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§ Rechtliches, & Soziales und $ Wissenswertes rund um das Hören und Schwerhörigkeit

Zu vielgefragten Themen stellen wir unsere umfangreiche Artikelserie zu Recht, Soziales und Wissen zur Verfügung. Dazu benötigen sie den passenden PDF Reader/Viewer. Alle Artikel wurden in der Vereinszeitung EINKLANG publiziert, welches 1x im Jahr heraus gegeben wird. Für Mitglieder ist die Zeitung kostenlos. Jahresbeitrag 20 Euro.

 

- Hörgeräte im Ausland deutlich günstiger
Unser Artikel vom Vorjahr 2015 "Hörgeräte für ein halbes Auto oder Die Grundversorgung ohne Zuzahlung" hat grosse Wellen geschlagen. Es erreichen uns immer wieder Anfragen, wie man zu günstigeren Hörgeräten kommt. Der Erfahrungsbericht eines Betroffenen, die deutlich günstigeren Hörhilfsmittel im benachbarten Ausland zu kaufen, veranlasst zunehmend mehr aktive Betroffe, sich Vergleichsangebote aus dem Ausland einzuholen. Die Ergebnise sind durchwachsen. -> steht Ende 2017 zum Download zur Verfügung

- CI-Versicherung bei Allianz Elementar VersicherungsAG
Seit März 2016 gelten bei der CI-Geräteversicherung neue Vertragsbedingungen, dessen Auswirkungen sich die Betroffenen bewusst sein sollen. Besser geworden sind die neuen Vertragsbedingungen nicht. aus Einklang Ausgabe 2016 -> hier zum Artikel

- Softwaresperre der Hörgeräte - Ein neuer Trend?
Ausgesperrt - Das System verlangte eine Zugangscode... von Harald Pachler aus Einklang Ausgabe 2016 -> hier zum Artikel

- Das Land sucht tausend Tester
Ein modernes Märchen .....von Hearleaks aus Einklang Ausgabe 2016 -> hier zum Artikel

- Wenn einfache Leute etwas zu verbergen haben
Normaleweise bin ich was Werbung betrifft fast immun. Aber..... von Hearleaks aus Einklang Ausgabe 2015 -> hier zum Artikel

- Induktives Hören - ein weltweiter Standard
Die Problematik, Die Technologie, Das Grundprinzip, Vorteile für die Betroffenen, Kennzeichnung, Einsatzgebiete und Beispiele, Errichtung von Anlagen - was ist zu beachten? Das Paradoxon der induktiven Umsetzung, Vor- und Nachteile von verschiedenen Hörhilfen, Häufig gestellte Fragen, Diese winzige Kleinigkeit hilft!, Conclusio. Bestehen Sie darauf..... von HARALD PACHLER aus Einklang Ausgabe 2015 -> hier zum Artikel

- Der Vergleich Batterie versus Akku
Batterie oder Akku, was ist besser? Wo liegen die Unterschiede in der Praxis? von HARALD PACHLER aus Einklang Ausgabe 2015 -> steht Ende 2016 zum kostenlosen Lesen zur Verfügung.

- Das Behindertengleichstellungsgesetz (BGStG)
Ab 01.01.2016 ist die Barrierefreiheit überall Pflicht. Was bedeutet das für die Hörbeeinträchtigten? von HARALD PACHLER aus Einklang Ausgabe 2015 -> hier zum Artikel

- Hörgeräte für ein halbes Auto? oder Die Grundversorgung ohne Zuzahlung?
Was ist eine Grundversorgung und was deckt sie ab? Und wie kommt es dass Hörgeräte so viel kosten können wie ein halbes Auto? von HARALD PACHLER aus Einklang Ausgabe 2015 -> hier zum Artikel

- Alles rund um das Cochlea Implantat
Im Alltag, beim Doktor - eine umfangreiche Zusammenstellung praxisnaher Tipps von HARALD PACHLER aus Einklang Ausgabe 2013 -> hier zum Artikel

- Einbehalte, Vorbehalte, Selbstbehalte - Ihr Weg zu einem günstigen Hörgerät
In der Hörgeräteversorgung erreichen uns immer wieder ungläubige und erboste Anfragen, wenn Betroffene immer wieder mit unerwarteten Selbstbehalten - und dies bis zu einigen tausend Euro (!) konfrontiert werden. Früher hat es Selbstbehalte kaum gegeben. von Hearlinks aus Einklang Ausgabe 2013 -> hier zum Artikel

- Welcher Arzt ist zuständig für das Ausfüllen von Rehabilitationsanträgen?
Bei der Erlangung von Unterschriften auf Formularen merkt man oft, dass der Amtsschimmel nichts mit einem galoppierenden Pferd zu tun hat, der Schimmel als Pferd aber auch nichts dafür kann. von HANS NEUHOLD UND MARTIN SCHWARZ aus Einklang Ausgabe 2013 -> hier zum Artikel

- Der VwGH macht den Verzicht auf eine "Begünstigung" nach Behinderteneinstellungsgesetz möglich.
Seit September 2007 begehrt eine begünstigt behinderte Person die „Streichung aus dem Kreis der begünstigten Personen“. Begründend erläuterte der Beschwerdeführer ausführlich, dass die Zugehörigkeit zum Kreis der begünstigten Behinderten seine Arbeitssuche erheblich erschweren würde. von HANS NEUHOLD, aus Einklang Ausgabe 2012 -> hier zum Artikel

- Hörgeräteversorgung nach Punkt und Beistrich
Wer wusste schon, dass die Hörgeräteversorgung eigentlich sehr genau geregelt ist?
Dass es ein Abkommen zwischen dem Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger
und der Bundesinnung der Augenoptiker, Orthopädietechniker, Badagisten und Hörgeräteakustiker gibt? Diese Verlautbarung Nr. 730 aus dem Jahr 2010 liest sich nicht unbedingt einfach. Aus Platzgründen verweisen wir nur auf einige wichtige Passagen für Betroffene (=Konsumenten) von HARALD PACHLER aus Einklang Ausgabe 2011 -> hier zum Artikel

