Wissenswertes über ein Cochlea-Implantat (CI)
für Betroffene und Angehörige



Hören ist ein Wesensteil unseres Lebens, es bedeutet Lebensqualität, schafft und erhält Beziehungen, fördert die Entwicklung, begünstigt die Aktivität und lässt im Hinhören, Zuhören und Angesprochenwerden den Menschen als Partner und Persönlichkeit reifen.

Doch Schwerhörigkeit nimmt weltweit zu:
Für viele hochgradig Schwerhörige bzw. Menschen, die an Taubheit grenzend schwerhörig sind und mit Hörgeräten kein oder nur ein mangelndes Sprachverständnis erzielen oder gar zur Gänze ertaubt sind, ergeben sich zwangsläufig Fragen in Richtung neuer Möglichkeiten des Hörens.

Ein Cochlea-Implantat gibt vielen hörgeschädigten Menschen berechtigter Weise Hoffnung. Manchmal wird das Cochlea-Implantat in Artikeln und Presseberichten als „Wunderwerk“ angepriesen und es entsteht der Eindruck, nach einer solchen Operation seien alle Probleme gelöst und die Schwerhörigkeit endgültig besiegt. Hier sollte man der Ehrlichkeit willen aber etwas besser differenzieren. 

Mit folgenden Hinweisen möchten wir ein wenig zur Objektivität beitragen, Hintergründe aufzeigen und Kriterien für eine persönliche Entscheidung anbieten:

I.    Was ist ein Cochlea-Implantat ( kurz:CI ) und wie funktioniert es:

Geschichtlicher Überblick
Die Technologie der Cochlea-Implantate wurde 1978 von Professor Graeme Clark von der Universität Melbourne eingeführt – eine bahnbrechende Neuerung auf dem Gebiet der Medizintechnik. Damit verwirklichte Clark seinen Kindheitstraum, tauben Menschen, wie seinem Vater, das Hören zu ermöglichen. Als Erfinder und Entwickler des weltweit ersten mehrkanaligen Implantats wird Clark auch als Vater der Cochlea-Implantate bezeichnet.  

Ein Cochlea-Implantat ist ein hochtechnologisches medizinisches Gerät, eine mehrteilige "Innenohrprothese", es übernimmt die ausgefallenen Funktionen des Innenohres, indem es elektrische Reize direkt an den Hörnerv bringt und so die Störung bzw. Unterbrechung der Weiterleitung überbrückt  Es ermöglicht somit tauben und hochgradig schwerhörigen Menschen, akustische Signale wahrzunehmen.
Ein Cochlear-Implantat-System besteht aus folgenden Komponenten:

a) Äußere Teile: Sprache und Umgebungsgeräusche werden von dem Mikrofon aufgenommen und im Sprachprozessor (meist ähnlich einem HdO-Gerät) weiterverarbeitet. Der Sprachprozessor filtert, analysiert und digitalisiert den Ton und erzeugt kodierte Signale. Diese werden vom Sprachprozessor über die Sendespule (für deren korrekten Sitz sorgt ein Magnet) als Hochfrequenz - Signal an das unter der Haut befindliche Cochlea-Implantat übertragen.

b) Interne Teile: Das Implantat hat meist eine flexible Silikonverkappung mit Titangehäuse (kleinere Unterschiede bestehen je nach Hersteller) und wird am Hinterkopf im Schädelknochen operativ verankert. Es reizt über Stromimpulse auf seinen Elektroden die verschiedenen Bereiche des Hörnervs in der Cochlea und erzeugt somit einen Höreindruck. Die Elektroden sind über die Länge der Cochlea (Innenohr) verteilt.

c) Sprachkodierungsstrategien: Diese steuern die digitale Verarbeitung von Umgebungsgeräuschen und Sprache. Verschiedene Strategien betonen unterschiedliche Tonhöhen, Lautstärken und Zeitverläufe. CI-Träger zeigen ein verbessertes Sprachverständnis und begrüßen die hohe Klangqualität bei Verwendung einer auf ihre jeweiligen Bedürfnisse zugeschnittenen Sprachkodierungsstrategie.

Hatten Sprachprozessoren (kurz: SP) früher das Format einer Zigarettenschachtel und wurden am Körper getragen, so sind diese heute als Hinter-dem-Ohr–Geräte wesentlich kleiner und ähneln eine etwas größerem Hörgerät. Der SP kann entweder durch 675-Batterien (Zink-Luft) oder auch mit Akkus (Lithium-Ionen) betrieben werden. 


II.    Es gibt verschiedene Hersteller, Produkte und CI-Systeme

In den uns bekannten Kliniken werden Cochlea-Implant-Systeme folgender drei Hersteller eingesetzt (in alphabetischer Reihenfolge):

Die Entscheidung für ein bestimmtes Produkt ist schwierig, da man als Laie die wirklichen technischen Unterschiede der verwendeten Produkte kaum nachvollziehen kann.
Die Forschung befasst sich zwar mit der Ermittlung von Kriterien, für welchen Patienten welche Implantate bzw. Sprachkodierungsstrategien geeignet sind. Die Ergebnisse sind nicht immer nachvollziehbar und es ist daher zu empfehlen, sich im Zweifelsfall von mehreren Kliniken, die jeweils bestimmte Implantate (siehe Firmen) verwenden, beraten zu lassen.

Wesentlich für eine Entscheidung können auch folgende Kriterien sein:

  • Gibt es in der jeweiligen Klinik umfassende Erläuterungen über die Funktionen und Verwendung eines CI und ein ausreichendes Angebot über Rehabilitationsmaßnahmen (Logopädie, usw.). Wird ein mehrwöchiger Rehabilitationsaufenthalt  seitens der Ärzteschaft befürwortet?
  • Ist eine optimale Nachversorgung, z.B. Erreichbarkeit der jeweiligen Klinik wegen der erforderlichen Nacheinstellungen gewährleistet?
  • Wer (Firma, Händler, Zentrale…) ist für eine rasche Reparatur und dem Ersatz der Sprachprozessoren, Spulen und Kabel bei Ausfällen, usw. zuständig ?
  • Sind die Sprachprozessoren mit zusätzlichen Hilfen ausgestattet, wie z.B. Verwendung einer Induktionsspule, externes Mikrofon? Können verschiedene Zusatzgeräte (für Telefon, Handy, Fernsehen, Vorträge usw.) durch aufsteckbare Adapter (kabellos) oder mittels Kabel genutzt werden?
  • Wie ist die einfach ist Bedienung des Sprachprozessors (Stecker, Schalter, Tasten, Wechsel der Batterien und Akkus..) ?
  • Wie ist der Tragekomfort und Sitz des Sprachprozessors und die Haltbarkeit der Kabel und Anschlüsse ?
  • Welche Erfahrungen bestehen über den Batterieverbrauch (dieser ist aber immer auch in Relation zur jeweiligen Einstellung und Benützungszeit zu sehen)? Besteht die Möglichkeit Akkus zu verwenden? Derzeit werden in Österreich (zum Unterschied von Deutschland) die Kosten für Batterien nicht von den Sozialversicherungen übernommen. (Zusatzinformation: Ein Großteil des Batterieverbrauchs – ca. 70% - ist auf das Senden von der Spule durch die Kopfhaut zum Implantat zurückzuführen und diese kann unterschiedlich dick sein)

Diese Kriterien sollten trotz individueller Unterschiede in Gesprächen mit CI -Trägern der verschiedener Systeme erörtert werden. Wenden Sie sich an Beratungsstellen, die Ihnen gerne firmenunabhängige Auskünfte geben bzw. verschiedene CI-Träger und Selbsthilfegruppen vermitteln.

Neue Produkte für spezielle Formen der Schwerhörigkeit:

Bei vielen Menschen entwickelt sich eine Form von Hörverlust, den man als partiellen Hörverlust bezeichnet, d.h. ein leichter bis mittlerer Hörverlust bei tiefen Frequenzen, der zu einem völligen Hörverlust bei höheren Frequenzen abfällt. 
Für diese Personen bieten Hörgeräte oft unbefriedigende Ergebnisse im Sprachverständnis oder beim Hören von Musik. Herkömmliche Cochlea-Implantatsysteme sind ebenfalls nicht die beste Lösung, da die Betroffenen mit CI ihr natürliches Restgehör im Tieftonbereich
nicht nutzen können.

Sowohl das EAS™ Hörimplantatsystem (Elektrisch Akustische Stimulation, Gerät Duet) der Firma MED-EL als auch das Cochlear™Hybrid™System der Firma Cochlear bieten dabei neue Möglichkeiten an.
Dabei wird beim jeweiligen Ohr sowohl ein Cochlear-Implantat mit einer verkürzten Elektrode zu Versorgung des Hochtonbereichs eingesetzt, kombiniert mit einem Hörgerät, das die tieferen Töne entsprechend verstärkt.

Inwieweit der Einsatz solcher Geräte für den Betroffenen in Frage kommt, sollte ausreichend mit der jeweiligen Klinik und des Chirurgen besprochen werden.
Soweit wir informiert wurden, können diese Systeme auch nach einem späteren Verlust des Tieftonbereiches genutzt werden, in diesem Fall werden dann die Elektroden des Implantates entsprechend umprogrammiert. 

III.    Wann soll operiert werden?

Ein CI wird empfohlen, wenn eine hochgradige Schwerhörigkeit vorliegt (heute bereits ab 80 dB Hörverlust) und der Betroffene mit Hörgeräten kein ausreichendes Sprachverständnis mehr erzielen kann, bzw. der Betroffene bereits einseitig oder beidseitig.

In diesen Fällen ist die Weiterleitung der Schallreize an den Hörnerv stark gestört oder unterbrochen und es ergeben sich enorme kommunikative Probleme in beruflicher und privater Hinsicht, ebenso im Bezug der eigenen sprachlichen  Ausdrucksfähigkeit. Eine Isolation beginnt.    

Bei spätertaubten Menschen gilt, dass eine Verbesserung eher zu erwarten ist, je kürzer die Zeit zwischen Ertaubung (oder an Taubheit grenzender Schwerhörigkeit)  und Implantation ist.


IV.    Vorgangsweise

Um die Möglichkeit und Sinnhaftigkeit einer Implantation grundsätzlich festzustellen, sollte man sich nach einem Gespräch mit dem HNO-Arzt unbedingt an eine der durchführenden Kliniken in Österreich wenden und eine Voruntersuchung beantragen:

  • AKH-Wien, HNO-Abteilung
  • Graz: HNO-Klinik des LKH
  • Graz: HNO-Abteilung der Elisabethinen
  • Salzburg: HNO-Abteilung des LKH
  • St.Pölten: HNO-Abteilung am LKH
  • Innsbruck: HNO-Abteilung
  • Feldkirch/Vorarlberg: HNO Abteilung des LKH
  • Klagenfurt: HNO-Abteilung am LKH
  • Wels: HNO-Klinikum
  • Linz: HNO-Abteilung am AKH
  • Linz: HNO-Abt.des KH Barmherzige Schwestern

Diese Liste entspricht unserem derzeitigen Wissensstand.

Zu einer Voruntersuchung gehören: eingehende Hörtests (mit und ohne Hörgeräte), Medizinische Untersuchungen (inwieweit der Hörnerv intakt ist), Computertomographie, Einschätzung der Sprachfähigkeit. Diese Untersuchungen erfolgen durch Audiologen, Chirurgen und Logopäden. Unter Umständen können Untersuchungen durch weitere Experten z.B. Psychologen, Radiologen notwendig sein, ebenso Mediziner wegen allfälliger Operationsrisiken. Hauptziel einer Voruntersuchung ist es, möglichst viele Informationen für eine persönliche Entscheidung zu erhalten, denn eine solche ist die prinzipielle Voraussetzung für eine Operation.

