Hör - Frühförderung
für schwerhörige Kinder

Audiopädagogische Frühförderung und Familienbegleitung


Hört mein Kind gut?

Schwerhörigkeit bei Kindern kommt häufiger vor, als viele Menschen glauben. Vor allem gering und mittelgradige Hörstörungen werden noch immer zu spät erkannt.


Wenn Schwerhörigkeit rechtzeitig erkannt wird, kann dank der modernen Technik und der früh einsetzenden audiopädagogischen Unterstützung sehr viel erreicht werden. Mittels Hörscreenings, welche in Österreich bei Neugeborenen durchgeführt werden, kann ehest möglich eine optimale kindgerechte Diagnostik erfolgen. Diese bildet die Basis für eine interdisziplinäre Zusammenarbeit von Ärzten, Hörgeräteakustikern und Audiopädagogen. Bei vielen Kindern wird eine Schwerhörigkeit oft erst im Kindergarten wahrgenommen, da sie es verstehen, sich in ihrem engsten Umfeld, in der Familie anzupassen und ihr Defizit durch große Aufmerksamkeit auszugleichen. Je früher jedoch die audiopädagogische Betreuung einsetzt und die Hörgeräteversorgung gewährleistet ist, desto besser kann sich das betroffene Kind in seinem Umfeld – zurechtzufinden und mit seiner Umgebung kommunizieren. Oft wird Schwerhörigkeit bei Kindern nicht sofort bemerkt, sondern erst die Folgeerscheinungen daraus wie z. B. mangelnde Aufmerksamkeit und Ausdauer, Konzentrationsschwäche, emotionale Unsicherheit, Gehemmtheit und sozialer Rückzug oder Auffälligkeiten in der Sprache. 

Die Auswirkungen der Schwerhörigkeit werden oft unterschätzt. Es ist zu beachten, dass die Situation eines schwerhörigen Kindes eine völlig andere ist, als die eines schwerhörigen Erwachsenen.

Wie kann man Schwerhörigkeit bei Kindern erkennen?

a) Auffälligkeiten in der Sprache:

Das Kind verwendet manche Laute gar nicht, andere werden falsch gebildet. Davon betroffen können insbesondere die Zischlaute sein;  t / k, d / g, l / n, sowie m / p werden häufig miteinander vertauscht. Diese Fehler können beim Sprechen oder beim älteren Kind auch beim Schreiben auftreten.

- Das Sprechtempo kann zu schnell, zu langsam oder unrhythmisch und monoton sein
- Endungen oder Vorsilben werden weggelassen
- Der Einsatz der Stimme kann besonders laut oder extrem leise sein
- Es kann zu Auslassungen von Wörtern oder Satzteilen kommen, Umstellungen in der Satzstruktur  und mangelnde Beherrschung der Wort- und Satzbildung
- Wort- und Sprachschatz können gegenüber dem hörenden, gleichaltrigen  Kind reduziert sein.
- Das Kind kann dann komplexen Aufforderungen nur folgen, wenn diese situationsbezogen sind; Verstehen der Sprache über Beobachtung einer Handlung. Redewendungen oder Wortspielen kann manchmal nicht gefolgt werden.


b) Auffälligkeiten in der Höraufmerksamkeit:

- Keine Reaktion auf Ansprache von hinten oder häufiges Nachfragen
- Aufträge nicht oder nur ungenau ausführen
- die Schallquelle suchen
- Höreindrücke nicht einordnen können
- Erschrecken in Alltagssituationen

c) Auffälligkeiten im Verhalten:

- Hinweise auf Schwerhörigkeit bei Kindern können sich auch aus dem Verhalten ergeben. Mögliche Folgeerscheinungen einer nicht erkannten Schwerhörigkeit
- emotionale Unsicherheit
- Gehemmtheit und sozialer Rückzug
- Unflexibilität im Kontakt zu anderen Kindern, Ängste
- stark angepasstes  Verhalten (z. B. wenn alle lachen mitlachen) oder total
- unangepasstes Verhalten (z. B. immer im Mittelpunkt stehen wollen).