- Kostenersätze, Zuschüsse und Förderungen für Hörhilfsmittel sowie Sonderfall Cochlea Implantat (CI) Versorgungen
Eine Aufstellung, wo welche Finanztöpfe sitzen, wenn Hörhilfsmittel benötigt werden.
Im Hörgeräte-Gesamtvertrag ist die Versorgung bzw. Nachversorgung von Cochlea Implantaten inkl. Sprachprozessor und Zubehör in keiner Weise beschrieben bzw. gesichert. Es gibt somit keine Grundsätze! von HARALD PACHLER aus Einklang Ausgabe 2011 -> hier zum Artikel

- Einschätzungsverordnung
Mit 1. September 2010 sind die Änderungen des Behinderteneinstellungsgesetzes (BEinstG) und gleichzeitig eine neue Einschätzungsverordnung zur Feststellung des Grades der Behinderung in Kraft getreten. von HARALD PACHLER aus Einklang Ausgabe 2011 -> zum Artikel

- Wissenswertes über ein Cochlea-Implantat (CI)
Ein Cochlea-Implantat gibt vielen hörgeschädigten Menschen berechtigter Weise Hoffnung. Manchmal
wird das Cochlea-Implantat in Artikeln und Presseberichten als „Wunderwerk“ angepriesen und es
entsteht der Eindruck, nach einer solchen Operation seien alle Probleme gelöst und die Schwerhörigkeit endgültig besiegt. Hier sollte man der Ehrlichkeit willen aber etwas besser differenzieren. Mit folgenden Hinweisen möchten wir ein wenig zur Objektivität beitragen, Hintergründe aufzeigen und Kriterien für eine persönliche Entscheidung anbieten:
von HANS NEUHOLD, SISSY HAWLE, HARALD PACHLER aus Einklang Ausgabe 2011 -> hier zum Artikel

- Hinweise zur Hörgeräteversicherungen
Aus einem Bericht der Zeitschrift Konsument 1/2010 von SISSY HAWLE und HARALD PACHLER aus Einklang Ausgabe 2010 -> hier zum Artikel

- Das erste Hörgerät ihres Kindes
Wenn ihr Kind an Gehörverlust leidet und das erste Hörgerät angeschafft werden soll, sollten Sie
sicherstellen, dass das Gerät den Bedürfnissen Ihres Kindes gerecht wird. -> zum Artikel

- Grundsätzliches zur Versorgung mit Hörgeräten
Wissenswertes und Interessantes zum diesem vielbefragtem Thema, vom SISSY HAWLE aus Einklang Ausgabe 2010 -> hier zum Artikel

- Steuertipps für Schwerhörige
Außergewöhnliche Belastung für Hörgeräte- und CI-Träger im Rahmen der Arbeitnehmerveranlagung. von DR. HANS GÜRTL aus Einklang Ausgabe 2010 -> hier zum Artikel

- Was zahlt die Kassa bei Hörgeräten?
Neuversorgungen und Reperaturen, was spielt sich da ab? von SISSY HAWLE aus Einklang Ausgabe 2010 -> hier zum Artikel

- Versicherungen für Sprachprozessoren (Cochlea Implantat , kurz CI)
Hinweise und Überlegungen von SISSY HAWLE aus Einklang Ausgabe 2010 -> hier zum Artikel

 


H Y P E R A K U S I S

Was versteht man unter einer Hyperakusis?
Unter einer  Hyperakusis versteht man eine abnorm gesteigerte mpfindlichkeit auf von außen kommende Geräusche.
Hyperakusis ist nicht identisch mit einem als quälend laut empfundenen subjektiven Tinnitus, bei dem eine externe Geräuschquelle gar nicht existiert.  Aber:  Hyperakusis ist oft mit Tinnitus vegesellschaftet, geht ihm oft voraus, beruht auf ähnlichen „Signalberarbeitungsstörungen“.
Bei der Hyperakusis  besteht eine subjektive Überempfindlichkeit für Geräusche normaler Lautstärke über den gesamten Frequenzbereich.  "Normale Lautstärke" heißt: Geräusche des Alltags ab 70 - 80 dB, "subjektiv"  heißt: die große Mehrheit der Menschen erlebt  diese Geräusche generell nicht als überlaut oder unangenehm.
Bei lauten Geräuschen (etwa 95 -110 dB) kommt es oft reflexartig zu Schmerzempfindungen im Ohr,  Kopf, Nackenbereich sowie vegetative Reaktionen  Ein  schon vorhandener Tinnitus verstärkt sich dabei häufig anhaltend.
Von der Hyperakusis zu unterscheiden ist die Phonophobie, eine subjektive Überempfindlichkeit nur für ganz bestimmte Geräusche normaler oder auch leiser Lautstärke  (z. B.: Stimme eines bestimmten Menschen)


Gibt es mögliche Ursachen für die Hyperakusis?
Gesichert ist das Auftreten einer Hyperakusis  nach akutem Lärmtrauma.  So gibt es Fälle schwerer Hyperakusis nach Rückkopplungspfeifen bei einem Rockkonzert  oder nach dem Losgehen einer Alarmanlage. Die Störung der Lautheitswahrnehmung kann vorübergehend oder andauernd sein.
Für die meisten Fälle von Hyperakusis gibt es keinen nachweisbaren Auslöser.  Wie kommt es überhaupt dazu? Unser Gehirn musste im Laufe der Evolution lernen, auf die verschiedenen Geräusche der Umwelt richtig zu reagieren. Das Erkennen eines Angreifers, das Herausfiltern eines gefährlichen Geräusches aus den harmlosen Umgebungsgeräuschen war für Mensch und Tier überlebenswichtig. Diese Unterscheidung läuft bereits im unbewussten Teil der Hörbahn ab. Sie funktioniert auch heute noch: Wenn wir nachts einen einsamen Weg durch den Wald gehen und plötzlich knackst es hinter uns im Gebüsch, steigen unser Puls und Blutdruck plötzlich an, das „Sympathische Nervensystem“ zeigt erhöhte Aktivität und macht unseren Körper bereit zur Flucht.
Bei der Hyperakusis kommt es offenbar dazu, dass wir auf harmlose Alltagsgeräusche, wie das Knacksen in der Heizung genauso reagieren wie auf eine Bedrohung. Nachdem diese Vorgänge im unbewussten Teil der Hörbahn ablaufen, sind sie auch der einfachen rationalen Aufarbeitung wie  „...das ist doch ein ganz harmloses Geräusch“  nicht zugänglich.
Es sind häufig ähnlich strukturierte Persönlichkeiten wie jene, die an Tinitus leiden, die auch an Hyperakusis erkranken: Personen mit hohem Stresspegel, Personen mit zu hohen Anforderungen an sich selbst sowie ausgepowerte und zu Neurosen neigende Persönlichkeiten.


