Ich höre nicht mehr gut
Hören und Schwerhörigkeit


Hören ist so wichtig

Was ist rund um die Uhr im Einsatz und reagiert auf die kleinsten Reize?
Die Rede ist von unserem Gehör. Obwohl unser Ohr ein wahres Wunderwerk ist, wird seine enorme Bedeutung noch immer und häufig unterschätzt. Hören ist die Gabe, mitten im Leben zu stehen, unser Gehör ist unsere Orientierung in vielen Bereichen, Hören bedeutet sich wohl fühlen, heißt eingebunden zu sein in der Vielfalt der Töne und Geräusche, die uns ständig umgeben und ohne die wir uns einsam und abgekapselt fühlen würden, zB. eine leise Musik im Hintergrund, das Zwitschern der Vögel, der Wind in den Bäumen, das Rauschen eines Baches, das Knirschen des Sandes, das Brutzeln des Speisen am Herd, das Gespräch der Menschen, das Fahren der Autos, die wichtige Durchsage am Bahnhof, der Klang der Schritte, das Weinen des Babys… Das Ohr lässt uns Stimmungen erfahren, die uns in jeder Weise emotional beeinflussen

Unser Gehör hat viele Funktionen: es alarmiert und warnt uns, es informiert uns ständig darüber, was um uns vorgeht, es bereitet uns vielfach Freude, es hilft uns aber vor allem mit den Menschen zu kommunizieren, es ermöglicht erst unser Sprache und damit die geistige und soziale Entwicklung von Kindheit an und aktiviert nachgewiesenermaßen unsere Gehirntätigkeit

Das OHR ist das leistungsfähigste unserer Sinne

Wir alle brauchen Geräusche und Töne, ob wir sie lieben oder nicht, ob wir sie hören oder nicht.
Und wie viele Probleme unseres Lebens sind letztlich Kommunikationsprobleme, weil das Hinhören nicht gelingt und die Sprache nicht im gewünschten Sinne ankommt

DAHER bringt uns Schwerhörigkeit an die Grenzen, denn es

  • erschwert die Verbindung zwischen Menschen, isoliert und macht einsam
  • lässt wichtige Informationen verschwinden
  • ist zwar unsichtbar, aber immer spür- und erlebbar
  • macht Zuhören zur Anstrengung und ermüdet
  • ist oftmals ein schleichender Prozess und wird zu spät wahr genommen
  • bedeutet kein „leises Hören“ sondern eine Störung im Innenohr
  • wird von den guthörenden Menschen nicht verstanden weil es kaum nachvollziehbar ist
  • bringt Einschränkungen im Beruf mit sich, grenzt aus dem Geschehen aus
  • schränkt selbstverständliche Gespräche mittels Telefon ein 
  • verhindert die Teilnahme an kulturellen Ereignissen 
  • mindert das Selbstwertgefühl, und verunsichert das tägliche Erleben
  • heißt „nicht mehr zu verstehen“ was für andere selbstverständlich ist


Wenn Sie bemerken…

  • dass Sie Nebengeräusche stören und das Verstehen erschweren
  • dass Sie öfter bei Gesprächen nachfragen müssen und Vorträge nur teilweise verstehen
  • dass Sie ihren Fernseher und Radio lauter einstellen müssen
  • dass Sie nicht wahrnehmen, wenn Sie von hinten oder seitlich angesprochen werden
  • dass Sie bei einer Feier oder im Restaurant nur schwer einem Gespräch folgen können
  • dass Sie bei Telefongesprächen nicht mehr alles verstehen

dann vermuten Sie vielleicht…

  • dass Sie ohnehin noch gut hören, auch wenn Sie nicht mehr alles verstehen
  • dass bloß die anderen undeutlich sprechen
  • dass mehr Lautstärke das Problem schon lösen wird
  • dass Sie noch lange nicht so schlecht hören, um ein Hörgerät zu verwenden
  • dass Hörgeräte Ihr Aussehen stören und keinen wirklichen Erfolg bringen
  • dass Sie noch lange nicht so alt sind, um als schwerhörig angesehen zu werden
  • dass Schwerhörigkeit ja eigentlich nur Ihr persönliches Problem ist und die Aussage stimmt: „Sei froh, dass du nicht alles hörst“