Arten der Schwerhörigkeit

Schwerhörigkeit ist ein mehr oder weniger eingeschränktes Hörvermögen, das
jedoch das Hören von Sprache und des eigenen Sprechens erlaubt, wenn auch unter Umständen nur mit Hilfe eines Hörgerätes. Wir unterscheiden nach Ort der Schädigung:

Schallleitungsstörung -  eine Beeinträchtigung des Außen- und Mittelohres, Schall- leitungsschwerhörigkeit beruht auf einer Störung der Schallzuleitung. Es kann der Gehörgang, die Beweglichkeit der Knöchelchen im Mittelohr oder die Elastizität des Trommelfells beeinträchtigt sein. Eine (leichte) Schallleitungsschwerhörigkeit ist nicht immer rasch zu erkennen, soll jedoch immer behandelt werden und lässt sich häufig medizinisch deutlich verbessern.

Schallempfindungsstörung - eine Schädigung des Innenohres (der Cochlea), des Hörnervs oder der Hörverarbeitungszentren im Gehirn. Diese beruht auf einer Beeinträchtigung der Haarzellen (Sinneszellen) in der Hörschnecke oder der nachgeordneten Nervenbahnen und Hirnzentren, in denen Höreindrücke wahrgenommen und verarbeitet werden. Bei einer Auditiven Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung (AVWS) ist das Kind trotz guter Hörleistung in der Höraufmerksamkeit beeinträchtigt.

Diagnostik

Ein Hörscreening wird am  2. oder 3. Lebenstag durchgeführt. In Österreich werden heute über 60% aller Neugeborenen untersucht und bei positivem Screeningbefund weiter abgeklärt. Dies erfolgt bei Säuglingen mittels BERA (Brain Electric Respons Audiometrie), bei Kleinkindern in Form der Reflex- und Verhaltensaudiometrie, und etwa ab dem 2. Lebensjahr mittels Spielaudiometrie, also mit Testmethoden, die dem Entwicklungsstand der Kinder angepasst sind. Für eine optimale Anpassung und Einstellung der Hörgeräte sind eine  Messung mittels Tonaudiometrie (im Freifeld, sowie Luft- und Knochenleitung mit Kopfhörern) wichtig. Audiopädagogen  bereiten Kinder in Zusammenarbeit mit deren Eltern auf Untersuchungen und Hörmessungen vor und arbeiten hier eng mit dem Facharzt und Hörgeräteakustiker zusammen.

„Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt“
Ludwig Wittgenstein

Ein weiteres Hörmessverfahren ist die Sprachaudiometrie. Sie stellt mit dem Sprachtest eine wichtige Grundlage für die Anpassung und die Bewertung der Effektivität von Hörgeräten dar.

Die Impedanzmessung mit dem Tympanometer misst die Beweglichkeit des Trommelfells und gibt Aufschluss über mögliche Mittelohrprobleme. Einen weiteren diagnostischen Hinweis auf ein Mittelohrproblem kann der Unterschied in der Messkurve von Luft- und Knochenleitung sein.

Gehörlose Kinder, die in den ersten Lebensjahren mit einem Cochlea Implantat versorgt werden, reagieren in der Regel wie schwerhörige Kinder. Cochlea Implantate kommen zum Tragen, wenn trotz optimaler Hörgeräteversorgung keine Sprachwahrnehmung und –verarbeitung möglich ist.


Die Bedeutung des Hörens für die psychische und physische Entwicklung des Kindes.

Wenn der erste Verdacht auf eine Hörschädigung eines Kindes auftaucht, wird man ehest möglich eine diagnostische Abklärung durchführen. Bestätigt sich der Verdacht, so ist die ärztliche Diagnose oftmals ein Schock für die Eltern. Alle elterlichen Vorstellungen über die Entwicklung des Kindes, die Schullaufbahn, die Berufswahl, scheinen vor dem Hintergrund einer völlig unbekannten Situation plötzlich in Frage gestellt. Gerade in dieser Phase ist es für Eltern wichtig, nicht alleine gelassen zu werden. Der Kontakt zu entsprechenden Beratungsstellen kann Eltern in ihrem Umfeld unterstützen, gibt Informationen und zeigt neue Perspektiven auf.

Am Anfang ging es erst einmal drum die Situation zu verarbeiten. Natürlich haben wir uns viele Fragen gestellt, auf die es keine Antwort gibt. Gerade da hat uns professionelle Hilfe gut getan. Es ist wichtig, dass die Frühförderin uns Eltern Anregungen und Ideen gibt, die wir dann im Alltag umsetzen können.“

Karin SCHERF, Mutter  von Fabio, Valerio und Chiara. Die Tochter ist mit zwei Cochlea-Implantaten versorgt.