Welche Rolle spielt Lärm?
Lärm kann als akutes Lärmtrauma eine Hyperakusis auslösen und als chronischer Lärm die Entstehung eines Hyperakusis begünstigen.


Welches sind die Auswirkungen und in welcher Weise beeinträchtigt Hyperakusis die Lebensqualität?
Die betroffenen Patienten empfinden bereits Alltagslärm als unangenehm laut  und beginnen sich schrittweise aus dem Leben außer Haus zurückzuziehen. Zunächst sind es nur bestimmte Situationen, die als unangenehm erlebt werden, wie zum Beispiel die Durchsagen in der Strassenbahn oder ein etwas lauteres Lokal. Bei weiterem Fortschreiten wird die Welt außerhalb der eigenen 4 Wände insgesamt als zu laut empfunden. Im Bestreben nach Linderung verwenden viele Patienten Ohropax und schotten sich damit von Alltagsgeräuschen weitgehend ab. Diese Reizunterdrückung führt aber zur Gewöhnung an die Stille und verschärft das Leiden der Hyperakusis.  Hyperakusis kann im Extremfall bis zur Arbeitsunfähigkeit und Invalidisierung führen.


Welche medizinischen und sonstigen Therapien stehen zur Wahl?
Psychotherapie, Hörtherapie und Körpertherapien werden miteinander kombiniert.


Medikamentöse Therapie:
Der Einsatz von Antidepressiva wird vom Patienten häufig als entlastend erlebt, wobei sich die Entlastung auf die Beeinträchtigung durch die Hyperakusis erstreckt. Ein wirksames generelles Hyperakusismedikament existiert nicht.


Counselling:
Eine gute Aufklärung wirkt beim Patienten entängstigend und kann in einigen Fällen für sich bereits zugewiesene Krankheitswertigkeit beim Patienten reduzieren oder sogar aufheben.

Retraingtherapien nach Jastreboff und Hazell
Retrainingtherapie besteht aus einer Kombination von Beratung (Counselling) des Betroffenen  sowie dem zusätzlichen Tragen  eines  „Rauschgenerators“  an beiden Ohren. Diese kleinen Geräte ähneln äußerlich Hörgeräten und  werden wie diese im oder hinter dem Ohr getragen. Sie erzeugen ein leises breitbandiges Rauschen, so ählich wie ein Meeresrauschen. Durch die langsame Steigerung der Lautstärke wird die Hörbahn „desensibilisert“, das heißt, wieder langsam an Geräusche gewöhnt.
Die Rauschtherapie erhöht den Schallpegel, dem der Patient ausgesetzt wird und den er zunehmend toleriert. Dieses Grundprinzip entspricht dem anfänglich häufig gegebenen Rat: „Stille meiden“


.Weiters eingesetzt werden:
Entspannungsverfahren für Hyperakusispatienten.
Die progressive Muskelrelaxation nach Jacobsen (PMR)
Psychologische Therapie: Cognitive Therapie (Gedanken, Einstellungen, Erwartungen, Gedanken analysieren), Angstmanagement, Biofeedback


Kannn man einer Hyperakusis vorbeugen?
Außer einem gesundem Lebensstil, der Vermeidung von extremen Lärm und der Vermeidung von akustischem Dauerstress gibt es keine vorbeugenden Maßnahmen.


Zusammenstellung und Bearbeitung:

Dr. Hannes Schobel, Facharzt für Hals-,Nasen- und Ohrenerkrankungen,
St Pölten, Grenzgasse 12 / 3.Stock, 3100 St.Pölten, Tel.:02742/354322  Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! 

Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung des Verfassers im Jahr 2011

Österreichische Schwerhörigen Selbsthilfe ÖSSH
Tel: 0681 / 207 470 56
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! 
Homepage: www.oessh.or.at 


 

HÖRSTURZ

Was versteht man unter einem Hörsturz und wie kommt es dazu?
Unter einem Hörsturz versteht man eine aus völligem Wohlbefinden heraus auftretende Innenohrschwerhörigkeit, die sich innerhalb weniger Sekunden oder auch Minuten, selten auch innerhalb von einigen Stunden entwickelt. Fallweise treten auch Ohrgeräusche und Schwindelgefühl dazu. Beim idiopathischen Hörsturz ist die auslösende Ursache unbekannt, eine plötzliche Verschlechterung des Gehörs im Rahmen einer bekannten Grundkrankheit, wie z. B. im Rahmen einer schweren Mittelohrentzündung, eines Morbus Meniere (Drehschwindelerkrankung) oder eines Schädelbasisbruches wird nicht als Hörsturz bezeichnet.

Insgesamt ist unser gesicherter Kenntnisstand über die Ursachen des Hörsturzes immer noch gering. Dies liegt daran, dass das Innenohr am lebenden Menschen nicht direkt untersucht werden kann. Es liegt mitten im härtesten Knochen des menschlichen Körpers, dem Felsenbein verborgen. Während wir heute beispielsweise Herzkranzgefässe mit Kathetern darstellen können oder aus Organen wie Leber und Niere Gewebsproben entnehmen können, ist derartiges beim Innenohr völlig undenkbar.

