behindertengleichstellungsgesetz im Sinne der Barrierefreiheit gefordert.
Durch einfaches Umschalten der Hörgeräte auf „T“ (= IndukTion) kann bei Vorträgen, Theater, Veranstaltungen und Auskünften besser und ohne störenden Umlärm verstanden werden. IndukTionsanlagen in privaten Räumen verbessern das Fernsehen und Radiohören, mit indukTiven Halsschleifen kann das Telefonieren mit Festnetztelefonen und Handys  erleichtert werden. IndukTionsanlagen sind bereits in einigen europäischen Ländern standardmäßig vorgeschrieben, auch der Hörgeräteakustiker ist verpflichtet, eine solche Anlage in seinen Verkaufsräumen für Testzwecke installiert zu haben.

-    Funk- und Bluetootverbindung:
Es gibt bereits Hörgeräte, die eine Funk- bzw. Bluetootverbindung direkt vom Hörgerät aus ermöglichen, damit kann man ohne Zusatzgeräte mit dem Handy oder anderen Geräten Verbindung aufnehmen. Darüber sollen beim Akustiker Erkundigungen eingeholt werden und unbedingt ein Test gemacht werden, zumal diese Systeme meist einen „stolzen“ Preis haben.

-    Zusätzliche Hilfsmittel
Hörgeräte allein können nicht in jeder Situation ein optimales Hörergebnis bringen, vor allem dann nicht, wenn es sich um eine höhergradige Schwerhörigkeit handelt. Daher sollten in diesen Fällen Hörgeräte grundsätzlich die Verwendung von zusätzlichen Hilfsmittel ermöglichen, so z.B. IndukTionsschleifen für Telefon und Handys, kleine Funksysteme für Fernsehen, Gruppengespräche und Führungen, Infrarotanlagen für öffentliche Räume und im privaten Bereich, und vieles mehr. Nicht immer lassen sich nämlich schon beim Kauf eines Hörgerätes sämtliche späteren Nutzungen und Bedürfnisse abklären.
Informationen dazu bieten die Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen in den Schwerhörigenvereinen.

Abschließende Bemerkungen:

Die Gewöhnung an Hörgeräte braucht erfahrungsgemäß Zeit, erst nach und nach entsteht die Sicherheit im Umgang. Ein Kommunikationstraining oder Hörtraining ist äußerst empfehlenswert und ist quasi die „Fahrschule“ für Hörgeräte. In der Angewöhnungsphase ist ein stundenweiser Einsatz sinnvoll. Das Ziel muss aber immer die ständige und regelmäßige Benützung der Hörgeräte sein, wird das Hörgerät nur zeitweise und nur in bestimmten Situationen (Besuch, Theater, Fernsehen o.ä.) benützt, kann sich das Gehör nicht richtig gewöhnen und der gewünschte Erfolg ist nur schwierig zu erzielen.
Auftretende Druckstellen durch Ohrpassstücke sollten Sie rasch vom Akustiker abklären lassen, zur Vorbeugung gibt es auch spezielle Salben (z.B. Otoginkutan). Bei auftretenden Entzündungen wenden Sie sich aber sofort an Ihren HNO-Arzt.

Nicht vergessen werden darf die regelmäßige Pflege und Reinigung der Hörgeräte.  Nässe und Feuchtigkeit schaden den Geräten besonders. Ihr Hörgeräteakustiker ist Ihnen bei der Wartung ihrer Hörgeräte behilflich und nimmt auch die notwendigen Prüfungen und Nacheinstellungen der Geräte vor. 

Bei weiteren Fragen und Problemen wenden Sie sich an einschlägige Vereine, Selbsthilfegruppen oder an andere Hörgeräteträger, die ihnen gerne über den Alltag mit Hörgeräten berichten.

 


Zusammenstellung und Bearbeitung: Hans Neuhold
Veröffentlicht in Zusammenarbeit mit der Steiermärkischen Gebietskrankenkasse im Jahr 2011

Österreichische Schwerhörigen Selbsthilfe ÖSSH
Tel: 0681 / 207 470 56
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Homepage: www.oessh.or.at