Nochmals: Sinnvoll vor einer Entscheidung sind Gespräche mit Betroffenen, die eine solche Implantation bereits hinter sich haben, z.B. in bestehenden CI-Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen. Zu bedenken ist aber auch dabei, dass eine CI-Implantation bei verschiedenen Menschen nicht immer zum selben Ergebnis führt.

Impfungen:

Eine Reihe von Kliniken empfehlen derzeit im Zuge einer CI-Implantation folgende Impfungen:

- Streptococcus pneumoniae („Pneumokokken“)
- Haemophilus influenza Typ B

Verlangen sie diesbezüglich eine genaue Auskunft von der jeweiligen Klinik bzw. besprechen sie dies mit Ihrem Operateur oder Hausarzt. Aufgrund unserer bisherigen Erfahrungen werden die Kosten für diese Impfungen teilweise von den Sozialversicherungen übernommen. Auf jeden Fall sollte vor der Impfung (vonseiten des Arztes) ein Antrag bezüglich Kostenübernahme an den Chefarzt gestellt werden, in dem auf die Notwendigkeit der Impfung hingewiesen wird. .


V.    Die Operation

Die Operation selbst dauert in der Regel 2 – 3 Stunden unter Vollnarkose, durchschnittlich sind  weitere  3 - 4 Tage Aufenthalt in der Klinik notwendig.
Dem Einwand, dass eine solche Operation nicht mehr rückgängig gemacht werden kann, ist entgegenzuhalten, dass dies auch bei vielen anderen Operationen nicht der Fall ist. Positiv kann vermerkt werden, dass Komplikationen bisher äußerst selten waren und sich zudem die Chirurgie bezüglich OP-Methoden ständig verbessert.

Bisher wird bei Erwachsenen vorerst nur einseitig (also ein Ohr)  operiert. Das hat zur Folge, dass räumliches Hören, Richtungshören und die Verständlichkeit im Störgeräusch nicht optimal erreicht werden kann. Da aber jeder gesunde Mensch für ein ausreichendes Hören ebenso zwei Ohren braucht, beantragen heute immer mehr Betroffene nach einer ersten Eingewöhnungszeit eine Operation auf dem zweiten Ohr. Die Erfahrungen mit einer beidseitigen (bilateralen) CI-Versorgung bei Erwachsenen sind generell äußerst positiv, sehr viele können damit wieder zur Zufriedenheit ihren Beruf ausüben, telefonieren und an Gruppengesprächen teilnehmen.
Bei Kindern wird heute ohnehin schon in einer Operation eine beidseitige Versorgung durchgeführt, um den Spracherwerb zu optimieren.  

Was geschieht nach einer CI-Versorgung?

Nach der Wundheilung erfolgt die Erstanpassung des Sprachprozessors durch einen Audiologen der jeweiligen Klinik unter konzentrierter Beteiligung des Betroffenen. Es gilt die jeweils besten Strategien einer Sprachkodierung des Prozessors in umfangreichen Messungen herauszufinden und zu programmieren. .
Die ersten Höreindrücke sind unterschiedlich und jeder empfindet das neue Hören anders, immer aber ist es ein aufregendes Erlebnis.

Mit der ersten Einstellung ist es nicht getan, in zeitlichen Abständen wird der Sprachprozessor den Veränderungen der Hörempfindungen angepasst, da sich das Hören mit dem CI immer erst langsam entwickelt. Dies bedeutet  zwar einen großen Zeit- und Energieaufwand, aber dieser lohnt sich zumeist in vielen Verbesserungen. 
Es liegt immer am Betroffenen zu lernen, die neuen Hörwahrnehmungen zu interpretieren und mit dem neuen Gerät umzugehen. Damit beginnt das persönliche Training.
Ein besseres Hören und Verstehen liegt auch nach einer gelungenen Operation zum Gutteil am Betroffenen selbst. Es ist in der Regel viel Mühe und Training im Alltag und gegebenenfalls mit speziellen Übungen erforderlich, um ein immer besser werdendes  Sprachverständnis zu entwickeln und die Vielzahl der Höreindrücke zu verarbeiten.  

Sinnvoll ist es, nach der Erstanpassung des Sprachprozessors die Hilfe einer Logopädie in Anspruch zu nehmen, zusätzlich kann man selbst mit diversen Hörübungen mittels CD’s sein Hör- und Sprachvermögen trainieren. Solche Hilfen biete verschiedene Beratungsstellen.

Eine mehrwöchige Rehabilitation in einer der speziellen Kliniken in Deutschland (in Österreich gibt es eine solche nicht) ist grundsätzlich zu empfehlen, auch wenn dies noch immer nicht von manchen Chirurgen und Kliniken für notwendig erachtet wird. Die persönliche Erfahrung vieler CI-Träger spricht aber eine andere Sprache, zumal die beste Operation eine schrittweise Gewöhnung an dieses neue Hören und die Akzeptanz der bleibenden Behinderung nicht ersetzen kann.

Jeder CI-Träger bleibt bis zu einem gewissen Grad ein schwerhöriger Mensch, weil keine noch so ausgeklügelte Technik ein gesundes Gehör ersetzen kann, außerdem ist dieses neue Hören ausschließlich durch Technik sichergestellt (Sprachprozessoren sind hochwertige Computer, an denen man selbst nichts verändern kann). Das implantierte Ohr muss dazu noch auf eine Reihe „eingebauter Hilfsmittel“ – wie bei einem gesunden Gehör - zur Verstärkung und Vorselektion verzichten. Die Übertragung der Schallwellen in elektrische Reize, die vom Hörnerv aufgenommen und vom Gehirn interpretiert werden können, ist und bleibt ein spannender Vorgang. 

Die Grenzen eines CI werden im Laufe der Zeit erfahren und jeder Betroffene wird dies anders erleben. Fällt zum Beispiel der Sprachprozessor aus oder hat die Spule bzw. das Kabel dorthin einen Defekt, ist der Betroffene taub. Ebenso kann der Sprachprozessor beim Schwimmen, Duschen und beim Friseur nicht verwendet werden. Diese Umgang ist daher zu erlernen.  

Bei Wetterfühligkeit kann es unter Umständen zu leichten Schmerzen im Implantbereich kommen. Dies ist aber nur kurzfristig und unbedenklich. 

Das Implantat im Kopf (eingebettet in Felsenbein hinter dem Ohr) hält aufgrund der Materialbeschaffenheit selbst härtere Schläge aus (wenngleich dies schmerzt).

Zusätzliche Hilfsmittel, wie Funksysteme sind auch für CI-Träger eine wertvolle Hilfe und erleichtern das Verstehen in vielen Fällen, z.B. beim Telefonieren, Fernsehen, in Gruppen und bei Vorträgen. Solche Systeme können bereits ohne Kabeln mittels Adapter am CI verwendet werden. Vor Ankauf solcher Hilfsmittel sollten diese ausreichend getestet werden.

Schlussbemerkung: Im welchen Ausmaß das Hörvermögen nach einer CI-Implantation verbessert werden kann, ist für den Einzelnen nicht exakt vorauszusagen. So berichten manche CI-Träger über ein rasches und sehr gutes offenes Sprachverständnis, ja sogar Musik hören und selbst musizieren wird wieder ermöglicht, andere haben länger andauernde Schwierigkeiten und sind vielleicht anfangs enttäuscht.
Die Wahrheit liegt bei den meisten CI-Trägern wahrscheinlich in der Mitte, es wird eine spürbare und deutliche Verbesserung des Sprachverständnisses erreicht, aber man stößt trotzdem immer wieder an Grenzen der bestehenden Schwerhörigkeit. Dadurch, dass man sich durch ein besseres Verstehen mit CI in der alltäglichen Kommunikation nicht mehr so stark anstrengen muss, nimmt die chronische Überanstrengung vieler Schwerhöriger eher ab. 
Es ist ratsam, sich weder durch übertriebene Lobpreisungen („ich höre wieder wie ein Luchs“) zu einem CI „überreden“ zu lassen, noch sich durch pessimistische Berichte („alles ist schlechter geworden“) davon abhalten zu lassen. Es ist und bleibt eine persönliche Entscheidung, die davon abhängt, wie der Einzelne mit seiner derzeitigen Situation zu recht kommt und welche Erwartungen er hat.. Nur wer sich selbst entschieden hat, wird anschließend den Erfolg durch verschiedene Rehabilitations-Anstrengungen für sich erreichen können.   
Die Frage, ob durch eine CI-Implantation ein schon bestehender Tinnitus verbessert, kann nicht vorhergesagt werden. Manche CI-Träger berichten nach der Operation über eine Tinnitus-Abnahme, insbesondere nach Anpassung des Sprach-Prozessors. Aber es gibt auch CI-Patienten, deren Tinnitus erst nach der Operation neu aufgetreten ist oder sich subjektiv verstärkt hat, zumindest für einige Zeit.  

VI.    Die Kosten einer Implantation

Die Kosten einer CI-Implantation (Operation und Erstausstattung) werden in Österreich derzeit von einem Fond getragen, so dass derzeit keine Kosten für den Betroffenen anfallen. In der Folge fallen sehr wohl zusätzliche Kosten an:

  • Fahrten für Einstellungen und Nachanpassungen in die jeweilige Klinik
  • Batteriekosten bzw. Kosten der Akkus
  • Logopädietraining
  • Versicherung. Eine solche ist unbedingt zu empfehlen, da die Kosten für einen Sprachprozessor (zwischen € 9.000,- und 12.000,- ) bei Verlust, Diebstahl, Bruch usw. nicht von den Sozialversicherungen übernommen werden. Es hat bereits unzählige solche Fälle gegeben. Die jährlichen Kosten für eine solche Versicherung betragen üblicherweise ca. 3% des Neupreises. Ansprechpartner für diese Versicherungen ist in Österreich die Fa. Allianz.
  • externes Zubehör für Fernseher, Radio, Mobile Geräte, Schulische Ausbildungen usw.
  • Selbstbehalte im Rahmen von Ersatzteilversorgung oder Erneuerung eines Sprachprozessors, Logopädietraining etc. können anfallen. Diese sind stark abhängig von ihrer zuständigen Krankenkasse!

    Sämtliche  persönlichen finanziellen Aufwendungen im Zusammenhang mit einer CI-Versorgung und den damit zusammenhängenden Kosten können im Rahmen der aussergewöhlichen Belastung wegen Behinderung beim Finanzamt zur Gänze geltend gemacht werden.

Die Haltbarkeit eines Cochlear-Implantats

In der Regel wird seitens der Firmen für das im Kopf eingepflanzte Implantat eine sehr lange Haltbarkeit (zumindest 20 bis 30 Jahre) zugesichert. Wissend, dass gerade die Technik unaufhaltsam fortschreitet, kann es nach vielen Jahren durchaus möglich sein, dass ein Reimplantation (Austausch des Implantates) notwendig ist, dies kann in der Regel aber ohne Komplikation und meist sehr rasch in einer Klinik durchgeführt werden. 
Ein Austausch des Implantates könnte auch notwendig werden, wenn sich die Sprachprozessoren nachhaltig in der technischen Leistung verbessern und diese nur dann umsetzen können, wenn auch das Implantat im Kopf dieser neuen Technik entspricht.

Der Sprachprozessor und die Sendespule unterliegen durch das ständige Tragen natürlich einem Alterungsprozess und können aufgrund von Abnützungen ausgetauscht werden. In der Regel übernimmt die Sozialversicherung diese Kosten.

Die Österreichische Schwerhörigen Selbsthilfe, andere einschlägige Verein, aber auch  ehrenamtliche und selbst betroffene Mitarbeiter sind bemüht, im Sinne der Selbsthilfe allen interessierten Betroffenen eine unabhängige Beratung und Hilfestellung zu bieten. Wir vermitteln auch gerne Selbsthilfegruppen für den Informations- und Erfahrungsaustausch. Zugleich sind wir bestrebt, bei Anträgen für Rehabilitationsmaßnahmen und anderen Hilfsmittelbedarf behilflich zu sein.