Nach heutigem Wissensstand kommen folgende Ursachen als Auslöser eines Hörsturzes in Frage:  Virusinfekte, wie z.B. Mumps oder Influenza – Viren, Störungen der Mikrozirkulation im Innenohr, das heißt Störungen der Durchblutung   durch thrombotische oder embolische Gefäßverschlüsse und Spasmen (Gefäßkrämpfe) im Innenohr.

Jeder Hörsturz ist ein Notfall, der möglichst rasch der Therapie zugeführt werden sollte.


Wie erkennt man einen Hörsturz und welche sind die wichtigsten Sofortmaßnahmen?
Der Hörsturz selbst ist für die meisten Patienten anhand des plötzlich nachlassenden Gehörs auf der betroffenen  Seite meist gut erkennbar.  Selbstverständlich kann der Betroffene die Diagnose eines Hörsturzes selbst nicht zweifelsfrei stellen. Bei vielen Patienten, die wegen einer akuten Hörverschlechterung und dem entsprechenden Verdacht auf Hörsturz ärztliche Behandlung aufsuchen, handelt es sich  lediglich um einen Ohrschmalzpfropf, der beispielsweise durch das Baden aufgequollen ist und nun plötzlich den gesamten Gehörgang verschließt. Die entsprechende Symptomatik kann vom Patienten selbst von einem Hörsturz kaum unterschieden werden.
Die wichtigsten Sofortmaßnahmen bestehen in der Regel in der Einleitung einer Infusionstherapie mit rheologisch wirksamen Substanzen, welche die Durchblutung im Bereich der kleinsten Gefäße im Mittelohr (Mikrozirkulation) verbessern. Darüber hinaus werden bei der stationären Therapie gerne auch hochdosiert Kortison und antivirale Substanzen gegeben, da es auch Hinweise auf einen ursächlichen Zusammenhang des Hörsturzes mit viralen Infekten gibt. Ein ganz wesentlicher Faktor bei der Therapie dürfte jedoch auch darin liegen, dass ein Patient, der zur Infusionstherapie stationär aufgenommen wird, automatisch aus seinem beruflichen Umfeld und damit auch seiner beruflichen Stresssituation herausgenommen wird.


Welche Auswirkungen hat der Hörsturz hinsichtlich der Lebensqualität?
Insgesamt hat der Hörsturz mit einer Spontanheilungsrate bis zu 80% eine gute Prognose. Durch die meist rasch eingeleitete medizinische Therapie ist der allergrößte Teil der Hörstürze  reversibel. Sofern aber eine Innenschwerhörigkeit zurückbleibt, sind die Auswirkungen für den Patienten die gleichen, wie bei der sich langsam entwickelnden Innenohrschwerhörigkeit auch:
Die betroffenen Patienten haben Schwierigkeiten, Sprache zu verstehen.  Dies wird besonders deutlich in Situationen  mit geräuschvolleren Umgebung und dann, wenn mehrere Menschen gleichzeitig sprechen. Auch ein mit einem Hörsturz aufgetretenes Ohrgeräusch kann chronisch werden und die Lebensqualität des Patienten dem entsprechend beeinträchtigen.

Welche sind die Langzeittherapien?
Sofern es nicht gelingt, durch die Akuttherapie den Hörsturz zur Remission zu bringen , ist eine Langzeittherapie wenig erfolgversprechend. Gegeben werden gerne die üblichen durchblutungsverbessernden Medikamente in Tablettenform, die auch im Akutstadium infundiert werden. Beim Bestehenbleiben einer Innenohrschwerhörigkeit ist die Rehabilitation des Patienten mittels moderner Hörgeräte anzustreben, diesbezüglich sind die Erfolgsaussichten sehr gut. Die moderne Hörgeräte-Technologie erlaubt heute den Ausgleich fast aller bestehenden Schwerhörigkeiten. Die modernen „Mini-hinter-dem-Ohr“ Geräte sind praktisch unsichtbar zu tragen und erlauben es, dem Patienten jenen Teil des Gehörs in dem die Innenohrleistung noch ausreichend ist, weiterhin zu nutzen und verstärken nur jene Frequenzanteile, die von der Hörminderung betroffen sind.

Warum werden Hörstürze häufiger?
Hörstürze werden heute zweifelsohne besser als früher diagnostiziert. Dies ist auch auf den verbesserten Zugang zur Akutmedizin und der rascheren Durchführung der Audiogramme zurückzuführen. Des Weiteren ist unsere heute sehr lärmende Umgebung und der Stress in vielen Lebensbereichen ein möglicher Auslöser für Hörstürze.

Was kann präventiv unternommen werden, um eine Hörsturz zu vermeiden?
Prinzipiell gibt es zwei auslösende Grundfaktoren, die zu vermeiden sind. Einerseits Stress und andererseits eine chronische Lärmexposition. Auch einseitige und chronische Belastungen der Halswirbelsäule und der Nackenmuskulatur können prädisponierend für eine Hörsturz wirken. Ein gesunder Lebensstil mit entsprechenden Erholungsphasen für das Gehör ist sicher die bestmögliche Vorbeugung gegen einen Hörsturz.

Neigen schwerhörende Menschen eher zu einem Hörsturz?
Hörstürze können sowohl auf Basis eines völlig normalen Gehörs, als auch bei Vorschädigungen des Gehörs auftreten. Insgesamt dürften Hörstürze bei bestehender Vorschädigung des Innenohrs etwas häufiger sein.

Hörsturz: Alternative Therapieformen

1.    H.E.L.P. – Aphersese
Durch die als „H.E.L.P. –Apherese“ bezeichnete Blutwäsche werden dem Blut LDL-Cholesterin, Fibrinogen und Lipoproteine entzogen. Erhöhte Blutwerte dieser Substanzen gelten als Risikofaktoren für einen Hörsturz. Es gibt nun die ersten positiven Studien, die dieser Therapie (nur einmal durchgeführt, Dauer ca. 2 Stunden) eine bessere Wirksamkeit als der üblichen, 14 Tage dauernden Infusionstherapie bescheinigen. Der Hörsturz hat allerdings eine bis zu 80% Spontanheilungsrate, sodass es für eine endgültige Beurteilung dieser Therapie der Hörsturz noch zu früh ist. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.help-bei-hoersturz.de.  Diese Therapieform ist in Deutschland gut etabliert und es gibt zahlreiche Plasmapherese-Zentren. In Österreich wird  diese Therapie selten angewandt.