Die anfängliche Unsicherheit Eltern schwerhöriger Kinder mündet meist in die zentrale Frage: „Kann mein Kind sprechen lernen, wenn es wenig oder kaum hört?“ Darauf gibt es nur eine Antwort:

Jedes schwerhörige Kind kann Sprache erlernen!

Für den Erwerb der Lautsprache sind die ersten Jahre entscheidend. Deshalb muss Frühförderung schwerhöriger Kinder so rasch wie möglich nach der Diagnose des Hörschadens beginnen. Die Folge eines Hördefizits in früher Kindheit ist nicht nur eine Erschwerung des Spracherwerbs. Schwerhörigkeit kann sich auf die Gesamtentwicklung verzögernd auswirken und Ursache für psychische und soziale Probleme sein.

Schon im Mutterleib nimmt ein Kind Klänge und Geräusche wahr; ab der 24. Schwangerschaftswoche reagiert es bereits auf das Gehörte. Die Reifung und vollständige Ausdifferenzierung der Hörbahnen im Gehirn erfolgt nach der Geburt und wird durch akustische Reize angeregt. Etwa bis zum vierten Lebensmonat entwickeln sich die einzelnen Sinnessysteme isoliert; im Alter von vier bis sechs Monaten steigt der Einfluss des Hörsinns auf die Sinnesentwicklung und Sprachentwicklung. Kinder nehmen ihre eigene Stimme bewusst wahr und beginnen, mit der Sprache zu spielen. Ist der Hörsinn beeinträchtigt, verlieren Kinder die Neugierde, Laute auszuprobieren und „verstummen“ in der zweiten Hälfte des ersten Lebensjahres bzw. reduzieren ihre Lautproduktionen. Alle Mütter reden mit ihren Babys. Diese Botschaften sind für das frühe soziale Lernen und die Persönlichkeitsentwicklung von großer Bedeutung.

Verstärkter Zuspruch und bewusste Teilhabe am Alltag sind für schwerhörige Kinder ein wichtiger Ausgleich. Der Weg eines schwerhörigen Kindes ist in vielerlei Hinsicht eine große Herausforderung für das Kind selbst und dessen Familie. Es steht in einer ständigen Anforderung, was Hörleistung, sprachlicher Ausdruck, soziale Rollenfindung und Selbstbehauptung betrifft. 


Wie lernen Kinder sprechen?

Was fördert die Sprachentwicklung bei (schwerhörigen) Kindern?

Der Prozess der Sprachaufnahme und –verarbeitung läuft im allgemeinen so mühelos ab, dass wir uns kaum Gedanken darüber machen. Spracherkennung ist eine Leistung des ausgereiften Gehirnes. Diese Detailausreifung braucht einerseits externe Reize, und anderseits die intakte Verarbeitungsleistung. Grundlagen der gesprochenen Sprache sind deren Phonologie (Laute unserer Sprache), Semantik (Wortbedeutung) und Syntax (Satzbau). Das Neugeborene nimmt bereits prosodische Elemente (Sprachmelodie) der mütterlichen Sprache auf. Später, um das vierte Lebensjahr  bilden sich semantische Strukturen heraus. Die Syntax festigt sich überhaupt erst um das 15. Lebensjahr.  Kinder entdecken Sprachstrukturen und bauen so Sprache auf.

Die Sprachentwicklung gilt in der Zeit vom vierten bis zum siebenten Lebensjahr als abgeschlossen. Es ist Aufgabe der hörenden Mitwelt, schwerhörigen Kindern auch danach durch reiches Angebot Sprache zu erhalten und weiter auszubauen.

Förderliche Rahmenbedingungen für den Spracherwerb sind zusätzlich zu einem guten Sprachvorbild und einem differenzierten Sprachangebot:
-    alltägliche Handlungen sprachlich begleiten
-    Sprechfreude erhalten und fördern
-    aufmerksames Hinhören, was das Kind sagen möchte
-    Kontakt zu gleichaltrigen Kindern
-    Rückmeldung geben („korrektives Feedback“) Wenn das Kind zum Beispiel sagt: „Macht Metterhint da?“ antwortet die Mutter: „Ja, schauen wir, was der Schmetterling da macht.“
-    Gesprächssituationen aufgreifen und nützen
-    Einsatz von Reimen, Fingerspielen und Liedern


Wo finden schwerhörige Kinder und deren Eltern Unterstützung?