 



Zusammenstellung und Bearbeitung:
Harald Pachler, Liesbeth Hawle, Martin Schwarz und Hans Neuhold

Erschienen im „Einklang“ Zeitschrift der ÖSSH, Juni 2011

Österreichische Schwerhörigen Selbsthilfe ÖSSH
Tel: 0681 / 207 470 56
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! 
Homepage: www.oessh.or.at 

 

Grundsätzliches zur Versorgung mit Hörgeräten

A ) Der Gang zum Arzt und zum Hörgeräteakustiker

  1. Lassen Sie sich von einem Facharzt für HNO gründlich untersuchen. Bei Notwendigkeit wird er Ihnen ein Hörgerät verordnen.
  2. Suchen Sie einen Hörgeräteakustiker Ihrer Wahl auf, der HNO-Arzt kann Ihnen durchaus jemanden empfehlen, aber Sie sind daran nicht gebunden.
  3. Geben Sie ihren Verordnungsschein beim Hörgeräteakustiker nicht gleich zu Beginn ab, so sichern Sie sich die Chance, den Hörgeräteakustiker jederzeit zu wechseln.
  4. Sie sollten sich vom Hörgeräteakustiker ernst genommen fühlen, d.h. sie sollten spüren, dass er auf Ihre Wünsche und Fragen eingeht. Sind Sie das nicht, gehen Sie zu einem anderen Hörgeräteakustiker.
  5. Testen Sie grundsätzlich „hinter-dem-Ohr-Geräte“(HdO), die Erfahrung zeigt, dass diese robuster und leistungsstärker sind. Zudem ist hier meist eine Induktionsspule eingebaut und es sind damit spätere Zusatzhilfen besser verwendbar. Achtung: Bei den neuen, ganz kleinen, HdO-Geräten kann auch die Induktionsspule fehlen.
  6. Bei der Wahl der Hörgeräte sollten Sie daran denken, in welchen Bereichen Sie selbst Verbesserungen im Hören und Verstehen erreichen möchten, z.B. Telefon, Fernsehen, Gruppengespräche usw. und teilen Sie das dem Hörgeräteakustiker mit.
  7. Achten Sie generell darauf, dass Ihr Hörgerät eine Induktionsspule besitzt und diese auch aktiviert ist. Denn in vielen öffentlichen Räumen werden in den nächsten Jahren Induktionsanlagen vorhanden sein, das verlangt das Behindertengleichstellungsgesetz. Aussagen von Hörgeräteakustiker, Sie würden keine Induktionsspule brauchen, sind nicht richtig, da ein Großteil der Hörgeräteträger sehr wohl Induktionsanlagen nutzt und damit ein besseres Verstehen erzielt.
  8. Testen Sie vorerst durchaus einmal jenes Hörgerät, das Ihnen der Hörgeräteakustiker empfiehlt und testen Sie es 4 Wochen lang. Das ist Ihr gutes Recht und der Hörgeräteakustiker darf dafür keine Kosten verrechnen.
  9. Sollten Sie nach diesem Test kein gutes Gefühl haben, verlangen sie ein anderes Hörgerät zum Test – wiederum für 4 Wochen.
  10. Insgesamt sollten Sie mindestens 3 verschiedene Hörgerätetypen probieren. Ein so genanntes „Tarifgerät“ (das ist jenes – meist einfacheres - Hörgerät, dass die Krankenkasse zur Gänze bezahlt), dann eines aus dem mittleren Preissegment (also mit geringen Selbstkosten) und eines, das sicherlich mit hohen Selbstkosten verbunden ist aber dafür „alle Stücke spielt“ (ob Sie diese dann wirklich auch nutzen können, können nur sie selbst herausfinden).
  11. Wichtig ist, dass Sie Ihre optimalen Geräte finden – erst dann sollten Sie sich die Frage stellen, ob Sie sich die allenfalls notwendigen  Selbstkosten finanziell leisten können. Berufstätige können an das Bundessozialamt oder die Pensionsversicherungsanstalt Ansuchen um Beihilfen richten. In diesen Fällen muss aber eine Begründung vorliegen, warum sich gerade diese Hörgeräte für Sie am besten eignen. Leider bestehen für Pensionisten keine derartigen finanziellen Hilfen (bei geringen Einkommen evtl. die Sozialabteilungen der Länder).
  12. Setzen Sie die Tests der Hörgeräte solange fort, bis Sie das Gefühl haben, „Ihr Gerät“ gefunden zu haben.
  13. Nur wenn Sie mit einem Gerät grundsätzlich zufrieden, erkundigen Sie sich nach den Kosten, die Sie nun beim Kauf selbst  übernehmen müssen. Erst wenn Sie mit der erforderlichen Zuzahlung einverstanden sind, geben Sie ihre Verordnung vom HNO-Arzt ab und unterschreiben Sie den Vertrag. Der Hörgeräteakustiker wird dann die Verrechnung mit der Krankenkasse, die ja den Grundanteil zahlt, erledigen.


B) Wissenswertes für danach:

  1. Hörgeräte können nach derzeitiger Regelung mit den Krankenkassen alle 5 Jahre erneuert werden. Das bedingt, dass Hörgeräte seitens der Hörgeräteakustiker so zu dimensionieren sind, dass sie auch bei einer „normalen“ Hörverschlechterung so lange brauchbar bleiben.
  2. Nach all dem bedenken Sie, dass Hörgeräte immer „Krücken“ (aber eben ganz entscheidende!) bleiben und Sie damit vielleicht nie ein völlig normales Hören erreichen werden. Ein Hörgerät kann kein normales Ohr ersetzen.
  3. Meist benötigt man einige Monate, bis man seine Hörgeräte wirklich gewohnt ist und sich damit in seinem Alltag zu Recht findet. Dabei ist es wichtig, das Hörgerät in allen möglichen Situationen zu testen und bei merkbaren Veränderungen im Hören und Verstehen, sofort den Hörgeräteakustiker aufzusuchen, damit er die notwendigen Nacheinstellungen vornehmen kann.
  4. Tragen Sie Ihre Hörgeräte immer (außer den ersten Tagen, wo Sie es stundenweise nutzen sollten), nur so kann sich Ihr Hörzentrum im Gehirn an die „neuen“ Töne, Stimmen und Geräusche gewöhnen und schrittweise ein „Heraushören“ erlernen. Der Umgang mit Hörgeräten ist eine enorme Leistung für das Hörzentrum im Gehirn, denn die Hörgeräte liefern nur Geräusche und Töne, die Umsetzung müssen Sie selbst erlernen.
  5. Suchen Sie auch einmal eine Selbsthilfegruppe auf, ein gegenseitiger Erfahrungsaustausch ist immer eine Hilfe.
  6. Zu guter Letzt: Je mehr Sie mit den Hörgeräten üben und trainieren (eine Logopädie und Hörtrainingskurse sind empfehlenswert), desto eher erreichen sie Ihr Ziel. 
  7. Sollten Sie trotz Ihrer Hörgeräte in verschiedenen Situationen kein optimales Verstehen erreichen, denken Sie an die Möglichkeiten zusätzlicher Hilfen (private Induktionsanlagen, Telefonverstärker, Halsschleifen für Fernsehen und Handy, usw.). Solche sind bei den Technischen Assistenzen der Schwerhörigenvereine meist gratis zum Testen. Das sollten Sie nutzen, bevor sie teure Geräte kaufen.
  8. Hörgerätebatterien sind nicht billig und werden auch nicht von der Krankenkasse bezahlt. Sie können diese aber von der Steuer absetzen, sofern sie als Behinderter eingestuft wurden. Sehr günstige Batterien bietet die Österreichische Schwerhörigen Selbsthilfe für ihre Mitglieder an: Siehe unter: www.oessh.or.at  


Zusammenstellung und Bearbeitung: Liesbeth Hawle
Erstmals erschienen in „Einklang“ Zeitschrift der ÖSSH, im Jahr 2010

Österreichische Schwerhörigen Selbsthilfe ÖSSH
Tel: 0681 / 207 470 56
Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!  
Homepage: www.oessh.or.at 





Ich höre nicht mehr gut
Hören und Schwerhörigkeit


Hören ist so wichtig

Was ist rund um die Uhr im Einsatz und reagiert auf die kleinsten Reize?
Die Rede ist von unserem Gehör. Obwohl unser Ohr ein wahres Wunderwerk ist, wird seine enorme Bedeutung noch immer und häufig unterschätzt. Hören ist die Gabe, mitten im Leben zu stehen, unser Gehör ist unsere Orientierung in vielen Bereichen, Hören bedeutet sich wohl fühlen, heißt eingebunden zu sein in der Vielfalt der Töne und Geräusche, die uns ständig umgeben und ohne die wir uns einsam und abgekapselt fühlen würden, zB. eine leise Musik im Hintergrund, das Zwitschern der Vögel, der Wind in den Bäumen, das Rauschen eines Baches, das Knirschen des Sandes, das Brutzeln des Speisen am Herd, das Gespräch der Menschen, das Fahren der Autos, die wichtige Durchsage am Bahnhof, der Klang der Schritte, das Weinen des Babys… Das Ohr lässt uns Stimmungen erfahren, die uns in jeder Weise emotional beeinflussen

Unser Gehör hat viele Funktionen: es alarmiert und warnt uns, es informiert uns ständig darüber, was um uns vorgeht, es bereitet uns vielfach Freude, es hilft uns aber vor allem mit den Menschen zu kommunizieren, es ermöglicht erst unser Sprache und damit die geistige und soziale Entwicklung von Kindheit an und aktiviert nachgewiesenermaßen unsere Gehirntätigkeit

Das OHR ist das leistungsfähigste unserer Sinne

Wir alle brauchen Geräusche und Töne, ob wir sie lieben oder nicht, ob wir sie hören oder nicht.
Und wie viele Probleme unseres Lebens sind letztlich Kommunikationsprobleme, weil das Hinhören nicht gelingt und die Sprache nicht im gewünschten Sinne ankommt

DAHER bringt uns Schwerhörigkeit an die Grenzen, denn es

  • erschwert die Verbindung zwischen Menschen, isoliert und macht einsam
  • lässt wichtige Informationen verschwinden
  • ist zwar unsichtbar, aber immer spür- und erlebbar
  • macht Zuhören zur Anstrengung und ermüdet
  • ist oftmals ein schleichender Prozess und wird zu spät wahr genommen
  • bedeutet kein „leises Hören“ sondern eine Störung im Innenohr
  • wird von den guthörenden Menschen nicht verstanden weil es kaum nachvollziehbar ist
  • bringt Einschränkungen im Beruf mit sich, grenzt aus dem Geschehen aus
  • schränkt selbstverständliche Gespräche mittels Telefon ein 
  • verhindert die Teilnahme an kulturellen Ereignissen 
  • mindert das Selbstwertgefühl, und verunsichert das tägliche Erleben
  • heißt „nicht mehr zu verstehen“ was für andere selbstverständlich ist