2.    Hyperbare Sauerstofftherapie
Bei der „Hyperbaren Sauerstofftherapie“ atmen die Patienten in einer Druckkammer reinen Sauerstoff ein, während der Kammerinnendruck langsam erhöht wird. Dadurch wird wesentlich mehr Sauerstoff physikalisch im Blut gelöst. Dies bewirkt, dass die Sinneszellen im Innenohr (Haarzellen), die sowohl für das Hören als auch für die Entstehung von Ohrgeräuschen von entscheidender Bedeutung sind, wesentlich besser mit Sauerstoff versorgt werden.
Voraussetzung für diese Art der Therapie ist, dass der Hörsturz noch nicht zu lange zurückliegt. Die Therapie sollte bei Versagen der standardmäßigen Infusionstherapie  möglichst bald im Anschluss durchgeführt werden. Voraussetzung für die Patienten, die in dieser Druckkammer auf „Tauchfahrt“ gehen, ist, dass sie den Druckausgleich (Anblasen über die Nase und gleichzeitiges Schlucken zur Belüftung des Mittelohres) einwandfrei beherrschen, da es sonst zu einem Drucktrauma des Mittel- und Innerohres kommen kann.
Leider gibt es in Österreich noch keine flächendeckende Versorgung mit Druckkammerzentren und dementsprechende Wartezeiten. Das größte österreichische Druckkammerzentrum befindet sich im Landeskrankenhaus Graz.

 


Zusammenstellung und Bearbeitung:

Dr. Hannes Schobel, Facharzt für Hals-,Nasen- und Ohrenerkrankungen,
St Pölten, Grenzgasse 12 / 3.Stock, 3100 St.Pölten, Tel.:02742/354322  Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! 

Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung des Verfassers im Jahr 2011

 Österreichische Schwerhörigen Selbsthilfe ÖSSH
Tel: 0681 / 207 470 56
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Raumakustik

Räume für das Hören tauglich machen


„Hören führt in die Geborgenheit“ sagt der Philosoph Martin Heidegger.

Wo erleben wir das noch?
Wo gibt es Räume, wo können wir Räume schaffen, die eine Geborgenheit vermitteln, und die uns das Hören und Verstehen ohne hohe Anstrengung ermöglichen?

Die Fähigkeit der zwischenmenschlichen Kommunikation über Hören und Sprechen ist die komplexeste Leistung der menschlichen Informationsverarbeitung überhaupt. Unser Hören ist eine der Sinnesbrücken, durch die der Mensch mit seiner Umwelt in Verbindung steht – oder aufgrund vieler Gegebenheiten eben weniger.
Hören und Verstehen sind verschiedene Bereiche, die aber sich verbinden. Wir hören zB. Lärm, aber deswegen verstehen wir noch lange nicht.

Das Hören und Verstehen in halligen Räumen ist bereits für viele guthörende Menschen ein Problem. Schwerhörige (ob mit oder ohne Hörgeräte) sind je nach Grad ihrer Hörschädigung nicht mehr in der Lage, ihr Gehör gezielt auf bestimmte Tonquellen zu richten und gleichzeitig störende Nebengeräusche einzudämmen oder diese gar auszublenden (selektives Hören). Gute akustische Verhältnisse sind deshalb für uns alle von enormer Bedeutung.

Denn: Kommunikationsräume müssen für alle Menschen geplant und gebaut werden.

Zwei Bereiche sind dafür wesentlich:

- Bauakustik: Die Bauakustik beschäftigt sich mit der Schallübertragung zwischen Umwelt und Gebäude (zB wie laut höre ich im Haus ein vorbeifahrendes Auto, ein über das Haus fliegendes Flugzeug) und der Schallübertragung zwischen den Räumen (zB wie laut höre ich das Fernsehgerät des Nachbarn, die Motoren der Aufzugsanlage, das

Bauakustik1

 

Bauakustik2

Rauschen des Wassers im Badezimmer des Nachbarn). Diese Schallübertragung erfolgt sowohl als Luftschall als auch über Körperschall.

- Raumakustik: Diese beschäftigt sich mit der Ausbreitung der Schallwellen im Raum selbst. Die Art und Weise der Schallausbreitung (Reflexionen, Hall, Echo) bestimmt die Hörsamkeit von Räumen, somit auch das Wohlfühlen in einem Raum. Um eine hohe Sprachverständlichkeit (sowohl in direkter Kommunikation als auch bei der Verwendung von Lautsprecheranlagen) zu erreichen, müssen bestimmte physikalische Forderungen erfüllt sein.
Raumakustik

Anforderungen

Gute akustische Verhältnisse (nicht nur) für Hörbehinderte bedeuten:

- Geringe Hintergrundgeräusche (Beachtung der bau- und  raumakustischen Normen und Richtlinien, Lärmminderung an Maschinen und Geräten)

- Hohe Sprachverständlichkeit durch optimale Abstimmung der wichtigen raumakustischen Faktoren (Absorption, Reflexion, Nachhall)

Bereits durch die Beachtung einiger Faustregeln können recht gute Verhältnisse erreicht werden. Schließlich sind aber in Bezug auf den Fremdgeräuschpegel und die Schallübertragung von Sprechenden zu Hörenden klare und eindeutige Anforderungen zu definieren und zu realisieren.

Dafür gelten die Normen ÖNORM B 8115-3, Schallschutz und Raumakustik im Hochbau, Teil 3: Raumakustik; sowie die Reihe ÖNORM B 1600 ff, Grundlagen des barrierefreien Bauens. Sie sind wichtige Richtlinien für die hörbehindertengerechte Gestaltung.