-    bei HNO Ärzten und an HNO Abteilungen in Krankenhäusern
-    in Beratungsstellen an denen Audiopädagogische Frühförderung und Familienbegleitung angeboten werden
-    in Selbsthilfegruppen anderen Elterninitiativen
-    bei Diplomierten Logopäden mit dem Schwerpunkt Hörschädigung

„Hörbehinderung trennt vom Menschen, Frühförderung öffnet die Tür zum Menschen“

Dir. Johannes Mathis, Leiter des Landeszentrums für Hörgeschädigte, Vorarlberg


Audiopädagogische Frühförderung und Familienbegleitung

- richtet sich an schwerhörige Kinder und deren Eltern
- an Kinder, die mit einem Cochlea Implantat versorgt sind
- bei Bedarf an Tagesmütter und Kindergartenpädagoginnen
- im Übergang zur Schule an Lehrer und Direktoren.

Prinzipien einer audiopädagogischer Frühförderung und Familienbegleitung sind Frühzeitigkeit, ganzheitliche Entwicklungsförderung, Familiennähe und Interdisziplinarität. Audiopädagogische Frühförderung und Familienbegleitung arbeitet in einem Netzwerk von Feldkompetenz (Eltern, Selbsthilfegruppen) und Fachkompetenz (Audiopädagogische Frühförderung, Logopädie, Psychologie, Hörgeräteakustik, HNO-Facharzt). Durch Bereitstellung fachlicher Qualität soll die Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft für schwerhörige Kinder und deren Eltern verbessert werden. Eltern und Kinder brauchen früheste Unterstützung, damit der Alltag gelingt.

Ziel ist Integration und Inklusion in allen Lebensbereichen.
Kindliche Entwicklung findet in einem komplexen Sozialisationsfeld mit vielfältigen Wirkfaktoren statt. Das Kind hat aktiven Anteil an der Entfaltung und Gestaltung seiner Möglichkeiten. Das schwerhörige Kind soll von Anfang an Möglichkeiten erhalten, Formen der Kommunikation wahrzunehmen und zu entwickeln. In der Zusammenarbeit mit den Eltern ist Transparenz und Wertschätzung unterschiedlicher Sichtweisen Grundlage für konstruktives Miteinander.

Dieses wechselseitige Zusammenwirken, das dialogische Prinzip ist Ziel und Methode in der Arbeit mit hörgeschädigten Kindern.

Kinder erleben und entdecken in der Kommunikation, in den Hör-Sprachspielen eine Sprachstruktur und, dass es eine akustische Welt gibt. Daraus entsteht die Erfahrung, dass (Sprach)Geräusche nicht zufällig geschehen, sondern eine Bedeutung haben. In der Folge entdecken sie, dass man mit gesprochener Sprache etwas bewirken kann. 

Der Dialog ist Ziel und Methode in der Arbeit mit hörgeschädigten Kindern:

Anfangs sprechen Eltern in einer Art „Doppelrolle“ für das Kind und für sich. Sie fangen Sprachäußerungen des Kindes auf und geben Antwort. Das ermöglicht dem Kind in einen „Handlungsdialog“ einzutreten. Können solche Handlungsdialoge im Alltag genützt werden, ergibt sich daraus die sicherste Grundlage für die auditiv-verbale Förderung schwerhöriger Kinder.

Hörerziehung und Hörtraining sind wichtig, um aus dem Hörgerät oder dem CI ein „Verstehgerät“ werden zu lassen. Höreindrücke ergeben sich im Alltag. Nur wenn das Kind Gewinn aus seinen optimal angepassten Hörgeräten zieht, wird es diese mit Freude nutzen. Das gleiche gilt für die Versorgung mit einem Cochlea Implantat. So steht im Zentrum der auditiv-verbalen Förderung immer die Entwicklung eines Hörbewusstseins.

Als sprachfördernde Spiele sind alle Spielformen zu bezeichnen, die Sprachanlässe spielerisch nutzen. Das beginnt beim einjährigen Kind mit dem Benennen der Gegenstände und Handlungsabläufe des täglichen Lebens, setzt sich fort in einfachen Anweisungen, Versteck- und Ordnungsspielen. Genauso lassen sich viele im Handel erhältliche Regelspiele mit etwas Phantasie in sprachfördernde Spiele umfunktionieren. Besondere Bedeutung für die Sprachförderung haben problemlösende Alltags-geschehnisse. 