Wenn Sie bemerken…

  • dass Sie Nebengeräusche stören und das Verstehen erschweren
  • dass Sie öfter bei Gesprächen nachfragen müssen und Vorträge nur teilweise verstehen
  • dass Sie ihren Fernseher und Radio lauter einstellen müssen
  • dass Sie nicht wahrnehmen, wenn Sie von hinten oder seitlich angesprochen werden
  • dass Sie bei einer Feier oder im Restaurant nur schwer einem Gespräch folgen können
  • dass Sie bei Telefongesprächen nicht mehr alles verstehen

dann vermuten Sie vielleicht…

  • dass Sie ohnehin noch gut hören, auch wenn Sie nicht mehr alles verstehen
  • dass bloß die anderen undeutlich sprechen
  • dass mehr Lautstärke das Problem schon lösen wird
  • dass Sie noch lange nicht so schlecht hören, um ein Hörgerät zu verwenden
  • dass Hörgeräte Ihr Aussehen stören und keinen wirklichen Erfolg bringen
  • dass Sie noch lange nicht so alt sind, um als schwerhörig angesehen zu werden
  • dass Schwerhörigkeit ja eigentlich nur Ihr persönliches Problem ist und die Aussage stimmt: „Sei froh, dass du nicht alles hörst“

vergessen aber …

  • dass Sie kein Einzelfall sind, ca. 1,3 Millionen Menschen in Österreich leiden unter Schwerhörigkeit, bei den über 60jährigen ist bereits jeder Dritte davon betroffen
  • dass Hören und Verstehen zu den wichtigsten Bereichen des menschlichen Lebens zählen und eine Gemeinschaft erst ermöglicht
  • dass eine Schwerhörigkeit auch ihre Umgebung hilflos und ratlos macht und der Kontakt mit  Ihnen vielleicht zunehmend vermieden wird
  • dass falsche Antworten aufgrund von Hörfehlern zwar lächerlich klingen, aber andere vielleicht an Ihren geistigen Fähigkeiten zweifeln lassen
  • dass eine schleichende Hörverminderung Ihre Lebensqualität eines Tages so stark beeinträchtigen kann, dass erforderliche Maßnahmen (wie ein Hörgerät) zu spät sein könnten
  • dass bei einem höhergradigen Hörverlust auch die Sprachfähigkeit langsam abnimmt und so der Kontakt zu Ihren Mitmenschen auch von ihrer Seite aus immer schwieriger wird
  • dass Schwerhörigkeit in den meisten Fällen nicht bloß ein leiseres, sondern ein frequenzgestörtes Hören bedeutet. Lautstärke allein also letztlich keine Hilfe bedeutet!
  • dass ein Hörgerät zwar die Schwerhörigkeit nicht aufheben kann, aber bei guter Einstellung eine wesentliche Hilfe im Alltag darstellt
  • dass ein Umgang mit Hörgeräten nicht von vornherein funktioniert, daher immer gelernt und geübt werden muss, ebenso verschiedene Methoden für den Umgang in der „hörenden“ Welt (Hörtaktik)
  • dass es heute ein Vielzahl von zusätzlichen Hörhilfsmitteln (für Telefon, TV, Gruppengespräche usw.) sowie auch spezielle Höranlagen für öffentliche und private Räume gibt
  • dass nur in einer gelingenden Kommunikation – und hier vorwiegend mittels Sprache – sich der Mensch sich als anerkannter Partner erlebt

    So hört ein schwerhöriger Mensch!


BILD

Die Graphik versucht darzustellen, dass die Schwerhörigkeit ein gebrochenes und zerstückeltes Hören bedeutet und damit eine hohe Anstrengung im Verstehen. Wörter und Sätze müssen durch Kombinieren, Sinnzusammenhänge, Mund-Absehen usw. oder durch ständiges Nachfragen ergänzt werden. Und dennoch besteht nie keine Sicherheit „richtig“ gehört und verstanden zu haben.
Nicht Sehen können heißt, die Menschen von den Dingen trennen,
nicht Hören können heißt, die Menschen von den Menschen trennen“
(Helen Keller – selbst taubblind)

Sie selbst sind gefordert:

  • Scheuen Sie sich nicht, sich selbst und ihrer Umgebung ihr vermindertes Hören und Verstehen einzugestehen, jedes Verschweigen schadet Ihnen selbst
  • „Wer schnell hilft, hilft doppelt“ lautet ein Spruch, bei Ihrem Gehör gilt das ebenso: Je rascher sie etwas unternehmen, desto eher ist eine Hilfe möglich
  • Hilfe sollten Sie aber nicht bloß von anderen erwarten, sie selbst müssen den ersten Schritt setzen. Das ist Selbsthilfe.
  • Lassen Sie von einem HNO-Facharzt ihr Gehör überprüfen, nur er kann feststellen, wo die Ursachen liegen
  • Sollte er Ihnen ein Hörgerät empfehlen, zögern sie nicht mit dem Gang zum Hörgeräteakustiker, beginnen sie verschiedene Geräte zu testen
  • Alles will gelernt sein: Auch der Umgang mit den Hörgeräten! Wenden sie sich an  Beratungsstellen der Schwerhörigenvereine, dort werden Ihnen Betroffene selbst behilflich sein und mit Ihnen Fragen eines Hörtrainings und einer Rehabilitation erörtern
  • Selbst mit Hörgeräten wird nicht alles möglich sein, daher muss jeder Betroffene selbst Lösungen kennen, finden und entwickeln, um in seiner Umgebung mithalten zu können
  • Für Hörgeräteträger gibt es zusätzlich viele technische Hilfen, fürs Telefon und Fernsehen, bei Vorträgen und Theater, für gesellige Runden und Treffen. Fragen sie in den Beratungsstellen der Schwerhörigenvereine danach, dort können sie in Ruhe solche Zusatzgeräte gratis testen.

Zusammenstellung und Bearbeitung: Hans Neuhold im Jahr 2011

Österreichische Schwerhörigen Selbsthilfe ÖSSH
Tel: 0681 / 207 470 56
Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! 
Homepage: www.oessh.or.at 

 

Hörgeräte
Informationen und Hinweise


Ein Hörgerät bedeutet Lebensqualität

Wenn Ihnen der Arzt Hörgeräte empfiehlt oder verordnet, …..

  • kann es sein, dass Sie erschrecken und meinen, so schlecht hören Sie nun doch wieder nicht
  • werden Sie vielleicht das Gefühl haben, nun schon „zum alten Eisen“ zu gehören
  • denken Sie vermutlich an die Ihnen bekannten „unzufriedenen“ Hörgerätebesitzer
  • fürchten Sie vielleicht, dass solche Geräte Ihre äußere Erscheinung verunstalten
  • meinen Sie, jeder wird Ihre Hörgeräte sofort erkennen und Sie als schwierig einstufen
  • sind Sie sich vielleicht nicht im Klaren, ob diese Geräte Ihnen wirklich etwas helfen
  • suchen Sie vielleicht nach vielen Gründen, doch noch zuzuwarten
     

Es gilt aber zu bedenken:

 

  • wer zu lange mit einer Hörgeräteversorgung wartet, nimmt sich selbst die Chance zu einem guten Teil wieder „dazugeHÖREN“ zu können. Je schlechter das Gehör ist, desto schwieriger und langwieriger wird der Anpassungsprozeß und die Gewöhnung an die neue Hörsituation, die Hörgeräte unweigerlich mit sich bringen
  • je früher Sie mit Hörgeräten beginnen, desto besser können Sie Hörschwächen ausgleichen und den richtigen Umgang mit Hörgeräten erlernen. Ein richtig angepasstes Hörgerät schadet auch nicht dem Gehör – im Gegenteil
  • Hörgeräte sind keine Schande, vielmehr ein positives Zeichen, dass Sie mit ihrer Umgebung auch weiterhin Kontakt halten möchten und Sie etwas für sich tun
  • Hörgeräte darf man ruhig sehen, vielleicht kommt man Ihnen dann in einem Gespräch eher entgegen. Sie verstecken ja auch nicht Ihre Brille, wenn sie sehen möchten!  Hörgeräte können sogar bunt sein und kombiniert mit Schmuck getragen werden.  Warum nicht? Es gibt großartige Beispiele dafür
  • Die Unsichtbarkeit von Hörgeräten sollte nie im Vordergrund stehen, denn zur  Lösung von Hörproblemen gehört u.a., dass Sie Ihr Umfeld über die Hörbehinderung informieren und den anderen Menschen mitteilen, welche Art von Hilfestellung Sie benötigen. Den besten Erfolg mit einer Hörgeräteversorgung erzielen Sie nur dann, wenn Sie zu Ihrer Schwerhörigkeit stehen und diese nicht verdrängen
  • Ein eingeschränktes Hören und Verstehen ist nicht nur für den Betroffenen ein großes Problem, sondern eben auch für Angehörige und Freunde
  • nur wer sich rechtzeitig an Hörgeräte gewöhnt, wird sie besser einsetzen und für sich nutzen können
  • das Verstehen passiert nicht im Ohr, sondern im Hörzentrum des Gehirns. Was dort lange Zeit nicht mehr ankommt, wird „verlernt“ und kann später vielleicht nicht mehr aufgeholt werden. Das Ohr selbst ist wie ein Mikrofon und dient der Übertragung ins Gehirn.
  • ständiges angestrengtes Hören und Hinhören erzeugt Stress und Müdigkeit,  schadet langfristig Ihrer Gesundheit und kann selbst Tinnitus (Ohrgeräusche) auslösen
  • Hörgeräte leisten wesentlich mehr als nur die Lautstärke zu erhöhen, sie werden auf die ganz speziellen Frequenzstörungen einer Hörschädigung eingestellt. Das verlangt Geduld und Zeit und kann durchaus Monate dauern. Auf keinem Fall sollte das Hörgerät deswegen vorschnell im „Nachttisch“ landen. Die Gewöhnung an Hörgeräte bedarf viel persönlicher Übung, einer positiver Einstellung zu dieser Technik und auch einer regelmäßigen Nacheinstellung durch Ihren Hörgeräteakustiker
  • Aber: Selbst die besten und teuersten Hörgeräte werden Ihr abnehmendes Gehör nicht zur Gänze wiederherstellen können, wohl aber eine große Erleichterung in vielen Situationen des Alltags sein. Glauben Sie daher keiner Werbung, die Ihnen ein „normales“ Hören und eine völlige Wiederherstellung Ihres Gehörs verspricht