Bau- und Raumakustik – Planung und Maßnahmen

I.    Freiheit von Störgeräuschen

Normalhörende sind in der Lage, Sprache auch dann noch zu verstehen, wenn der Störgeräuschpegel 5 dB höher ist als das Sprachsignal. Für Hörbehinderte muss aber gefordert werden, dass das Störgeräusch mindestens um 15 dB geringer ist als das Sprachsignal. Da wir nicht beliebig laut sprechen können, und auch als Hörende nicht beliebige Lautstärken ertragen, darf das Störgeräusch eine gewisse Schwelle nicht überschreiten. So soll z.B. in Klassenräumen, Seminar- und Vortragsräumen ein maximaler Umgebungsgeräuschpegel von 30 dB (A) nicht überschritten werden.
Diese Anforderungen beziehen sich auf die Geräusche außerhalb  von Gebäuden (zB. Straßenlärm) und innerhalb des Raumes (zB. Lüftung, Hintergrundmusik, Geschirrspüler, Tellergeklapper, etc.).
Für die spezifische Situation von Räumen/Gebäuden, in denen sich Hörbehinderte aufhalten, sind die um 5 dB erhöhten Anforderungen oder allenfalls speziell zu vereinbarende Anforderungen zu erfüllen. Die Anforderungen sind zusammen mit einem Akustiker zwischen Bauherrschaft und Architekten zu treffen. Die Nutzer (Schwerhörige) müssen ihren Einfluss auf die Bauherrschaft geltend machen und zwar mit allem Nachdruck.
Während bei Schwerhörigkeit in der Stille noch gut verstanden wird, sinkt die Verständlichkeit in mäßigen Störgeräuschen erheblich und bricht im starken Störgeräusch zusammen.
Gerade in Restaurants, Cafés, Speise- und Wartesälen werden die grundlegenden Anforderungen an die Raumakustik sträflich vernachlässigt. Daher ist es um so wichtiger, in diesen Räumen den zwangsläufig vorhandenen Störschall durch verschiedene Maßnahmen (Raumakustik) möglichst gering zu halten.
Hinweis: Auch Musikuntermalung von Texten (sogenannte Hintergrundmusik), wie sie im Fernsehen häufig aus dramaturgischen Gründen eingesetzt wird, ist für Guthörende „interessant“, verschlechtert aber für Schwerhörige die Sprachverständlichkeit erheblich. Leider sind die dafür zuständigen Damen und Herren guthörend, sie verstehen die Sprache zu gut als dass sie Verständnis für die Probleme Schwerhöriger haben könnten.

II.    Raumakustische Verhältnisse

Jeder natürliche Raum (Höhle, Grotte, etc.) und jeder künstlich erschaffene Raum (Büro, Warteraum, Zuschauerraum, Lehrsaal, Bahnhofhalle, etc.) hat aufgrund der Beschaffenheit seiner Raumbegrenzungsflächen (Boden, Wand, Decke) und auch der darin befindlichen Körper (Möbel, Sessel, Vorhänge, Teppiche, Personen usw.) eine ihm eigentümliche Raumakustik.
Im wesentlichen wird die Raumakustik von folgenden zwei physikalischen Parametern bestimmt:

a)    Nachhallzeit : Das ist diejenige Zeit in Sekunden, in der ein Schallereignis im Raum „nachklingt“, d.h.: in der die Schallintensität nach Abschalten der Schallquelle um 60 dB bzw. 1/1000 des Ausgangswertes abnimmt. Für die Sprachverständlichkeit ist eine wesentliche kürzere Nachhallzeit erforderlich als für Musikdarbietungen. Die längste Nachhallzeit wird zB in Kirchen mit Orgelmusik empfohlen.

b)    Hallradius: Für eine gute Sprachverständlichkeit ist es erforderlich, dass der direkte Schallanteil von der Schallquelle (zB Sprecher) größer ist als der vom Raum reflektierte Schall (Hall). Die Entfernung von der Schallquelle, bei der beide Schallanteile (direkt oder reflektiert) gleich groß sind, wird als Hallradius bezeichnet. Durch geeignete raumakustische Maßnahmen wird der Hallradius je nach Verwendung des Raumes optimiert. Darüber hinaus ist es wichtig, Lärm im Raum (Lüftung, PC’s, Nebengeräusche etc.) möglichst zu vermeiden, den je leiser der Raum ist, umso besser ist die Sprachverständlichkeit.

Für die raumakustischen Verhältnisse gibt es je nach Nutzung des Raumes (Unterscheidung zwischen Sprache und Musik, Unterrichtsräume: ÖNORM B 8115-3, DIN 18041, div. EN-Normen) genau definierte Mindestanforderungen. Leider werden die Anforderungen dieser Normen häufig ignoriert, die Folge sind Räume, die für eine Kommunikation nicht geeignet sind.

Für Räume, die vor allem für Sprache genutzt werden, kann wie folgt zusammengefasst  werden:


- Optimale Nachhallzeit einhalten: Für die Beurteilung der Halligkeit von Räumen gibt es die sogenannte Nachhallzeit. Sie kann dank moderner Simulationen bereits im Planungsstadium mit zumeist guter Genauigkeit berechnet werden. In bestehenden Räumen kann sie einfach gemessen werden. Darüber hinaus ermöglichen heute so genannte Auralisationsprogramme einen Raum bereits vor dem Bau hörbar zu machen. Hier wird mittels aufwändiger Algorithmen die Schallausbreitung im Raum berechnet und über Lautsprecher oder Kopfhörer hörbar gemacht.

- Frühe Schallreflexionen fördern: Frühe Schall-reflexionen an der Decke oder an den Wänden sind zu fördern, weil sie die Sprach-verständlichkeit verbessern

- Späte Schallreflexionen dämpfen: Späte Schall-reflexionen beeinträchtigen die Sprachverständlichkeit. Sie werden als Nachhall, als Echo oder sogar als Flatter-echos wahrgenommen. Diese Schallreflexionen sollen daher möglichst gedämpft oder ganz vermieden werden

- Echos und Flatterechos vermeiden: Echos und Flatterechos können mit geo-metrischen Mitteln im Planungsstadium eruiert und damit vermieden werden. Maßnahmen: Geometrisch richtige Lenkung des Schalls, Schallabsorption

- Sprachverständlichkeit: Die hier angeführten Faktoren beeinflussen in weitem Umfang das Maß der Sprachverständlichkeit. Auch für die objektive Beurteilung der Sprach-verständlichkeit gibt es international gültige Normen und Messmethoden.