Diese Alltagsgeschehnisse sind u. a.  Inhalt des Erlebnis- oder Tagebuches, in dem Eltern  die scheinbar unwichtigen alltäglichen Erlebnisse ihres Kindes festhalten. In diesem persönlichen „Bilderbuch“ finden sich Reaktionen des Kindes in unterschiedlichsten Situationen; dazu werden Sprachstrukturen, der Inhalt eines kleinen Gespräches notiert.

Das Kind wird mit Hilfe des Tagebuchblattes zum gleichwertigen Gesprächspartner. Es kann zeigen und  ausdrücken, worum es geht.
In weiterer Folge weckt das Erlebnisbuch die Neugierde auf die Schrift. So erfolgt der Einstieg ins Lesen mittels des Erlebnisbuches, anhand persönlicher Ereignisse und das Erlebnisbuch wird zum ersten Lesebuch des Kindes.
Im Rollenspiel wird das dialogische Prinzip in spielerischer Form aufgegriffen und in vielfältiger Weise umgesetzt. Dazu eignen sich vor allem das Puppenhaus, Playmobil, szenisches Material wie Verkleidungskiste, der Kaufmannsladen u. v. m. Genauso wie mit dem Erlebnisbuch können Situationen vorbereitet oder Erlebtes vertieft werden.

Funktionelle Übungen, wie sie aus der Sprachheilpädagogik und Logopädie bekannt sind, dienen der Übung der „Sprechwerkzeuge. Da der Sprechvorgang als gesamtkörperliches Geschehen zu sehen ist, ergänzen sensomotorische Förderung        und Artikulation einander.

Rhythmisch-musikalische Angebote gehen u. a. auf die Bedeutung der Prosodie im Sprechen ein. Auch schwerhörige Kinder singen gerne.

Sprache ist mehr als  reden können, über einen angemessenen
Wortschatz verfügen, grammatikalische Regeln zu verstehen,
Inhalte weiterzugeben. Wenn Kinder Sprache als Instrument
entdecken, erfahren sie,   was sie alles verstehen, wenn sie
Sprache verstehen.“

Heidi HELDSTAB-NEF, Logopädin, Audiopädagogin


Gebärdensprache / Bilingualität
Die Mehrzahl der Eltern hörgeschädigter Kinder sind hörend und wünschen sich eine möglichst gute soziale Integration in die Familie und deren Umfeld (Freundeskreis, Kindergarten, Schule, etc.). Anders ist es bei Eltern, die in der Gehörlosen-gemeinschaft verwurzelt sind. Sie vermitteln ihrem Kind die Gebärdensprache als „Muttersprache“ und  wollen, dass ihr Kind die Lautsprache zusätzlich erwirbt. Ziel soll immer eine möglichst altersgemäße Kommunikationsfähigkeit sein.

Audiopädagogen begleiten gehörlose und hörende Eltern in ihrem Bemühen, die Entwicklung ihrer Kinder optimal zu unterstützen und zu fördern.

Der Schlüssel zur Bildung ist für alle Kinder und Jugendlichen der Erwerb der Schriftsprache. Grundvoraussetzung dafür ist eine Sprache, reich an Begriffen, im Dialog entwickelt und lebendig im kommunikativen Umgang. Erst damit steht der Zugang zu zeitgemäßen Informationsquellen offen.

Audiopädagogen sind „Kommunikationsfachleute“, die Kinder im Erschließen eines Sprachsystems unterstützen und die Eltern, Kindergartenpädagogen und andere Partner anleiten in der Förderung und Begleitung schwerhöriger Kinder.

Damit der Paragraph 7 der Österreichischen Bundesverfassung Verwirklichung findet:
Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden (§ 7 B-VG, 1997).


Redaktion und Bearbeitung:
Christine Kiffmann-Duller, Sonderkindergartenpädagogin, Audiopädagogische Frühförderin und Supervisorin, Steiermark
Andrea Meyer, Sonderkindergartenpädagogin, Audiopädagogische Frühförderin,  Leiterin  der  OHTB, Frühförderstelle, Wien
Gabriela Toth, Sonderkindergartenpädagogin, mit Schwerpunkt  Hörbehinderung, Wien

Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung der Verfasser
im Jahre 2011   

Österreichische Schwerhörigen Selbsthilfe ÖSSH
Tel: 0681 / 207 470 56
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