Hinweise zur Hörgeräteversorgung selbst

  1. Lassen Sie sich von einem Facharzt für HNO gründlich untersuchen. Bei Notwendigkeit wird er Ihnen ein Hörgerät verordnen.
  2. Suchen Sie einen Hörgeräteakustiker Ihrer Wahl auf, der HNO-Arzt kann Ihnen durchaus jemanden empfehlen, aber Sie sind daran nicht gebunden.
  3. Geben Sie ihren Verordnungsschein beim Hörgeräteakustiker nicht gleich zu Beginn ab, so sichern Sie sich die Chance, den Hörgeräteakustiker jederzeit zu wechseln.
  4. Sie sollten sich vom Hörgeräteakustiker ernst genommen fühlen, d.h. sie sollten spüren, dass er auf Ihre Wünsche und Fragen eingeht. Empfinden Sie das nicht, wechseln Sie zu einem anderen Hörgeräteakustiker.
  5. Testen Sie grundsätzlich „hinter-dem-Ohr-Geräte“(HdO), die Erfahrung zeigt, dass diese robuster und leistungsstärker sind. Zudem ist hier meist eine Induktionsspule eingebaut und es sind damit spätere Zusatzhilfen besser verwendbar. Achtung: Bei den neuen, ganz kleinen, HdO-Geräten kann auch die Induktionsspule fehlen.
  6. Bei der Wahl der Hörgeräte sollten Sie daran denken, in welchen Bereichen Sie selbst Verbesserungen im Hören und Verstehen erreichen möchten, z.B. Telefon, Fernsehen, Gruppengespräche, Vorträge, Versammlungen usw. und teilen Sie das dem Hörgeräteakustiker mit.
  7. Achten Sie generell darauf, dass Ihr Hörgerät eine Induktionsspule besitzt und diese auch aktiviert ist. Denn in vielen öffentlichen Räumen werden in den nächsten Jahren Induktionsanlagen vorhanden sein, das verlangt das Behindertengleichstellungsgesetz. Aussagen von Hörgeräteakustiker, Sie würden keine Induktionsspule brauchen, sind nicht richtig, da ein Großteil der Hörgeräteträger sehr wohl Induktionsanlagen nutzt und damit ein besseres Verstehen erzielt.
  8. Testen Sie vorerst durchaus einmal jenes Hörgerät, das Ihnen der Hörgeräteakustiker empfiehlt und testen Sie es 4 Wochen lang. Das ist Ihr gutes Recht und der Hörgeräteakustiker darf dafür keine Kosten verrechnen.
  9. Sollten Sie nach diesem Test kein gutes Gefühl haben, verlangen sie ein anderes Hörgerät zum Test – wiederum für 4 Wochen.
  10. Insgesamt sollten Sie mindestens 3 verschiedene Hörgerätetypen probieren. Ein so genanntes „Tarifgerät“ (das ist jenes – meist einfaches - Hörgerät, dass die Krankenkasse zur Gänze bezahlt), dann eines aus dem mittleren Preissegment (also mit geringen Selbstkosten) und eines, das sicherlich mit hohen Selbstkosten verbunden ist, aber dafür „alle Stücke spielt“ (ob Sie diese Möglichkeiten dann wirklich auch nutzen können, müssen Sie herausfinden).
  11. Wichtig ist, dass Sie Ihre optimalen Geräte finden – erst dann sollten Sie sich die Frage stellen, ob Sie sich die allenfalls notwendigen  Selbstkosten finanziell leisten können. Berufstätige können an das Bundessozialamt oder die Pensionsversicherungsanstalt Ansuchen um Beihilfen richten. In diesen Fällen muss aber eine Begründung vorliegen, warum sich gerade diese Hörgeräte für Sie am besten eignen. Leider bestehen für Pensionisten keine derartigen finanziellen Hilfen (bei geringen Einkommen evtl. die Sozialabteilungen der Länder).
  12. Setzen Sie die Tests der Hörgeräte solange fort, bis Sie das Gefühl haben, „Ihr Gerät“ gefunden zu haben. Selbst wenn dies Monate dauert.
  13. Nur wenn Sie mit einem Gerät grundsätzlich zufrieden sind, erkundigen Sie sich nach den Kosten, die Sie beim Kauf selbst  übernehmen müssten. Sind Sie mit der erforderlichen Zuzahlung einverstanden, geben Sie ihre Verordnung vom HNO-Arzt ab und unterschreiben Sie den Vertrag. Der Hörgeräteakustiker wird dann die Verrechnung mit der Krankenkasse, die ja den Anteil eines Tarifgeräte zahlt, erledigen.

Wissenswertes für die Zeit danach:

  1. Hörgeräte können nach derzeitiger Regelung mit den Krankenkassen alle 5 bzw. 6 Jahre erneuert werden. Das bedingt, dass Hörgeräte seitens der Hörgeräteakustiker so zu dimensionieren sind, dass sie bei einer „normalen“ Hörverschlechterung so lange nutzbar bleiben. Dafür muss der Hörgeräteakustiker sorgen.
  2. Bedenken Sie, dass Hörgeräte immer „Krücken“ (aber eben ganz entscheidende!) bleiben und Sie damit vielleicht nie ein völlig normales Hören erreichen werden. Das Wunderwerk Ohr kann auch die beste Technik nicht wieder herstellen.
  3. Meist benötigt man einige Monate, bis man seine Hörgeräte wirklich gewohnt ist und sich damit in seinem Alltag zu Recht findet. Dabei ist es wichtig, bei merkbaren Veränderungen im Hören und Verstehen, sofort den Hörgeräteakustiker aufzusuchen, damit er die notwendigen Nacheinstellungen vornehmen kann.
  4. Tragen Sie Ihre Hörgeräte immer (außer den ersten Tagen, wo Sie es stundenweise nutzen sollten), nur so kann sich Ihr Hörzentrum im Gehirn an die „neuen“ Töne, Stimmen und Geräusche gewöhnen und schrittweise ein „Heraushören“ erlernen.
  5. Suchen Sie auch einmal eine Selbsthilfegruppe auf, ein gegenseitiger Erfahrungsaustausch ist immer eine Hilfe.
  6. Zu guter Letzt: Je mehr Sie mit den Hörgeräten üben und trainieren (eine Logopädie und Hörtrainingskurse sind äußerst empfehlenswert), desto eher erreichen sie Ihr Ziel. 
  7. Sollten Sie trotz Ihrer Hörgeräte in verschiedenen Situationen kein optimales Verstehen erreichen, denken Sie an die Möglichkeiten zusätzlicher Hilfen ( Induktionsanlagen im privaten Bereich, Telefonverstärker, Halsschleifen für Fernsehen und Handy, usw.). Solche sind bei den Technischen Assistenzen der Schwerhörigenvereine meist gratis zum Testen. Das sollten Sie nutzen, bevor sie solche Geräte kaufen.
  8. Hörgerätebatterien sind nicht billig und werden auch nicht von der Krankenkasse bezahlt. Sie können diese aber von der Steuer absetzen, sofern sie als Behinderter eingestuft wurden. Sehr günstige Batterien bietet die Österreichische Schwerhörigen Selbsthilfe für ihre Mitglieder an: www.oessh.or.at  

Was zahlt die Kasse bei Hörgeräten?

Neuversorgung:

Im Zuge neuer Verhandlungen zwischen den Sozialversicherungen und den Hörgeräteakustikern wurden die finanziellen Leistungen für eine Tarifgeräteversorgung (also eine normale Versorgung in einfacher und zweckmäßiger Ausführung) herabgesetzt.
Für eine einohrige Versorgung werden ab dem 1.1.2010 von der Kasse € 792,- und für eine beidohrige Versorgung  € 1425,60 übernommen.
Darüber hinaus gibt es zusätzliche Tarife für Sonderversorgungen, z.B. bei hochgradiger Schwerhörigkeit, Hochtonsteilabfall und beruflicher Notwendigkeit.
Alle Kosten, die darüber hinausgehen, sind vom Kunden selbst zu zahlen. Es lohnt sich also bei einer Hörgeräteversorgung sich ausführlich zu informieren, was die Kasse tatsächlich leisten wird und welche Zuzahlungen zu erwarten sind..
Die Sozialversicherungen sichern nach ihren Aussagen mit dem vorhin genannten Leistungen eine Grundversorgung für alle Schwerhörigen.
Es besteht seitens der Sozialversicherungen auf jeden Fall der Wunsch, dass bereits die Standardgeräte (also Tarifgeräte) mit der notwendigen Technologie ausgestattet werden.
Eine weitere Neuerung im Vertrag ist, dass auf dem Anpassbericht, der an die Krankenversicherung übermittelt wird, vermerkt werden muss, in welcher Größenordnung zusätzliche Funktionen beim Hörgerät „notwendig“ waren und warum Zuzahlungen durch die Patienten erfolgt sind.
Ein Thema bei den kommenden Gesamtvertragsverhandlungen zwischen Sozialversicherungen und Hörgeräteakustiker im Jahr 2010 wird die Tragedauer und auch die Technologie sein, d.h. es könnte sich bei der derzeitigen Regelung, wonach alle 5 Jahre ein Anspruch auf eine Neuversorgung besteht, durchaus etwas ändern.

Reparaturen:

Die Kassen zahlen alle Reparaturen, wenn der Schaden nicht vorsätzlich oder grob fahrlässig herbeigeführt wurde. Sie zahlen aber nur jenen Anteil, der einer Tarifgeräteversorgung entspricht, also nicht generell die gesamten Kosten, die bei einem hochwertigen Hörgerät anfallen. Demnach ist hier je nach Ausstattung eines Hörgerätes auch ein Eigenanteil zu leisten, der sich je nach Firma und Hörgeräteakustiker unterschiedlich auswirken kann. Vorher fragen lohnt sich also.


Leistungen des Hörgeräteakustikers
Die Kosten für nachstehende Leistungen sind mit dem Tarif der Sozialversicherungen abgedeckt, es dürfen dafür keine zusätzlichen Kosten vom Hörgeräteakustiker in Rechnung gestellt werden.

  • die Auswahl eines geeigneten Hörgerätes und die Anpassung mit allen notwendigen Meßmethoden und Messtechniken in einer tatsächlichen und simulierten Umgebung, ebenso die notwendigen Messungen, vor Ort Einstellungen und Dokumentationen während der gesamten Tragedauer
  • die Unterweisung (Bedienung, Aufbewahrung, Batteriewechsel und Reinigung) des Betroffenen und erforderlichenfalls seiner Betreuungspersonen im Gebrauch und der Pflege der Geräte
  • eine jährliche Funktionssicherungskontrolle. Diese umfasst: Gerätereinigung außen, Funktionskontrolle und evtl. Nacheinstellungen beim Hörgerät (Verstärkung, Frequenzgang, Lautstärke und Dynamik), Reinigung der Otoplastik (Ohrpassstück) und Überprüfung derselben. Nachschulung des Betroffenen und eventueller Betreuungspersonen während der gesamten Tragedauer des Hörgerätes. Statischen Cerumenschutz reinigen oder wechseln, sowie das Tauschen des HdO-Hörerschlauches
  • Der Hörgeräteakustiker ist verpflichtet, bei der Auswahl eines Hörgerätes auf einen möglichen fortschreitenden Hörverlust (im statistischen Mittel) bedacht zu nehmen, sodass eine mindestens fünf bis sechsjährige Benützungszeit zu erwarten ist. 

Arten von Hörgeräten:

Das Hinter-dem-Ohr-Gerät (HdO):

Diese Hörgeräte gibt es für die unterschiedlichsten Leistungsstärken, von leichtem bis schwerem Hörverlust. Es besteht aus einem Gehäuse in dem Mikrofon, Verstärker und Hörer eingebaut sind und wird hinter dem Ohr getragen. Der Schall wird über einen Schallschlauch vom Ohrhaken zum Ohrpassstück geleitet und von dort zum Trommelfell. Ein großer Vorteil dieser Hörgeräte ist die meist fix eingebaute IndukTionsspule. Weiteres die Möglichkeit eines Audioanschlusses (Audioschuh), sowie die einfache Reinigung des Ohrpassstückes.
Informationen bezüglich der IndukTionsspule und des Audioanschlusses finden Sie später. 
Diese Bauart ist tragefreundlich, leicht zu bedienen, weniger schweißempfindlich und reparaturanfällig. Da das Ohrpassstück leicht vom Gerät zu trennen ist und für alle HdO Hörgeräte passt, können bei der Erstanpassungen mehrere unterschiedliche Hörgeräte probiert werden. Bei einer notwendigen Reparatur kann meist unverzüglich ein Ersatzgerät beigestellt werden.

Zu dieser Hörgeräteart zählen auch Knochleitungsgeräte, die den Schall über den Knochen hinter dem Ohr an das Innenohr leiten. Solche Hörgeräte sind dann notwendig, wenn der Gehörgang oder das Mittelohr eine Versorgung mit herkömmlichen Hörgeräten nicht zulassen. Sie werden meist mit den Brillenbügeln kombiniert, sind aber auch durch einen kleinen operativen Eingriff am Knochen selbst zu fixieren (BAHA-System der Fa. Cochlear).