Reflexion Schall

Die Frage der idealen Nachhallzeit wird wieder stark diskutiert. Definitive Richtwerte sind in den Normen ÖNORM B 8115-3 oder DIN 18041 enthalten.
Im allgemeinen Sprachgebrauch ist die Nachhallzeit die wesentliche raumakustische Kenngröße. Sie erschließt sich jedem Zuhörer als erstes, bei Musikern häufig mit der Tendenz, dass eine längere Nachhallzeit als „bessere Akustik“ eingestuft wird. Dies ist auch der Grund, warum in den Normen zwischen unterschiedlicher Nutzung der Räume unterschieden wird und daher verschiedene Werte der Nachhallzeit definiert sind.
Dies ist besonders wichtig für die Verständlichkeit von Sprache. Hier werden hallige Räume oft beanstandet. Ganz extrem ist die Einstufung durch Personen mit Hörschäden. Schwerhörige Personen empfinden die raumakustische Situation um so günstiger, je kürzer die Nachhallzeit ist. Nach heutiger Kenntnis liegt das Optimum für die Nachhallzeit von kleinen bis mittleren Räumen bei nur 0,4 bis 0,6 s. Die zum Teil älteren Normen werden deshalb derzeit überarbeitet, bzw. wurden schon überarbeitet und den modernen Erkenntnissen angepasst.

Diese Erkenntnis hat zwei Gründe:

Einerseits ist die Nachhallzeit eine Kenngröße dafür, wie schnell die im Raum vorhandene Schallenergie abgebaut wird. Je schneller dieser Energieabbau erfolgt (je größer also die Schallabsorptionswirkung der absobierenden Flächen im Raum ist), desto leiser wird der Raum. Hier ist also auch eine Auswirkung auf die Höhe des Störgeräuschpegels gegeben.
Interessant ist hierzu die häufig zu beobachtende Feststellung, dass in nachhallarmen Räumen (wegen des geringeren Störschallpegels) auch leiser gesprochen werden kann. Dadurch nimmt der durch die Unterhaltungen erzeugte Störschallpegel bei Nachbesserungen oft doppelt so stark ab, wie es allein aufgrund der Nachhallreduzierung zu erwarten wäre.
Andererseits ist in einem halligen Raum der diffuse von allen Raumbegrenzungsflächen reflektierte Anteil eines Sprach-Signals größer als in einem Raum mit stark absorbierenden Decken- und Wandflächen. Diese diffusen Sprachschallanteile enthalten keine für das Sprachverständnis nutzbare Information.
Dies gilt übrigens in gleicher Weise für Schwer- und für Guthörende. Ausschließlich der direkte Signalanteil ist für die Verständlichkeit nutzbar und muss dazu nach den Untersuchungen von Fastl und Oberdanner ausreichend hoch über dem Störsignalanteil liegen. Durch Verkürzen der Nachhallzeit kann man den Hallfeld-Schallpegel absenken und erhält dadurch auch in größeren Abständen (--> Hallradius)  von einem Sprecher noch ein ausreichendes gutes Direktschall-Diffusschall-Verhältnis.
Darüber hinaus ist es in nachhallärmeren Räumen weit weniger problematisch, eine elektroakustische Sprachverstärkung auszusteuern, ohne dass Rückkopplungspfeifen den Verstärkungsgewinn der Anlage begrenzt. Die damit verbundene Anhebung des Nutzsignalpegels gegenüber dem abgesenkten Störschallpegel kommt den Zuhörern direkt zugute.


III.    Hinweise für die Raumgestaltung:

- Versorgung mit Direktschall – freie Sichtlinie: Um die wichtige Versorgung mit Direktschall sicherzustellen, müssen die Kriterien für freie Sichtlinien auch für die Akustik angewendet werden. Das bedeutet vor allem für größere Räume ansteigende Publikumsflächen oder hochgelegte Bühnen. Der Grundriss und die Anordnung des Publikums muss je nach Nutzung so optimiert werden, dass die Direktverbindung zwischen Sprechenden und Hörenden möglichst kurz ist. Diese Forderung ist allerdings für Hörbehinderte mit der Auflage zu verbinden, dass die Sicht für das Lippenabsehen möglichst gut ist (nicht zuletzt auch durch eine geeignete Beleuchtung)

- Frühe Schallreflexion ermöglichen: Trotz der Forderung nach einer kurzen Nachhallzeit soll in einem Raum nicht nur Direktschall übertragen werden. Durch geeignete Reflexionen soll Schall auch in Bereiche gelenkt werden, die weiter von der Schallquelle entfernt sind. Als Reflexionsflächen eignen sich in kleinen Räumen die Decke und z.T. die Wände. In größeren Räumen können die Decke und Wände speziell geformt werden und sogar eigens Reflektoren eingesetzt werden. Bei größeren Räumen ist eine akustische Fachberatung unumgänglich.

- Richtige Materialauswahl – Absorber am richtigen Ort: Die wegen der Forderung nach einer kurzen Nachhallzeit notwendigen Flächen mit Schallabsorption sind demnach so im Raum zu verteilen, dass nutzreiche Reflexionen erhalten bleiben, schädliche Reflexionen jedoch unterdrückt werden. Es ist zu bedenken, dass die Nachhallzeit frequenzabhängig ist und die verwendeten Materialien (Beton, Mörtel, Ziegel, Holz, Glas, Mineralwolle, Gipskartonplatten, Dispersionsfarbe, usw.) ebenfalls einen, von der Frequenz abhängigen Absorptionsgrad aufweisen, d.h. bei tiefen Tönen den Schall mehr oder weniger „schlucken“ (absorbieren) als bei hohen.