vergessen aber …

  • dass Sie kein Einzelfall sind, ca. 1,3 Millionen Menschen in Österreich leiden unter Schwerhörigkeit, bei den über 60jährigen ist bereits jeder Dritte davon betroffen
  • dass Hören und Verstehen zu den wichtigsten Bereichen des menschlichen Lebens zählen und eine Gemeinschaft erst ermöglicht
  • dass eine Schwerhörigkeit auch ihre Umgebung hilflos und ratlos macht und der Kontakt mit  Ihnen vielleicht zunehmend vermieden wird
  • dass falsche Antworten aufgrund von Hörfehlern zwar lächerlich klingen, aber andere vielleicht an Ihren geistigen Fähigkeiten zweifeln lassen
  • dass eine schleichende Hörverminderung Ihre Lebensqualität eines Tages so stark beeinträchtigen kann, dass erforderliche Maßnahmen (wie ein Hörgerät) zu spät sein könnten
  • dass bei einem höhergradigen Hörverlust auch die Sprachfähigkeit langsam abnimmt und so der Kontakt zu Ihren Mitmenschen auch von ihrer Seite aus immer schwieriger wird
  • dass Schwerhörigkeit in den meisten Fällen nicht bloß ein leiseres, sondern ein frequenzgestörtes Hören bedeutet. Lautstärke allein also letztlich keine Hilfe bedeutet!
  • dass ein Hörgerät zwar die Schwerhörigkeit nicht aufheben kann, aber bei guter Einstellung eine wesentliche Hilfe im Alltag darstellt
  • dass ein Umgang mit Hörgeräten nicht von vornherein funktioniert, daher immer gelernt und geübt werden muss, ebenso verschiedene Methoden für den Umgang in der „hörenden“ Welt (Hörtaktik)
  • dass es heute ein Vielzahl von zusätzlichen Hörhilfsmitteln (für Telefon, TV, Gruppengespräche usw.) sowie auch spezielle Höranlagen für öffentliche und private Räume gibt
  • dass nur in einer gelingenden Kommunikation – und hier vorwiegend mittels Sprache – sich der Mensch sich als anerkannter Partner erlebt

    So hört ein schwerhöriger Mensch!


BILD

Die Graphik versucht darzustellen, dass die Schwerhörigkeit ein gebrochenes und zerstückeltes Hören bedeutet und damit eine hohe Anstrengung im Verstehen. Wörter und Sätze müssen durch Kombinieren, Sinnzusammenhänge, Mund-Absehen usw. oder durch ständiges Nachfragen ergänzt werden. Und dennoch besteht nie keine Sicherheit „richtig“ gehört und verstanden zu haben.
Nicht Sehen können heißt, die Menschen von den Dingen trennen,
nicht Hören können heißt, die Menschen von den Menschen trennen“
(Helen Keller – selbst taubblind)

Sie selbst sind gefordert:

  • Scheuen Sie sich nicht, sich selbst und ihrer Umgebung ihr vermindertes Hören und Verstehen einzugestehen, jedes Verschweigen schadet Ihnen selbst
  • „Wer schnell hilft, hilft doppelt“ lautet ein Spruch, bei Ihrem Gehör gilt das ebenso: Je rascher sie etwas unternehmen, desto eher ist eine Hilfe möglich
  • Hilfe sollten Sie aber nicht bloß von anderen erwarten, sie selbst müssen den ersten Schritt setzen. Das ist Selbsthilfe.
  • Lassen Sie von einem HNO-Facharzt ihr Gehör überprüfen, nur er kann feststellen, wo die Ursachen liegen
  • Sollte er Ihnen ein Hörgerät empfehlen, zögern sie nicht mit dem Gang zum Hörgeräteakustiker, beginnen sie verschiedene Geräte zu testen
  • Alles will gelernt sein: Auch der Umgang mit den Hörgeräten! Wenden sie sich an  Beratungsstellen der Schwerhörigenvereine, dort werden Ihnen Betroffene selbst behilflich sein und mit Ihnen Fragen eines Hörtrainings und einer Rehabilitation erörtern
  • Selbst mit Hörgeräten wird nicht alles möglich sein, daher muss jeder Betroffene selbst Lösungen kennen, finden und entwickeln, um in seiner Umgebung mithalten zu können
  • Für Hörgeräteträger gibt es zusätzlich viele technische Hilfen, fürs Telefon und Fernsehen, bei Vorträgen und Theater, für gesellige Runden und Treffen. Fragen sie in den Beratungsstellen der Schwerhörigenvereine danach, dort können sie in Ruhe solche Zusatzgeräte gratis testen.

Zusammenstellung und Bearbeitung: Hans Neuhold im Jahr 2011

Österreichische Schwerhörigen Selbsthilfe ÖSSH
Tel: 0681 / 207 470 56
Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! 
Homepage: www.oessh.or.at