Das Im-Ohr-Gerät (IdO):

Die äußere Form des Hörgerätes wird der Ohrmuschel und dem Gehörgang angepasst und in der Hörmuschel (Im Ohr) getragen. Der oft genannte Vorteil der „Unauffälligkeit“ gegenüber dem HdO-Gerät stimmt nur teilweise, je nach Sichtwinkel zum Kopf des Trägers. Die Schallaufnahme ist bei diesen Hörgeräten etwas besser, weil die Mikrofone direkt am Gehöreingang angebracht sind und Fehlermöglichkeiten durch einen langen Schallschlauch (wie beim HdO Hörgerät) entfallen. Außerdem behält die Ohrmuschel ihre Funktion für die Schallaufnahme.
Dem stehen aber Nachteile gegenüber: Da Mikrofon und Schallabgabe (Hörer) sehr dicht beieinander sind, kommt es leicht zu einer Rückkoppelung (vielfach bekanntes Pfeifen). Ein fester Sitz im Gehörgang muss beim IdO Hörgerät daher immer gewährleistet sein. Ebenso wird durch die natürliche Feuchtigkeitsabgabe und dem Cerumen (Ohrschmalz) im Gehörgang ein solches Gerät eher in Mitleidenschaft gezogen. Es ist daher reparaturanfälliger und auch schwieriger zu reinigen (Hygiene). Weiters gibt es bei diesen Hörgeräten keinen Audioanschluss und auf Grund der Baugröße auch meist keine IndukTionsspule.

Kanalhörgeräte (KHG) & Gehörgangsgeräte (CIC=Complete in the Canal):

Diese sind klein bis sehr klein und werden, je nach Type mehr oder weniger direkt im  Gehörgang getragen. CIC Geräte sind an einem winzigen Plastikfaden am Gerät zum leichteren Herausnehmen aus dem Gehörgang zu erkennen. Der in der Werbung meist angepriesenen „Unsichtbarkeit“ stehen in vielen Fällen sehr große Nachteile gegenüber: stärkere Anfälligkeit zur Rückkoppelung (siehe IdO-Gerät), das generelle Fehlen einer IndukTionsspule und der fehlenden Möglichkeit eines Audioanschlusses. Durch Ohrschmalz und Schweiß kommt es bei diesen kleinen Geräten zu einer vermehrten Reparaturanfälligkeit.

Das implantierte Hörgerät:

Dabei handelt es sich um Mittelohrimplantate von Hörgeräten für die Versorgung einer Innenohrschwerhörigkeit. Sämtliche Teile werden operativ im Kopf und Mittelohr verpflanzt. Die Schallaufnahme erfolgt durch das Ohr. Trotz teilweiser guter Erfahrungen sind solche Geräte nur für wenige Arten von Schwerhörigkeit geeignet. Die Übernahme der Operations- und Gerätekosten durch die Krankenkasse ist nur dann möglich, wenn medizinisch einwandfrei nachgewiesen werden kann, dass eine Versorgung mit „normalen“ Geräten unmöglich ist. Problematisch ist bei diesen Geräten, dass keine Zusatzhilfsmittel benutzt werden können. Außerdem gibt es noch wenige Langzeittest aus dem hervorgeht, dass keine weiteren Schäden am Mittelohr anfallen können.


Weitere wichtige Überlegungen

-    Sichtbarkeit der Geräte:
Für viele Menschen sind Hörgeräte ein kosmetisches Problem und dies wird auch von der Werbung benutzt. Aber gerade das Zeigen seiner „unsichtbaren“ Behinderung mittels Hörgeräte dient dem besseren Umgang mit den Mitmenschen und dem Verständnis für diese Behinderung. „Was versteckt werden muss, kann wohl nichts Gutes sein“. Dieses Verstecken ist mit ein Grund dafür, dass in unserer Gesellschaft die Hörbehinderung noch wenig Beachtung findet bzw. verdrängt wird. Eine Hörbehinderung kann ohnehin nie unbemerkt bleiben, in Gesprächen, beim Fernsehen und anderen Situationen wird dies von den Mitmenschen sehr rasch festgestellt, meist schon bevor es die Betroffenen selber merken. Wichtig ist, dass Sie sich zu Ihrer Hörschädigung bekennen und diese als Bestandteil Ihrer eigenen Person akzeptieren.

-    Automatische oder manuelle Einstellung:
Bei Hörgeräten mit automatischer Lautstärkeregelung (spezielle digitale Systeme) erübrigt sich ein Laut- oder Leisedrehen. Bei der Programmierung der Hörgeräte wird die persönliche Lärmverträglichkeit und notwendige Lautstärke für eine gute Sprachverständlichkeit eingestellt. Ein eingebautes Modul misst selbständig den jeweiligen Umlärm, reagiert automatisch und stellt die Lautstärke möglichst optimal ein. Allerdings verzichten Sie dabei auf eine persönliche Beeinflussung der Hörsituation, dies hat Vorteile, ist aber in manchen Situationen ein Nachteil. Daher sollte das Zurechtkommen mit dieser Automatik im Alltag, noch in der Probezeit ausreichend getestet werden.

-    Mehrere Programme:
Die Digitalisierung der Hörgeräte macht es möglich, verschiedene Situationen des Alltags durch „Programme“ (Frequenzabstimmungen auf verschiedene Hörzustände) zu berücksichtigen: zB Einzelgespräch, Gasthaus, Stadtlärm, Musikhören usw., auf die Sie dann jeweils rasch umschalten können. Bei allen Programmen kann die jeweils empfundene Unbehaglichkeit (Lautverträglichkeit) berücksichtigt und individuell eingestellt  werden. Besonders vorteilhaft ist die bei manchen Geräten vorgesehene  „Zoomfunktion“, womit bei Umlärm das das Sprachverstehen im Einzelgespräch verbessert werden kann. Eventuell kann der Wechsel auf die verschiedenen Programme durch eine Fernbedienung (bei manchen Hörgeräten möglich) erleichtert werden, wenn sich dies mit Taster oder Schalter als zu schwierig erweist, wobei Taster immer schwieriger zu bedienen sind als Schalter.

-    Ein (monaural) oder zwei (stereophon)  Hörgeräte:
Sollten beide Ohren von einer Schwerhörigkeit betroffen sein, ist eine beidseitige Versorgung unbedingt zu empfehlen. Dies wird auch von der Sozialversicherung so verstanden. Das Richtungshören wird dadurch eher möglich. Das Verstehen im Umlärm und Gespräche mit mehreren Personen werden wesentlich verbessert, es müssen zwei Hörgeräte nicht so laut aufdreht werden, wie bei einseitiger Versorgung. Da mit einem Hörgerät Gespräche und Laute meistens schlechter empfunden werden, erleichtern zwei Hörgeräte in den meisten Fällen das Verstehen der Sprache. 

-    Die Induktionsspule:
Beim Kauf von Hörgeräten muss auf das Vorhandensein einer leistungsfähigen IndukTionsspule im eigenen Interesse geachtet werden. Denn immer häufiger werden in öffentlichen Räumen, Geschäften, Informationsstellen, Kulturstätten, Kirchen, Kinos, Ämter und Bildungseinrichtungen „IndukTionsanlagen“ für Schwerhörige  installiert, die ohne diese Voraussetzung nicht genutzt werden können. Solche Anlagen sind im Behindertengleichstellungsgesetz im Sinne der Barrierefreiheit gefordert.
Durch einfaches Umschalten der Hörgeräte auf „T“ (= IndukTion) kann bei Vorträgen, Theater, Veranstaltungen und Auskünften besser und ohne störenden Umlärm verstanden werden. IndukTionsanlagen in privaten Räumen verbessern das Fernsehen und Radiohören, mit indukTiven Halsschleifen kann das Telefonieren mit Festnetztelefonen und Handys  erleichtert werden. IndukTionsanlagen sind bereits in einigen europäischen Ländern standardmäßig vorgeschrieben, auch der Hörgeräteakustiker ist verpflichtet, eine solche Anlage in seinen Verkaufsräumen für Testzwecke installiert zu haben.

-    Funk- und Bluetootverbindung:
Es gibt bereits Hörgeräte, die eine Funk- bzw. Bluetootverbindung direkt vom Hörgerät aus ermöglichen, damit kann man ohne Zusatzgeräte mit dem Handy oder anderen Geräten Verbindung aufnehmen. Darüber sollen beim Akustiker Erkundigungen eingeholt werden und unbedingt ein Test gemacht werden, zumal diese Systeme meist einen „stolzen“ Preis haben.

-    Zusätzliche Hilfsmittel
Hörgeräte allein können nicht in jeder Situation ein optimales Hörergebnis bringen, vor allem dann nicht, wenn es sich um eine höhergradige Schwerhörigkeit handelt. Daher sollten in diesen Fällen Hörgeräte grundsätzlich die Verwendung von zusätzlichen Hilfsmittel ermöglichen, so z.B. IndukTionsschleifen für Telefon und Handys, kleine Funksysteme für Fernsehen, Gruppengespräche und Führungen, Infrarotanlagen für öffentliche Räume und im privaten Bereich, und vieles mehr. Nicht immer lassen sich nämlich schon beim Kauf eines Hörgerätes sämtliche späteren Nutzungen und Bedürfnisse abklären.
Informationen dazu bieten die Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen in den Schwerhörigenvereinen.

Abschließende Bemerkungen:

Die Gewöhnung an Hörgeräte braucht erfahrungsgemäß Zeit, erst nach und nach entsteht die Sicherheit im Umgang. Ein Kommunikationstraining oder Hörtraining ist äußerst empfehlenswert und ist quasi die „Fahrschule“ für Hörgeräte. In der Angewöhnungsphase ist ein stundenweiser Einsatz sinnvoll. Das Ziel muss aber immer die ständige und regelmäßige Benützung der Hörgeräte sein, wird das Hörgerät nur zeitweise und nur in bestimmten Situationen (Besuch, Theater, Fernsehen o.ä.) benützt, kann sich das Gehör nicht richtig gewöhnen und der gewünschte Erfolg ist nur schwierig zu erzielen.
Auftretende Druckstellen durch Ohrpassstücke sollten Sie rasch vom Akustiker abklären lassen, zur Vorbeugung gibt es auch spezielle Salben (z.B. Otoginkutan). Bei auftretenden Entzündungen wenden Sie sich aber sofort an Ihren HNO-Arzt.

Nicht vergessen werden darf die regelmäßige Pflege und Reinigung der Hörgeräte.  Nässe und Feuchtigkeit schaden den Geräten besonders. Ihr Hörgeräteakustiker ist Ihnen bei der Wartung ihrer Hörgeräte behilflich und nimmt auch die notwendigen Prüfungen und Nacheinstellungen der Geräte vor. 

Bei weiteren Fragen und Problemen wenden Sie sich an einschlägige Vereine, Selbsthilfegruppen oder an andere Hörgeräteträger, die ihnen gerne über den Alltag mit Hörgeräten berichten.

 


Zusammenstellung und Bearbeitung: Hans Neuhold
Veröffentlicht in Zusammenarbeit mit der Steiermärkischen Gebietskrankenkasse im Jahr 2011

Österreichische Schwerhörigen Selbsthilfe ÖSSH
Tel: 0681 / 207 470 56
Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! 
Homepage: www.oessh.or.at 




Altersschwerhörigkeit

Wenn auch manche Fachleute meinen, es gäbe eigentlich keine Alterschwerhörigkeit, so  sprechen Statistiken sehr wohl von einer Zunahme der Schwerhörigkeit im Alter.
Wie dem auch immer sei, grundsätzlich wissen wir alle:

Hören ist wichtig

Unser Gehör ist das intellektuellste und sozialste unserer Sinnesorgane.  Der Mensch als soziales Wesen geht mit dem Verlust des Gehörs seelisch zugrunde.
Beim Hören (wie auch beim Sehen) handelt es sich um „umweltbezogene“ Fähigkeiten.

Beim Hören in erster Linie um die Wechselwirkung mit der sozialen Umwelt. Das Hören kann als Fernsinn bezeichnet werden, der es möglich macht, Informationen über Ereignisse in der näheren und ferneren Umgebung wahrzunehmen: Alarmierung, Orientierung, Emotionale Empfindungen (Stimmen, Menschen, Botschaften..), Kommunikation und die Begegnung mit anderen....