Schematisch ist die Anordnung im folgenden Bild gezeigt: 
Absorption gut

- Die Wahl und Platzierung der für die akustischen Verhältnisse maßgeblichen Materialien hat in Zusammenarbeit mit akustischer Beratung durch einen kompetenten Bauphysiker (Raumakustiker) zu erfolgen. Maßgeblich sind Nachhallzeitberechnungen und insbesondere bei größeren Räumen Computersimulationen.

- Restaurants, Essräume, Aufenthaltsräume, Wartesäle, etc.: Räume, die nicht primär dazu dienen, dass eine einzige Person spricht und eine oder mehrere Personen zuhören, sind meistens relativ lärmig. In diesen Räumen ist es sinnvoll, die ganze Decke schallabsorbierend zu verkleiden und die Nachhallzeit kurz zu halten. Auf diese Weise wird auch der Störgeräuschpegel verringert.

IV.    Vorgehen bei der Planung:

Für die Planung ist in der Regel eine akustische Beratung erforderlich. Für kleine Räume ist die akustische Planung weniger aufwändig, aber trotzdem für die Belange der Hörbehinderten sehr ernst zu nehmen. Je größer der Raum und je verschiedenartiger das Spektrum der Nutzung von Räumen, umso umfangreicher wird die Beratung. Heute werden mit zumeist Computersimulationen und bei aufwändigeren Projekten auch Auralisationen (Abhören von noch nicht gebauten oder adaptierten Räumen) bei gezogen.

Die Genauigkeit dieser akustischen Prognosen hat heute einen (je nach Eingabegenauigkeit) hohen Level erreicht. Darüber hinaus sind je nach Bauphase begleitende raumakustische Messungen empfehlenswert.

Die raumakustische Planung von Kommunikationsräumen muss zunächst die prinzipiellen Gesetzmäßigkeiten für Räume zur Sprachkommunikation Guthörender beachten. Zusätzlich sind von Anbeginn der Planung aber auch die Probleme der Hörgeschädigten mit zu berücksichtigen. Dabei ist zu bedenken, dass nicht nur die typischen „Veranstaltungsräume“ der sprachlichen Kommunikation dienen, denn Kommunikation findet überall dort statt, wo sich Menschen begegnen: in Kindergärten, Schulklassen, Konferenzräumen, vor Gericht, in Hörsälen, Theatern, Kinos, Kirchen und Sportstätten, in Werkstätten bei der Unterweisung von Lehrlingen und im Operationssaal beim Zureichen des Bestecks, aber auch beim Gespräch innerhalb der eigenen Wohnung, am Krankenbett, am Fahrkarten- oder Bankschalter bzw. in Läden beim Einkaufen, oder im PKW oder Reisebus. Auf vielen Bahnhöfen verstehen dank extrem ungünstiger raumakustischer Faktoren und mangelhafter Beschallungsanlagen auch Guthörende nur „Bahnhof“.

Nicht in allen Räumen wird man für Menschen mit Hörschädigungen in gleichbleibender Qualität sorgen können. Die besonderen raumakustischen Notwendigkeiten müssen aber von vornherein beachtet werden und auch die in Kommunikationsräumen erforderlichen technischen Hilfsmittel sind einzuplanen.

Der Art.VII, der Bundesverfassung ist auch bei der schalltechnischen Planung umzusetzen: Kernaussage: "Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden". Es geht darum, dass es endlich gelingt, nicht bloß für die betroffenen Menschen zu arbeiten und zu agieren, sondern in erster Linie MIT ihnen. Es ist entscheidend, inwieweit Betroffene und ihre Organisationen in die Planung und Ausführung eingebunden werden.

Das geringe Wissen normalhörender Planer um die spezifischen Bedürfnisse von Menschen mit Hörschäden hat dazu geführt, dass bisher nur in wenigen Räumen, vorrangig in Kirchen und Theatern, Anlagen zur Verbesserung der Sprachübertragung eingebaut sind. Diese Anlagen arbeiten im allgemeinen nur in einer Richtung (wie beim Frontalunterricht), ermöglichen aber noch nicht die Kommunikation aller (wie bei einem Seminar). Die einschlägigen Normen benennen zwar im Anwendungsbereich die Blinden und Sehbehinderten sowie die Gehörlosen und Hörgeschädigten; Planungsgrundlagen fehlen aber weitgehend. Hinweise, dass Signale, wie Pausenzeichen, Türklingeln oder eine Alarmanlage und gegebenenfalls auch deren Rückmeldung, nach dem „Zwei-Sinne-Prinzip“ akustisch und optisch ausgeführt werden müssen, sind vielfach unbekannt. In den nunmehr neu überarbeiteten Normen zum barrierefreien Bauen (ÖNORM B1600ff) wurden diese Erkenntnisse allerdings bereits berücksichtigt.

Forderung an die Behörden, die Verwaltung, den Bauherrn, die Kontrolllore in Bezug auf die Raumakustik:

Die Anforderungen der ÖNORM B-8115 sind einzuhalten, insbesondere die im Teil 3 angegebene optimale Nachhallzeit (=Mindestanforderung) für den bedungenen Gebrauch ist vor der Errichtung des Raumes zu planen (dafür gibt es Fachleute) und nach Errichtung des Raumes zu überprüfen.


Inhalt und Gestaltung: 

Ing. Alfred Sturma, Fa. ACS, Wien
Rosenhügelstraße 13, 1120 Wien
Tel: 0664 9013363 – Fax: 01 803944433
www.acs-akustik.at   - Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! 

Prof. DI William Wallner
Zivilingenieur f. Elektrotechnik
Gerichtlich beeideter u.zertifizierter Sachverständiger
ZT-Büro (Akustik & Lichtechnik)
Burenstraße 54, 8020 Graz
Tel: 0664 / 4975195 – 0316 / 581417 – Fax: 0316 / 575422
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veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung der Verfasser im Jahr 2011

Österreichische Schwerhörigen Selbsthilfe ÖSSH
Tel: 0681 / 207 470 56
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