Unser Ohr arbeitet rund um die Uhr, ist ständig wachsam, liefert uns wichtige Informationen aus dem jeweiligen Umfeld und aktiviert unser Gehirn.

Unser Gehör liefert somit die Voraussetzung für eine Beziehung unter Menschen, denn „ohne die Stimme zu hören erfahren wir nur einen Teil dessen, was uns mitgeteilt werden soll“

Unser Hören bestimmt in vieler Hinsicht unser gesamtes Leben

Gerade im älter werden findet der Mensch Ruhe und Gelegenheit, sich der Begegnung mit anderen zu widmen und sich in Gesprächen auszutauschen. Der ungezwungene Plausch am Stammtisch und im Kaffeehaus, das Treffen mit FreundInnen, ein Vortrag über Hobbys oder Inhalte, die einem schon lange beschäftigen, kleine und größere Reisen, die man gerne mit anderen genießt. Man findet Zeit, sich mit den Sorgen und Bedürfnissen der Kinder und Kindeskinder auseinanderzusetzen und ist ein gesuchter Partner, der eben Zuhören kann. 
Das setzt aber voraus, dass das Gehör funktioniert und so die Kommunikation mit Menschen ohne große Anstrengung ermöglicht.
Denn mit jeder Einschränkung im Hören beginnt ein Rückzug aus der Welt der Gemeinschaft, man fühlt sich als Partner beschränkt und empfindet sich nicht mehr ernst genommen. Stückweise wird die bisher erlebte Welt verloren, Unsicherheit tritt ein, wenn die immer lautloser werdende Umgebung keine Signale mehr zulässt, die der Warnung und eigenen Sicherheit dienen.

Was versteht man unter Altersschwerhörigkeit?

Altern – verstanden als eine Vielzahl von normalen Rückbildungsvorgängen, welche die Anpassungsfähigkeit und Reservekapazitäten im psychosozialen und medizinisch-biologischen Bereich zunehmend einschränken - weist im Ablauf erhebliche individuelle Unterschiede auf, die zu einem sehr unterschiedlichen Leidensdruck führen können.

Altersschwerhörigkeit (=Presbyakusis) wird daher nach dem Ausschließungsprinzip bestimmt: Liegt ab einem gewissen Alter  (ca. ab 60 Jahren) eine an beiden Ohren gleichermaßen betreffende dauerhafte Schwerhörigkeit im Innenohr vor, welche die hohen Frequenzen betrifft und können andere Ursachen ausgeschlossen werden (z.B. Lärmtrauma, Infektion, Folgen von Sucht, u.dgl.), dann kann die Schwerhörigkeit als eine altersbedingte Schwerhörigkeit eingestuft werden.
Fast jeder Alternde wird irgendwann einmal (für ihn und andere erkennbar) von einer Verschlechterung beim Hören und Sehen betroffen sein. Während die  Verordnung einer Brille toleriert wird, landen Hörgeräte sehr rasch in der Schublade. Erst wenn erhebliche Störungen erreicht werden, Gespräche nicht mehr verfolgt werden können, Orientierungsstörungen eintreten, ist man bereit Hilfen anzunehmen. Das kann aber schon zu spät sein.

Die Höreinbussen im Alter berühren vor allem zwei Aspekte:

a)    die lautsprachliche Kommunikation mit anderen Menschen ist behindert:

Man hört zwar noch einiges, aber man versteht nicht mehr. Die Äußerungen der anderen werden als undeutlich und schwer verständlich beschrieben. Das Verstehen erfordert eine hohe Konzentration und es müssen alle sonstigen Informationen (Kontext, Lippenbewegungen, Gesichtsausdruck, Körperhaltung...) herangezogen werden. Dennoch ist zu befürchten, falsch zu verstehen und wiederum falsche Antworten zu geben. Man meint, Schwerhörige können das doch sagen, aber das mangelnde Selbstbewusstsein und die (Un)geduld des Gesprächspartners setzen hier Grenzen. Diese schwierige Lage schwerhöriger Menschen lässt sich dadurch kennzeichnen, dass sie im Gespräch gegen grundlegende Gesprächs-Regeln verstoßen.

Die Regel der Anknüpfung sagt, dass Gesprächsbeiträge aufeinander bezogen sein sollten und die Regel der Sparsamkeit fordert, sprachliche Mitteilungen so kurz wie möglich zu halten. 
Schwerhörige verstoßen meist gegen eine dieser Regeln: Fragt ein Schwerhöriger nach, um sicherzustellen, dass er verstanden hat, verstoßt er gegen die Sparsamkeit und macht vielleicht den Gesprächspartner ungeduldig. Versucht er aber nur mit dem Gehörten und den Zusatzinformationen zu verstehen, so entsteht die Gefahr, nicht richtig zu verstehen und falsche Antworten zu geben. Damit werden Alltaggespräche mühsam und der Schwerhörige zieht sich erschöpft und frustriert aus weiteren ähnlichen Kommunikationsvorgängen zurück.
Somit greift die Schwerhörigkeit tief in die Lebenssituation ein. Soziale Kontakte, Partnerschaften und Freundschaften sind belastet. Freizeitaktivitäten werden aufgegeben. Schwerhörigkeit wird zur Bedrohung des Selbstwertgefühls. Gerade die Folgen der Schwerhörigkeit im Erwachsenenalter sind nicht selten psychosomatische Beschwerden, Depressionen und Selbstwertkrisen.

b)    die Orientierung in der Welt der Laute ist eingeschränkt

Es ergeben sich Schwierigkeiten, eine Situation als akustisches Umfeld zu erfassen.  Alltägliche Hintergrundgeräusche, wie der surrende Kühlschrank, spielende Kinder im Hof, Türklingel und Telefon verschwinden. Im Straßenverkehr ergeben sich Un-sicherheiten, das Herannahen von Autos und Fahrräder wird nicht oder zu spät gehört. Die Fähigkeit, sich im Raum zu orientieren und Geräuschquellen zu lokalisieren, verringert sich. Auch die emotional-ästhetischen Zusammenhänge von Musik, Klängen, sprachliche Darstellungen können kaum mehr als solche empfunden werden. Aufgezwungene Stille tritt ungewollt an ihre Stelle.

Was sagt die Statistik?
Höreinbussen sind die häufigste chronische Einschränkung, die mit dem Alter verknüpft ist. Etwa ein Drittel aller über 65jährigen ist davon betroffen, Männer (32,5%) stärker als Frauen (26,7%). Englische Studien berichten von 36,8% Schwerhörigen bei den 61-70jährigen, dies steigt bei den 71-80jährigen auf 60,2%. Ein nicht unerheblicher Teil (17%) klagt über Ohrgeräusche (Tinnitus). Besonders bei Heimbewohnern ist die Schwerhörigkeit ausgeprägter, es wird geschätzt, dass 45-75% davon mittlere bis schwere Hörverluste aufweisen. 
Insgesamt ist die audiologische Rehabilitation (hörbedingte Wiederherstellung) im Alter problematisch, in einer amerikanischen Studie wird der Versorgungsgrad mit Hörgeräten nur mit 25% angegeben und nur etwa die Hälfte der älteren Hörgerätebesitzer nutzen die Geräte täglich und ganztägig. Auch in Österreich ist es nicht anders.


Was kann getan werden?
Schwerhörigkeit im Alter ist nicht durch vorbeugende Maßnahmen zu verhindern. Es können somit nur Rehabilitationsmaßnahmen angewendet werden, nämlich die
Anpassung von Hörgeräten.
Zwar ist ein „normales“ Hören mit Hörgeräten nicht möglich, dennoch bleiben Hörgeräte die einzige Chance und Möglichkeit einer Hilfe.

Der gemessene Hörverlust ist aber nicht der einzige Faktor bei der Beurteilung der Schwerhörigkeit, das Ausmaß der Beeinträchtigung ist immer von der Lebenssituation und dem Bewältigungsverhalten abhängig.
Ein großer Teil der älteren Menschen unterschätzt den eigenen Hörverlust, sie vergleichen oft mit anderen Behinderungen und meinen, selbst noch gut dran zu sein („Sei froh, dass du nicht blind bist“ und „Sei froh, dass du nicht alles hörst“).
Andererseits gewöhnen sie sich an den meist schleichenden Hörverlust und passen sich an. Sie vermissen verloren gegangene Eindrücke vorerst gar nicht.
Das hat natürlich Konsequenzen: Wer keine Hilfe braucht, sucht sie auch nicht, viele gehen daher zu keinem HNO-Arzt und wollen auch kein Hörgerät. Und selbst wenn sie eines hätten, würden sie es kaum oder gar nicht tragen.

1.    Hörgeräte – Bewältigung und Nutzen

Zuallererst ist ein Besuch beim HNO-Arzt unumgänglich, nur er kann feststellen, welche Art der Schwerhörigkeit vorliegt und andere Ursachen ausschließen. Danach folgt in vielen Fällen die Verordnung von Hörgeräten.
Nur eine frühzeitige Hörgeräteversorgung ermöglicht, dass für den Betroffenen die Kommunikation und seine soziale Integration erhalten bleibt.  
Eine zu späte Hörgeräteversorgung kann zu Degenerationsprozessen führen, erschwert eine Rehabilitation, durch die über längere Zeit reduzierte Aktivierung des zentralen Nervensystems kann es auch zum teilweisen Ausfall der zentralen Sprachverarbeitung führen. 
Ein wesentliches Problem ist die Handhabung der Hörgeräte, insbesondere bei Sehschwäche und Problemen mit der Feinmotorik (Hände). Viele ältere Menschen geben in Bezug auf geringe Verwendung der Geräte vor allem  den unzureichenden Nutzen der Geräte an. Auch eine Aufpreiszahlung bei der Hörgeräteanschaffung ist für Menschen mit geringen Einkommen ein Problem, sie müssen sich demnach mit den einfachsten Hörgeräten zufrieden geben.
Das Trageverhalten stabilisiert sich nach etwa 6 Monaten, jene Personen, die Hörgeräte häufig nutzen, profitieren davon auch am meisten und kommen damit auch am besten zu recht (Gewöhnung!). Auch die Ermutigung (ohne Zwang!) durch das soziale Umfeld spielt eine große Rolle, wenn auch die Zufriedenheit eher von der Person und von den technischen Problemen mit dem Gerät abhängen.
Daher spielen der Prozess der Hörgeräteanpassung und die realistische Einschätzung der Hörgeräte eine wesentliche Rolle. 

Das „unsichtbare“ Hörgerät: Auch ältere Menschen meinen oft, ihr Hörgerät soll auf keinem Fall sichtbar sein. Aber Schwerhörigkeit nimmt man zuerst aufgrund der schwierigen Kommunikation wahr, egal ob man Hörgeräte sieht oder nicht. Zudem ist es vom Vorteil, wenn Hörgeräte sichtbar sind, damit sich andere eher auf einen besseren Umgang im Gespräch einstellen können. Maßgeblich ist letztlich nur, inwieweit das jeweilige Hörgerät den besten Nutzen bringt und nicht der kosmetische Gesichtspunkt.

Die Entscheidung zwischen einem Im-Ohr-Gerät (IO) oder einem Hinter-dem-Ohr-Gerät (HdO) muss immer von der Leistung und der bestmöglichen Handhabung und Hilfestellung her entschieden werden. Bei Versorgung mit HdO-Geräten spielt die gut angepasste Otoplastik (Ohrpassstück) eine große Rolle. Generell sind HdO-Geräte leistungsstärker, leichter bedienbar, besser zu reinigen und haben zudem alle Möglichkeiten für die Verwendung von Zusatzhilfen. 

Funk- und Fernsteuerung, Automatik: Auch bei digitalen, automatischen und mehrkanaligen Hörgeräte muss sicher gestellt sein, dass Hörgeräte in verschiedenen Kommunikationssituationen auch unterschiedlich genutzt werden können. Daher sollten Fernsteuerungen und manuelle Einstellungen auch bei den vollautomatischen Geräten möglich sein. Eine Funksteuerung kann eine große Hilfe bei fehlender Motorik sein.  „Kein Hörgerät ist so intelligent wie sein Träger und entscheidend ist immer das subjektive Empfinden des Betroffenen“.

Zusatzhilfsmittel, Induktion: Auf einen Audioeingang (bei allen HdO-Geräten vorhanden) ist zu achten, ebenso soll eine leistungsfähige IndukTionsspule vorhanden sein, um die immer mehr vorhandenen diesbezüglichen Hilfsmittel und Höranlagen in öffentlichen und privaten Räumen zu nutzen. Hier sind die IO-Geräte eindeutig im Nachteil. Generell sollte bei einer Versorgung schon die Verwendung späterer Hilfsmittel mit gesehen werden, wie: Audioeingang, Induktion, Funksysteme, Verbindungen mit externen Mikrofonen, Richtmikrofone, usw.....

Hörtraining und Hörtaktik: Während und im Zuge der Anpassung sind dem Betroffenen auch erste Anleitungen zu einem Hörtraining zu geben und es ist ihm klar zu machen, dass er auch mit dem Hörgerät eine Hörtaktik entwickeln muss, um selbst die Kommunikation zu verbessern. Unter Hörtaktik versteht man die Strategien, die der Schwerhörige anwendet, um sein Hörvermögen in der Kommunikation mit seiner Umgebung optimal zu nutzen. Dazu kommen mit dem Hörgerät, die Gewöhnung an die veränderten akustischen Verhältnisse hinsichtlich Klangfarbe und Lautstärke, die Gewöhnung an den alltäglichen Umgebungslärm.
Das Hören mit dem Hörgerät – vor allem bei einer späten Versorgung – entspricht nicht immer den bisher gewohnten akustischen Klangbildern im Hörbahnsystem. Es muss also vielfach neu erlernt werden. Besonders die neu dazukommenden Klänge, Töne und Geräusche.
Derartige Leistungen des zentralen Hörbahnsystems sind aber trainierbar und  bedürfen einer Unterstützung im Rahmen eines Hörtrainings (Differenzieren und Erkennen von Geräuschen, Verstehen von Sprache, Wörtern und Silben, Erkennen eines Signals, Sprache oder spezielle Geräusche, Störgeräusche, Richtungshören).
Ein Hörtraining führt zu einer Verbesserung der Sprachwahrnehmung und zu einer vergrößerten Akzeptanz der Hörgeräte. Eine gute Hörtaktik erleichtert dem Schwerhörigen ebenso den Umgang mit seiner Umgebung.

Ratschläge für Angehörige und Betreuer:

 

- Erklären Sie Betroffenen den Sinn eines Hörgerätes, üben sie keinen Zwang aus
- Wesentlich ist, dass der Betroffene schon in der Probephase einen positiven Effekt
mit Hörgeräten verspürt, ansonsten raten Sie zu anderen Geräten
- Begleiten Sie Betroffene bei der Hörgeräteanpassung, lernen Sie selbst mit dem
Gerät umzugehen (Batteriewechsel, Programmschaltungen, Reinigung…)
- Üben Sie mit dem Betroffenen, indem Sie ihm z.B. von der Seite kurze Ausschnitte aus einer     Zeitung vorlesen
- Fordern Sie nicht Leistungen ein, die erst langsam erreichbar sind


Ratschläge für die Betroffenen selbst:

 

- Haben Sie Mut, möglichst rasch ein Hörgerät zu probieren, wenn Sie oder andere Ihre Schwerhörigkeit bemerken
- Haben sie keine Scheu, verschiedene Hörgeräte zu probieren, Sie haben das Recht, jedes Hörgerät mindestens 4 Wochen gratis zu testen. Entscheiden Sie sich nicht voreilig.
- Nur Sie als Betroffener können entscheiden, welche Geräte für Sie vom Nutzen sind, denken sie auch an die spätere Nutzung von Zusatzhilfsmittel
- Erproben Sie ihre Hörgeräte in allen möglichen Situationen Ihres Alltags, achten sie auf die einfache Handhabung der Geräte
- Gehen Sie öfters zu Ihrem Akustiker, wenn Sie bemerken, dass Töne und Geräusche fremd oder zu laut klingen oder Sie in gewissen Situationen weiterhin nicht verstehen, das kann meist durch weitere Einstellungen gelöst werden
- Sagen sie es ruhig ihren Mitmenschen, dass Sie ein Hörgerät tragen, nur so können sich die anderen auf Sie einstellen
- Hörgeräte sind keine Schande, so wie auch Ihre Brille helfen sie Ihnen  „dazugeHÖREN“

 
2.    Der Umgang mit Schwerhörigen

Die Belastung durch Hörprobleme im Alter kann durch verschiedene Methoden und Unterstützungen zwar nicht gelöst, wohl aber gemildert werden.  
Gerade weil Hören die wesentlichste Grundlage jeder Kommunikation ist, kann die Bewältigung einer Schwerhörigkeit nur von beiden Seiten realisiert werden – nämlich durch ein hörtaktisches Verhalten des Schwerhörigen (auf Schwerhörigkeit hinweisen, Raumpositionen, um Wiederholung bitten, Hörgeräte sichtbar tragen, Gesichtabsehen, kein Verstehen vortäuschen u.a.) und das Berücksichtigen wichtiger Regeln im Umgang mit Schwerhörigen (nicht von hinten ansprechen, Nebengeräusche meiden, langsam und deutlich sprechen, nicht schreien, geduldig bleiben, das Gesicht zuwenden, u.a.).

Das soziale Umfeld (Partner, Angehörige, Pflegepersonal…) kann eine Hilfe bei der Bewältigung von Problemen sein, aber auch eine Quelle von Belastungen, wenn emotionale Bedürfnisse unterschätzt werden und es um bloßes Hören geht.  Gutgemeinte Ratschläge, die nicht auf das Bedürfnis der Person eingehen, haben negative Aspekte. Die Akzeptanz der Hörprobleme ist besonders schwierig, weil Höreinbussen eine Bedrohung für das Selbstwertgefühl sind, daher auch die starke Tendenz der Verleugnung. Die Reaktion der Umgebung ist dabei von großer Bedeutung. Wird das Hörproblem vom Betroffenen ständig verleugnet, löst dies bei Freunden und Angehörigen Ärger und Frustration aus. Häufig wird auch mit Unverständnis reagiert (Das wird doch möglich sein! Du willst ja nicht hören!). Das wird vom Betroffenen als zusätzliche Belastung erlebt.
Entgegenkommendes Verhalten wird nicht immer akzeptiert: Einerseits gelingt die Unterstützung durch andere nicht immer im selben Ausmaß, andererseits empfindet der Betroffene die Unterstützung oft als Bedrohung und Einschränkung seiner Selbstständigkeit.

Eine Unterstützung durch andere bleibt eine „Gratwanderung zwischen Stützung und Kränkung“. Dabei gilt: Je enger die Beziehung, umso größer ist der Einfluss der Hörprobleme auf die Beziehung. Partner finden die dauernd notwendige Unterstützung als Belastung, daher ziehen sich Betroffene zurück, möchten nicht als  Last empfunden werden und sich selbst Frustrationen ersparen. Angehörige versuchen dagegen häufig auf den Betroffenen einzuwirken, dass endlich Maßnahmen - wie z.B. eine Hörgeräteanschaffung – ergriffen werden.

3.    Raumakustik

Gerade weil Nebengeräusche Gespräche mit Schwerhörigen enorm behindern, sollten für die Kommunikation Räume gewählt werden, die einen geringen Nachhall aufweisen. Glatte Wände, Böden und viel Glas sind extrem hallig und machen eine Kommunikation schwierig. Sowohl private als auch Räume in Heimen sollten daher raumakustisch gedämmt sein bzw. werden.

4.    Telefonbenützung und Alarmierung

Gerade ältere Menschen möchten mit ihren Angehörigen und Freunden auch  telefonischen Kontakt halten. Wenn dies aufgrund der Schwerhörigkeit nicht mehr gelingt, gibt es eine Reihe von zusätzlichen Hilfsmitteln und spezielle Telefonapparate, die im Zusammenwirken mit gut angepassten Hörgeräten neue Möglichkeiten schafften. Dadurch wird die Selbstsicherheit und die Eigenständigkeit gefördert.  Ebenso gibt es eine Vielzahl von Weck- und Alarmierungsgeräten, mit denen ältere Menschen ihre Selbständigkeit bewahren können.

5.    Höranlagen

Höranlagen in privaten Räumen (z.B. im Wohnzimmer für Fernsehen) oder in den diversen Aufenthalts- und Versammlungsräumen in Seniorenheimen sind eine weitere große Hilfestellung für ältere Schwerhörige. Am ehesten eigenen sich dafür so genannte Induktionsanlagen, die ohne Zusatzgeräte mit dem eigenen Hörgerät nutzbar sind. Es ist lediglich auf das Induktionsprogramm umzuschalten. Allerdings ist  dies nur mit HdO-Geräten möglich!. 
Eine Induktionsspule im Hörgerät ermöglicht heute schon in vielen öffentlichen Einrichtungen (Informationsbüros, Vortragsräume, Banken, Theater, Kino usw.) ein besseres Verstehen. Im Zuge des Behindertengleichstellungsgesetzes werden in den nächsten Jahren noch viele solche Höranlagen errichtet werden.
Für spezielle Bedürfnisse gibt es auch Funksysteme mit sehr kleinen, am Hörgerät ansteckbaren Empfängern. Voraussetzung dafür ist ebenso ein HdO-Gerät mit einem Audioeingang. Solche Systeme sollten vor einem Kauf ausreichend getestet werden.

6.    und ohne Hörgeräte?

Es gibt Situationen (Bettlägerigkeit, Untersuchungen, zu späte Versorgung…), bei denen ein Hörgerät keine Hilfe mehr bewirkt. Aber selbst in diesem Fall kann man auf so genannte „Kommunikatonsgeräte“ (Kopfhörer in Verbindung zu einem Mikrofon) zurückgreifen, die einen Hörkontakt ermöglichen. Solchen Geräte können ebenso in Verbindung mit einer bestehenden Induktionsanlage eingesetzt werden.

7.    Hilfen für Heime und Pflegepersonal:

In Seniorenheimen und ähnlichen Einrichtungen sollten nicht bloß notwendige raumakustische und raumtechnische Maßnahmen getroffen werden, sondern auch das Personal ausreichend über den Umgang mit Schwerhörigen sowie über den Einsatz technischer Hilfen unterrichtet werden. 

Schlussbemerkung:

Das Thema Alterschwerhörigkeit wird uns voraussichtlich alle einmal persönlich oder im Zusammenhang mit Angehörigen betreffen. Altersschwerhörigkeit beeinträchtigt eben nicht nur die Hörgeschädigten selbst, sondern immer auch deren Familien, Freunde und Betreuungspersonal, die nach Möglichkeiten einer gelingenden Kommunikation suchen.
Mit dem Hören ist zwangsläufig das „DazugeHÖREN“ verbunden und dafür lohnt es sich alle Chancen – gerade im Älterwerden - zu nützen.


Verwendete Literatur:
Clemens Tesch-Römer, Schwerhörigkeit im Alter, Belastung, Bewältigung, Rehabilitation, Median-Verlag 2001, Buchreihe audiologische Akustik Bd.3

Zusammenstellung und Bearbeitung: Hans Neuhold im Jahre 2011

Österreichische Schwerhörigen Selbsthilfe ÖSSH
Tel: 0681 / 207 470 56
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